Hartz IV: Viele Kinder sind auf Leistungen angewiesen

Im Rahmen des internationalen Kindertages am 1. Juni 2016 wurde eine Statistik veröffentlicht, die belegt, dass die Zahl der Hartz IV beziehenden Kinder um etwa 30.000 im Vergleich zum Vorjahr angestiegen ist. Daraus folgt, dass etwa jedes siebte Kind in Deutschland auf Hartz-4-Leistungen angewiesen ist.

Wie hoch ist der Hartz-IV-Satz für Kinder in Deutschland?

Wie hoch ist der Hartz-IV-Satz für Kinder in Deutschland?

Das Problem der Kinderarmut liegt dabei oft in der Armut der Eltern begründet. So sind diese meist selbst auf Leistungen des ALG II angewiesen. Doch wie hoch ist der Hartz-4-Satz für Kinder eigentlich? Was versteckt sich hinter den Begriffen „Regelsatz“ und „Kinderzuschlag“?

Diesen Fragen geht der folgende Ratgeber auf den Grund. Weiterhin erfahren Sie, welche Leistungen das Bildungspaket bereitstellt und wie sich in Bezug auf Hartz IV der Kindersatz im Jahr 2017 verändern soll.

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Betreuungsgeld Bildungs- und Teilhabepaket Kinderzuschlag Widerspruch gegen den Kinderzuschlag

Wie hoch ist der Hartz-IV-Satz pro Kind?

Doch wie viel Hartz 4 steht einem Kind nun zu? Zunächst wird eine Einteilung in verschiedene Altersgruppen vorgenommen. Je nach Altersstufe steht dem Kind bzw. Jugendlichen folgender Regelsatz vom ALG II pro Monat zu:

  • Bis zu sechs Jahren: 237 Euro
  • Zwischen sechs und 13 Jahren: 291 Euro
  • Zwischen 14 und unter 18 Jahre: 311 Euro
  • Unter 25 Jahren (im Haushalt der Eltern lebend): 327 Euro

So gestaltet sich momentan in Bezug auf Hartz IV für Kinder der Regelsatz (Stand 2017). Auffällig in der Statistik der von ALG II abhängigen Kinder und Jugendlichen ist auch ein großer regionaler Unterschied.

So ist in Bremen und Berlin beispielsweise die Kinderarmut weit mehr verbreitet als in Bayern. Dies hängt auch mit den regionalen Arbeitsmärkten und der Arbeitslosenquote der einzelnen Städte bzw. Bundesländer zusammen.

Gut zu wissen: Bei Neugeborenen haben ALG-II-Beziehende einen Anspruch auf eine Erstausstattung für das Baby. Diese kann per Antrag beim Jobcenter eingefordert werden. Es handelt sich dabei meist um einen Pauschalbetrag, der ausgezahlt wird.

Wird bei Hartz IV das Kindergeld angerechnet?

Bei Hartz 4 wird das Kindergeld auf die Leistungen angerechnet.

Bei Hartz 4 wird das Kindergeld auf die Leistungen angerechnet.

In Deutschland haben Erziehungsberechtigte das Recht, Kindergeld zu beantragen. Es soll die Grundsicherung des Kindes sicherstellen.

Die Höhe der Zahlungen hängt vom Alter und der Anzahl der Kinder ab. Folgende Beträge werden dabei überwiesen:

  • 1. Kind: 190 Euro
  • 2. Kind: 190 Euro
  • 3. Kind: 196 Euro
  • je weiteres Kind: 221 Euro

Das Kindergeld kann bis zu einem Alter von 25 Jahren bezahlt werden, sofern eine Ausbildung oder ein Studium vom Kind selbst angetreten werden. Mindestens muss der Betrag bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres bezahlt werden. Wie verhält es sich aber bei Hartz IV in Bezug auf Kinder bzw. das Kindergeld?

Das Kindergeld wird auf die Hartz-IV-Leistungen angerechnet. Eine Verfassungsbeschwerde gegen diese Vorgehensweise wurde am 11.03.2010 vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen. Diese Praxis ist somit rechtlich abgesichert.

Gibt es bei Hartz IV einen Kinderfreibetrag?

Bei einem Hartz-4-Beziehenden wird auch das Vermögen angerechnet und mindert gegebenenfalls die Leistungen vom Jobcenter oder der Agentur für Arbeit. Doch wie verhält es sich bei Kindern?

Grundsätzlich kann auch hier ein etwaiges Vermögen, beispielsweise durch eine Anlage der Großeltern oder einer Erbschaft auf die Sozialleistungen angerechnet werden. Allerdings ist für minderjährige Hartz IV bedürftige Kinder ein Freibetrag von 3.100 Euro gesetzlich festgelegt.

Dabei muss der Vermögenswert eindeutig dem Kind zugeordnet werden können. Etwaige Sparbücher müssen also beispielsweise auf den Namen des Kindes laufen und dürfen nicht von den Eltern auf den eigenen Namen für den Nachwuchs angelegt sein.

Weitere wichtige Begriffe in Bezug auf Hartz IV und Kinder

Neben den schon genannten Begrifflichkeiten, wie Kindergeld und Kinderfreibetrag, sind noch weitere Dinge zu berücksichtigen, wenn es um Hartz-IV-Leistungen und Kinder geht.

Im Folgenden sollen diese beschrieben und erläutert werden.

Hartz IV und Kinderzuschlag

Hartz IV: Viele Kinder sind von Armut betroffen oder bedroht.

Hartz IV: Viele Kinder sind von Armut betroffen oder bedroht.

Eine weitere finanzielle Unterstützung für Neugeborene kann der Kinderzuschlag darstellen. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine Leistung, die zusätzlich zum ALG II bezogen werden kann. Diese Geldleistung ist für Erziehungsberechtigte vorbestimmt, die ein Einkommen vorweisen können, welches allerdings nicht ausreicht, um die Grundsicherung des Kindes zu gewährleisten.

Die Voraussetzungen sehen dabei folgendermaßen aus:

  • die Kinder müssen unter 25 Jahre alt sein, im gemeinsamen Haushalt leben und nicht verheiratet sein,
  • die Eltern müssen Kindergeld oder ähnliche Leistungen beziehen,
  • die monatlichen Einnahmen der Eltern müssen die Mindesteinkommensgrenze erreichen (bei einem Elternpaar 900 Euro, bei Alleinerziehenden 600 Euro),
  • Vermögen und Einkommen dürfen die Höchsteinkommensgrenze nicht übersteigen,
  • ALG II, Sozialhilfe oder Sozialgeld darf nicht bezogen werden.

Sind diese Bedingungen erfüllt, hat ein Antrag auf Kinderzuschlag Aussicht auf Erfolg. Um die Summe des Zuschlags zu berechnen, werden verschiedene Faktoren berücksichtigt. So ist beispielsweise entscheidend, ob eine Unterhaltszahlung eingeht oder das Einkommen des Antragstellers steigt.

Dies ist bei Selbstständigen häufig der Fall, wenn sich die Auftragslage zu ihren Gunsten ändert. Auch Saisonarbeiter sind dieser Gruppe zuzuordnen. Der Höchstbetrag des Kinderzuschlags ist in § 6a Absatz 2 Bundeskindergeldgesetz (BKGG) geregelt:

Der Kinderzuschlag beträgt für jedes zu berücksichtigende Kind jeweils bis zu 160 Euro monatlich. Die Summe der Kinderzuschläge bildet den Gesamtkinderzuschlag. Er soll jeweils für sechs Monate bewilligt werden. Kinderzuschlag wird nicht für Zeiten vor der Antragstellung erbracht. […]

Aus dem Paragraphen wird zudem ersichtlich, dass die Leistungen jeweils für einen Zeitraum von sechs Monaten ausgelegt sind. Nach Ablauf dieser Frist kann der Betrag neu berechnet werden, sofern sich die Umstände geändert haben.

Beziehen Sie Hartz IV und haben Kinder, ist es nicht möglich, einen Kinderzuschlag zu beantragen. Dies ist nur für Personen gedacht, die ein eigenes Einkommen vorzuweisen haben, welches allerdings nicht ausreicht, um die Grundsicherung des Kindes zu gewährleisten.

Bildungs- und Teilhabepaket

Reichen die Leistungen von Hartz IV für Kinder in Bezug auf die Bildung nicht aus, kann das Bildungspaket in Anspruch genommen werden.

Reichen die Leistungen von Hartz IV für Kinder in Bezug auf die Bildung nicht aus, kann das Bildungspaket in Anspruch genommen werden.

Hartz-IV-Empfänger können Ihren Kindern aufgrund des geringen Einkommens nicht immer alle schulischen Aktivitäten finanzieren.

Damit hierdurch keine Benachteiligung entsteht, existieren die sogenannten Leistungen für Bildung und Teilhabe (das Bildungspaket).

Einen Antrag für diese Zuschüsse können Hartz-IV-Beziehende für ihre Kinder beim Jobcenter stellen. Grundlage dafür bildet der § 28 des Sozialgesetzbuches II (SGB II):

Bedarfe für Bildung und Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft werden bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen neben dem Regelbedarf nach Maßgabe der Absätze 2 bis 7 gesondert berücksichtigt. Bedarfe für Bildung werden nur bei Personen berücksichtigt, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, eine allgemein- oder berufsbildende Schule besuchen und keine Ausbildungsvergütung erhalten (Schülerinnen und Schüler).

In den Leistungen inbegriffen sind folgende Teilbereiche:

  • Mittagessen in Kita, Kindertagespflege, Schule oder Hort: Die Eltern zahlen lediglich einen Eigenanteil von einem Euro für das Schulessen. In Kitas oder der Tagespflege muss ein Pauschalbetrag von 20 Euro pro Monat gezahlt werden.
  • Persönlicher Schulbedarf: In diese Kategorie fallen beispielsweise Schulbücher, Stifte oder der Schulranzen. Dafür werden den Eltern 100 Euro zur Verfügung gestellt.
  • Förderkurse: Diese werden komplett übernommen, sofern die Schule bestätigt, dass eine gesonderte Förderung vonnöten ist.
  • Teilnahme an Schul- oder Kitaausflügen: Die Kosten hierfür werden ebenfalls übernommen.
  • Teilnahme an Klassenfahrten: Auch für Reisen im Klassenverbund werden die Kosten vollumfänglich gedeckt.
  • Teilnahme an Kultur, Sport und Freizeitaktivitäten: Dabei werden bis zu 10 Euro monatlich beigetragen. Beispielsweise für Mitgliedsbeiträge in einem Sportverein. Auch die Fahrtkosten können erstattet werden. Zusätzlich wird die Anschaffung von Ausrüstungsgegenständen mit bis zu 120 Euro jährlich bezuschusst (ein Eigenanteil von 30 Euro ist dabei zu entrichten).
  • Fahrtkosten zur Schule: Hier besteht die Möglichkeit, ein ermäßigtes Schülerticket zu erhalten. Der Eigenanteil beträgt dabei in Berlin beispielsweise 12,08 Euro im Monat. Allerdings kann diese Leistung nur bewilligt werden, wenn der Schulweg mehr als einen Kilometer (bei Grundschülern) oder mehr als zwei Kilometer (bei Oberschülern) beträgt.

In all diesen Bereichen können Hartz-4-Empfänger für Kinder zusätzliche Leistungen beanspruchen, sodass sichergestellt wird, dass keine bildungstechnischen oder sozialen Nachteile entstehen. Denn eine Studie auf: Kinder von ALG II-Empfängern, haben oft unter sozialer Isolation zu leiden. Auch der Bildungsweg endet häufig mit einem Schulabbruch oder dem Hauptschulabschluss.

Durch das Bildungspaket soll also auch sichergestellt werden, dass eine gewisse Chancengleichheit gewahrt bleibt. Daher sollten sich Bedürftige auch nicht scheuen, diese Leistungen in Anspruch zu nehmen. Das Land Berlin hat das Verfahren beispielsweise vereinfacht, indem der „berlinpass-BuT“ eingeführt wurde. Dieser dient als Nachweis, dass Leistungen des Bildungspakets in Anspruch genommen werden können.

Dabei ist auch die Grundlage des Anspruchs auf dem Dokument vermerkt. Die Kennzeichnung „B1“ bedeutet beispielsweise, dass ALG II bezogen wird. In diesem Fall ist das Jobcenter für die Annahme und die Bewilligung der einzelnen Anträge zuständig.

Der Antrag auf Leistungen aus dem Bildungspaket kann beim zuständigen Jobcenter oder Sozialamt eingereicht werden. Da die Bewilligung einige Zeit in Anspruch nehmen kann, sollte die Beantragung möglichst früh erfolgen.

Hartz IV: Der Regelsatz pro Kind soll 2017 steigen

Auch für Kinder soll der Hartz-IV-Regelsatz 2017 steigen.

Auch für Kinder soll der Hartz-IV-Regelsatz 2017 steigen.

In Bezug auf Hartz IV soll der Kinderregelsatz im Jahr 2017 leicht erhöht werden.

Dies geschieht im Zuge einer allgemeinen Anpassung des ALG II. So steigt beispielsweise der Regelsatz für Alleinerziehende von 404 auf 409 Euro.

Bei Kindern zwischen 13 und 18 Jahren soll die Erhöhung ebenfalls fünf Euro betragen. Der Regelsatz beläuft sich dann also monatlich auf 311 Euro. Bei einer Altersgruppe gibt es allerdings eine deutlichere Erhöhung der Leistungen:

Kinder zwischen sechs und 13 Jahren sollen demnach ab 2017 291 Euro pro Monat erhalten. Grund dafür sei eine Stichprobe des Statistischen Bundesamtes, welche belegt, dass in diesem Alter ein erhöhter Bedarf für Lebensmittel und Getränke besteht.

Der Hartz-IV-Regelsatz für Kinder unter sechs Jahren soll allerdings nicht verändert werden. Er bleibt weiterhin bei 237 Euro pro Monat.

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