Altersarmut in Deutschland

In der heutigen Zeit wird nicht nur in der Politik oft und viel über die Altersarmut diskutiert. Arme Rentner gibt es in Deutschland immer häufiger. Diese können ihren Lebensunterhalt von der einkommenden Rente nicht oder nur knapp bestreiten und sind deshalb oft auf die Hilfe vom Staat angewiesen.

Diese besteht aus der Grundsicherung, die jedem Rentner trotz niedriger Rentenzahlungen ein würdevolles Leben ermöglichen soll. Aber wann genau werden die Grenzen zur Altersarmut überschritten? Welche Ursachen liegen diesem Phänomen zugrunde?

Altersarmut trifft heutzutage viele Menschen in Deutschland.

Altersarmut trifft heutzutage viele Menschen in Deutschland.

Welche Personengruppen besonders von der Altersarmut betroffen sind und welche Gründe für die Verarmung vorliegen bzw. diese begünstigen und welche Maßnahmen gegen die fortschreitende Entwicklung getroffen werden, lesen Sie im folgenden Ratgeber.

Altersarmut: Eine Definition

Wenn in den Nachrichten, der Politik oder im Alltag über das Thema Altersarmut gesprochen wird, stellen sich viele Menschen die Frage: „Was ist Altersarmut eigentlich genau?“. Denn nicht jeder, der in der Rente wenig Geld zur Verfügung hat, ist laut Definition der Europäischen Union auch wirklich arm. Dementsprechend gilt laut Europäischer Union folgende Grenze für die Altersarmut:

Als arm gilt derjenige, dem maximal 60 % des Medianeinkommens des entsprechenden Landes zur Verfügung steht.

Oft wird allerdings auch eine pauschale Einkommensgrenze von 900 Euro genannt. Allgemein gilt: Sollte ein Rentner seinen Lebensunterhalt nicht mehr durch sein eigenes Einkommen bestreiten können, so gilt dieser als arm bzw. armutsgefährdet. Sollte die Altersarmut eine bestimmte Grenze erreicht haben, besteht bei Rentnern ab einem gewissen Alter ein Anspruch auf Grundsicherung vom Staat.

Wer ist häufig von Altersarmut betroffen?

Die Armutsrente ist besonders oft bei ehemaligen Minijobbern oder Teilzeitkräften vertreten.

Die Armutsrente ist besonders oft bei ehemaligen Minijobbern oder Teilzeitkräften vertreten.

Aufgrund der heutzutage immer noch teilweise vorherrschenden Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen sind letztere weitaus häufiger von Altersarmut betroffen. Aber welche Ursachen für die Altersarmut gibt es noch?

Hinzu kommen hinsichtlich der Altersarmut bei Frauen in einigen Fällen Auszeiten durch Schwangerschaften, die die Rentenzahlungen ebenfalls verringern können. Auch niedrige Löhne führen dazu, dass durch den Arbeitnehmer (bzw. Arbeitgeber) weniger in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt werden kann.

Gleiches gilt auch für die private Rente: Steht einem Arbeitnehmer monatlich wenig Geld zur Verfügung, so wird er in der Regel nicht als erstes daran denken, eine private Rentenversicherung für das Alter abzuschließen, da das Geld für akutere Sachen benötigt wird. Auch länger andauernde Krankheiten wie Burn-outs oder Depressionen können die Rentenzahlungen vermindern.

Weitere Risikogruppen sind kleinere Selbstständige oder Langzeitarbeitslose, in der heutigen Gesellschaft häufig zu findende Minijobber oder auch Teilzeiterwerbstätige. Gründe für die Altersarmut gibt es entsprechend viele. Aber welche Lösungsmöglichkeiten können angewendet werden, um der Armutsrente zu entgehen?

Altersarmut und ihre Ursachen

Die gesetzlichen Rentenzahlungen in Deutschland leben vom sogenannten Umlageverfahren. Das heißt, dass die Beitragszahler – also die Erwerbstätigen – die Finanzierung der aktuellen Renten übernehmen. Aufgrund des demographischen Wandels gibt es im Gegensatz zu früher jedoch immer weniger Einzahler, sodass ehemaligen Arbeitnehmern in ihrer Rente meist lediglich die Hälfte der Einzahlungen zur Verfügung steht.

Dies und die Veränderung der Erwerbstätigkeit im Sinne von Minijobbern, Langzeitarbeitslosen oder Teilzeiterwerbstätigen sind einige zur Altersarmut führende Gründe, die bekämpft werden müssen, um die Rente auch in Zukunft sichern zu können.

Maßnahmen gegen Altersarmut: die Grundsicherung

Maßnahmen gegen Altersarmut werden beispielsweise durch die Zahlung der Grundsicherung geleistet.

Maßnahmen gegen Altersarmut werden beispielsweise durch die Zahlung der Grundsicherung geleistet.

Also stellt sich auch der Bund die Frage, was zu tun ist gegen die Altersarmut in Deutschland. Entsprechend der Definition der EU gab es im März 2016 rund 1.040.000 Empfänger von Grundsicherung in Deutschland. Knapp 536.000 davon waren bereits im Rentenalter. Das entspricht einem Anteil von etwas mehr als 50 %.

Das bedeutet, dass viele Rentner in Deutschland neben ihrer gesetzlichen oder privaten Rente aufgrund von Altersarmut Sozialhilfe annehmen müssen. Aber was genau bedeutet Grundsicherung eigentlich genau? Leistungsberechtigt wegen Rentnerarmut sind nach § 41 des Zwölften Sozialgesetzbuches (SGB XII) Personen, die die Altersgrenze erreicht haben oder dauerhaft erwerbsgemindert sind.

Die Altersgrenze unterscheidet sich allerdings je nach Geburtsjahr des Bezugsberechtigten. Ist ein Leistungsberechtigter bis zum 1. Januar 1947 geboren, so gilt das Renteneintrittsalter von 65 Jahren. Wurde ein Rentner am 1. Januar 1947 oder später geboren, so gilt folgende Tabelle:

GeburtsjahrAnhebung um MonateErrechnete Regelaltersgrenze
1947165 Jahre und 1 Monat
1948265 Jahre und 2 Monate
1949365 Jahre und 3 Monate
1950465 Jahre und 4 Monate
1951565 Jahre und 5 Monate
1952665 Jahre und 6 Monate
1953765 Jahre und 7 Monate
1954865 Jahre und 8 Monate
1955965 Jahre und 9 Monate
19561065 Jahre und 10 Monate
19571165 Jahre und 11 Monate
19581266 Jahre
19591466 Jahre und 2 Monate
19601666 Jahre und 4 Monate
19611866 Jahre und 6 Monate
19622066 Jahre und 8 Monate
19632266 Jahre und 10 Monate
ab 19642467 Jahre

Höhe der Grundsicherung

Die Definition von Altersarmut legt eine maximale Verdienstgrenze von 60 % des mittleren Einkommens in Deutschland fest.

Die Definition von Altersarmut legt eine maximale Verdienstgrenze von 60 % des mittleren Einkommens in Deutschland fest.

Die Höhe der Grundsicherung entspricht der Zahlung beim Empfang von Hartz IV bzw. Arbeitslosengeld II. Demnach werden ein Regelbedarf sowie ein eventuell nötiger Mehrbedarf gezahlt. Die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge und die Kosten für Unterkunft und Heizung werden in Höhe der tatsächlichen Aufwendungen übernommen.

Genau wie bei der Erstausstattung durch Möbel bei Hartz IV ist diese Leistung auch bei der Grundsicherung möglich. Der Regelbedarf beträgt für Alleinstehende 409 Euro, für Partner oder Eheleute jeweils 368 Euro.

Die Bewilligung erfolgt in der Regel für zwölf Monate. Haben sich die Voraussetzungen zum Auslaufen des Bewilligungszeitraums nicht geändert, verlängert sich der Anspruch automatisch, sodass kein neuer Antrag nötig ist.

Anrechnung von Einkommen und Vermögen

Ähnlich wie bei anderen Sozialleistungen auch wird bei der Grundsicherung zunächst auf das Einkommen sowie das Vermögen des Bezugsberechtigten geachtet. Denn ist dieses zu hoch, muss es zuerst verbraucht werden, bevor Hilfe vom Staat bei Altersarmut geleistet wird. Zum Einkommen zählen dabei beispielsweise Einnahmen aus geringfügiger Beschäftigung, private Renten oder die betriebliche Altersvorsorge sowie Kindergeld.

Die Grundrente nach dem Bundesversorgungsgesetz (BVG) oder einmalige Entschädigungsleitungen werden dem Einkommen nicht hinzugerechnet. Zudem wird ein Vermögen von 2.600 Euro pro Person gewährt. Hinzu kommen Erhöhungsbeträge für Lebens- oder Ehepartner (614 Euro) sowie für von der Grundsicherung des Bezugsberechtigten zu unterhaltende Personen (jeweils 256 Euro).

Beachten sie: Auch das Einkommen des nicht getrennt lebenden Ehe- oder Lebenspartners wird bei der Berechnung der Grundsicherung miteinbezogen. Das heißt: Hat Ihr Lebenspartner ein so hohes Einkommen, dass er seinen Lebensunterhalt auch in der Rente selbst bestreiten kann, so wird der Differenzbetrag zur möglichen Grundsicherung (die fiktiv errechnet wird) auf den Bedarf des Leistungsberechtigten angerechnet. Diese Regelung bezieht sich allerdings nur auf Lebens- oder Ehepartner, nicht auf sonstige im Haushalt oder der Bedarfsgemeinschaft lebende Personen.

Wege aus der Altersarmut: Wie die Rente geschützt werden kann

Gründe für Altersarmut liegen zum Beispiel in der Zahlung von Niedriglöhnen.

Gründe für Altersarmut liegen zum Beispiel in der Zahlung von Niedriglöhnen.

Besonders in den Kreisen der deutschen Politik wird viel über die Altersarmut diskutiert. Denn um diese abzubauen, müssen innovative Maßnahmen vorgeschlagen und ergriffen werden.

Um die Ursachen der Altersarmut zu bekämpfen, muss bereits beim Thema Erwerbstätigkeit begonnen werden. Höhere Löhne oder die Aufstockung von Niedriglöhnen bis zur Grundsicherungsgrenze sollen noch weit vor der Rente der Altersarmut vorbeugen.

Neben der Anpassung des Regelbedarfs wurde deshalb zudem der Mindestlohn eingeführt. Durch diese Maßnahmen sollen Dumpinglöhne vermieden und den Leistungsberechtigten durch den Anstieg der Regelsätze ein würdevolleres Leben ermöglicht werden. Der Mindestlohn hilft demnach bereits weit im Voraus der Rente, spätere unzureichende Rentenzahlungen zu umgehen.

Private Altersvorsorge gegen Armut im Alter

Zusätzlich wird es in der heutigen Zeit immer wichtiger, auch privat für das Alter vorzusorgen. Das kann beispielsweise durch eine private Rentenversicherung, durch Lebensversicherungen oder eine betriebliche Altersvorsorge gesichert werden.

Eine private Rentenversicherung oder eine Lebensversicherung kann dann – nach Eintritt ins Rentenalter – monatlich als ergänzende Rentenzahlung bzw. als einmalige Leistung zur Sicherung des Lebensunterhalts dienen. Die betriebliche Altersvorsorge sorgt dafür, dass ein Teil vom Bruttolohn durch den Arbeitgeber direkt in eine private Rentenversicherung einfließt.

Wichtig für Sie ist: Wenn Sie während Ihrer Erwerbstätigkeit nicht viel Geld in Ihre Rentenversicherung einzahlen konnten, kann die gesetzlich ausgezahlte Rente niedrig ausfallen. Darüber sollten Sie sich bereits vor Eintritt ins Rentenalter Gedanken machen. Eine Aufstockung dieser Rente durch eine private Form der Altersvorsorge kann Sie dann vor der Altersarmut schützen.

Statistisches Bundesamt: Wer ist altersarm?

Die Angst vor Altersarmut in Deutschland nimmt zu.

Die Angst vor Altersarmut in Deutschland nimmt zu.

Die Zunahme der Altersarmut verdeutlicht die Statistik ihrer Entwicklung. Die Zahl der an der Armutsgrenze lebenden Personen hat sich besonders in den letzten Jahren stark gesteigert. Wie bereits erwähnt, lag die Anzahl der Rentner, die von der Grundsicherung abhängig sind, im März 2016 bei etwa 536.000.

Im März 2015 – also genau ein Jahr vorher – waren es lediglich knapp 512.000. Geht man bis in das Jahr 2005 zurück, wird die Veränderung noch deutlicher: Laut Statistik lag die Altersarmut – sprich die Personen, die auf Grundsicherung angewiesen waren – im Jahr 2005 bei etwa 343.000. Auffällig ist auch, dass die Altersarmut beispielsweise in Berlin höher ist als in ländlichen Regionen.

Besonders in deutschen Großstädten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Rentner von der Altersarmut in Deutschland laut Definition der EU betroffen sind. Das wird auch immer wieder in den Medien deutlich. 2016 erreichte die Altersarmut in Hamburg zum Beispiel einen neuen Höchststand von 15,6 %. Allerdings gibt es auch einen Unterschied zwischen den neuen und den alten Bundesländern.

Denn: Im Osten ist die Armutsgefährdung älterer Menschen niedriger als im Westen. Aber wieso ist die Armut im Alter in deutschen Großstädten besonders hoch? Das kann daran liegen, dass hier die Lebenshaltungskosten weitaus höher sind, die Löhne allerdings nicht entsprechend angepasst werden.

4 Gedanken zu „Altersarmut in Deutschland

  1. Maria Anna H.

    Hallo liebes Team,
    Ende März 2013 hatte ich so einen Streit im Jobcenter F. [von der Redaktion editiert], dass ich den Chef/Leiter sprechen wollte. Ich hatte vor das Jobcenter und ihre Mitarbeiter anzuzeigen, weil sie mir gegen meinen Willen eine Eingliederungsvereinbarung unterschreiben lassen wollten. Es eskalierte und ich wurde vom stellvertretenden Leiter (Name leider vergessen – er ist aber längst weg) so angeschrieen, dass ich Herzrasen bekam und seither in ständiger Behandlung bin und auch wegen meines Herzinfarktrisikos und Schlaganfallgefahr (zu Halswirbelbandscheibenvorfall u. a. Krankheiten) die EM-Rente am 1. Feb. 2014 beantragte.
    Seither hatte ich keinen Folgeantrag mehr gestellt, obwohl sich bei mir nie etwas seit 2005 geändert hat, und musste privat Geld aufnehmen um zu überleben. Daraus entstand mein Schuldenberg von knapp 30.000 Euro, den ich mit meiner Rente abstottern wollte.
    Da ich erpresst worden bin, möchte ich die mir zustehende Grundsicherung ab 1. April 2013 lückenlos bis zum heutigen Tag korrekt nach- und ausbezahlt bekommen. Damit könnte ich schuldenfrei werden und meine Herzbelastung mildern. Heute früh wollte ich schon in die Notaufnahme gehen, so Herzrasen und hochen Blutdruck hatte ich.
    Und eigentlich sollte ich bereits seit 1. April 2013 meine volle Rente erhalten, laut eines Rentenberaters.
    Wer kann mir dabei helfen?
    Liebe Grüße
    Maria H.
    P.S.: Die Rechtsanwältin und der Richter überredeten mich bis zur Urteilsverkündung am 1. März 2014 die Grundsicherung zu beantragen, worauf ich statt 404 nur 184 € erhalte. Angeblich soll ich Geld erhalten, was ich jedoch nur geliehen bekomme um zu überleben und danach eine Rückzahlung erfolgen soll.

    Antworten
    1. hartz4hilfthartz4.de

      Hallo Maria Anna,

      wenden Sie sich mit Ihrem Problem entweder an eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe (z. B. die Caritas) oder an einen Anwalt für Sozialrecht, um Ihr Problem zu klären. Sie können für diese Beratung auch finanzielle Hilfen wie die Beratungshilfe in Anspruch nehmen.

      Ihr Team von hartz4hilfthartz4.de

      Antworten
  2. d kos

    Ich soll eine EGV unterschreiben mit 61 wobei ich am allen Massnahmen teilnehmen muss. Steht in der Schluss Formulierung. Muss ich das unterschreiben.

    Antworten
    1. hartz4hilfthartz4.de

      Hallo d.,

      grundsätzlich sind Sie nicht verpflichtet, die EGV zu unterschreiben. Allerdings kann diese per Verwaltungsakt erlassen werden. Unterschreiben Sie diese auch dann nicht, können möglicherweise Sanktionen folgen.

      Ihr Team von hartz4hilfthartz4.de

      Antworten

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