Hartz IV und Minijob: Wie viel Sie davon behalten dürfen

Durch das ALG II soll das Existenzminimum für Arbeitslose und für Menschen, die trotz einer Beschäftigung unter den Regelbedarf fallen, gewährleistet werden. Ein entsprechender Antrag kann bei der zuständigen Behörde gestellt werden. Wird Arbeitslosengeld bezogen, sind einige Auflagen zu beachten.

Hartz IV und Minijob: Wie passt das zusammen?

Hartz IV und Minijob: Wie passt das zusammen?

Dazu zählt unter anderen, dass etwaige Einkünfte mitgeteilt werden müssen. Diese werden dann entsprechend auf die Leistungen angerechnet. Doch wie verhält es sich in Bezug auf Hartz IV mit einem Minijob?

Dieser Frage soll der folgende Ratgeber auf den Grund gehen. Dazu wird zunächst der 450-Euro-Job und dessen Funktion erläutert und im Anschluss angegeben, wie bei einem Hartz-4-Empfänger ein Minijob angerechnet werden kann.

Was ist ein Minijob?

Bei einem Mini- oder 450-Euro-Job handelt es sich um ein Arbeitsverhältnis mit geringfügiger Beschäftigung. Im Rahmen dieser Tätigkeit darf das Gehalt den gesetzlich definierten Höchstbetrag (450 Euro pro Monat) nicht übersteigen.

In diesem Fall ist von einer geringfügig entlohnten Beschäftigung die Rede. Darüber hinaus besteht auch die Bezeichnung „kurzfristige Beschäftigung“. Hiermit ist eine entsprechend kurze Dauer des Arbeitsverhältnisses gemeint.

Solch ein Anstellungsverhältnis ist auch für Hartz-IV-Empfänger als Minijob möglich. ALG 2 wird dann anteilig weiterhin bezahlt. Wie genau die Einkünfte angerechnet werden, erfahren Sie im weiteren Verlauf des Ratgebers.

Hartz 4 und ein 450-Euro-Job lassen sich vereinbaren. Die Einnahmen aus der geringfügigen Beschäftigung müssen der Behörde allerdings mitgeteilt werden, damit diese entsprechend mit den Leistungen verrechnet werden können. Andernfalls handelt es sich um Schwarzarbeit.

Ist es möglich, über das Arbeitsamt/Jobcenter einen Minijob zu erhalten?

Ein Minijob bei Hartz 4 ist nicht zu verwechseln mit dem Ein-Euro-Job.

Ein Minijob bei Hartz 4 ist nicht zu verwechseln mit dem Ein-Euro-Job.

Viele Betroffene fragen sich, wie sie einen 450-Euro-Job als Hartz-IV-Empfänger bekommen können. Hier ist die Antwort eigentlich ganz simpel: einfach bewerben. Gerade im Einzelhandel werden Aushilfen oft gesucht.

Zu den Aufgaben zählen dann das Kassieren, Auffüllen der Regale oder sonstige Tätigkeiten im Laden.

Auch im Gaststättengewerbe oder bei anderen Firmen wird immer wieder nach Interessierten an einer geringfügigen Beschäftigung gesucht.

Auch Arbeitsamt und Jobcenter vermitteln Tätigkeiten, die einer geringfügigen Beschäftigung zugeordnet werden könnten. Dabei ist dies in einigen Fällen für den Hartz-IV-Empfänger kein Minijob, sondern ein sogenannter „Ein-Euro-Job“.

Diese Maßnahme soll vorrangig dazu dienen, Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Durch die Arbeit wird ein geregelter Tagesablauf geschaffen. Dies kann sich auch positiv auf potentielle neue Arbeitgeber auswirken.

Die Bezeichnung dieser Arten von Tätigkeiten spiegelt das Gehaltsniveau wider: Meist beläuft sich die Entlohnung auf einen Betrag zwischen 1 bis 2,50 Euro. Hier steht also nicht das Einkommen im Vordergrund.

Die Arbeitszeit pro Woche ist außerdem nicht mit einer Vollzeitbeschäftigung zu vergleichen. Sie beträgt mindestens 15 Stunden pro Woche. Ein Maximum von 30 Wochenstunden darf allerdings nicht überschritten werden.

Gut zu wissen: Sind Sie beim Amt gemeldet und erhalten den Status „arbeitslos“, ist ein 450-Euro-Job dennoch denkbar. Bei dieser Beschäftigung haben Sie zudem Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn von 8,84 Euro (Stand 2017).

Minijob und Hartz IV: Worauf ist zu achten?

450-Euro-Job und Hartz 4: Ein Freibetrag von 100 Euro pro Monat wird gewährt.

450-Euro-Job und Hartz 4: Ein Freibetrag von 100 Euro pro Monat wird gewährt.

Wenn Sie nun als Hartz-IV-Empfänger einen Minijob annehmen, sind einige Dinge zu beachten. Wichtig ist, dass Sie dem Jobcenter oder Arbeitsamt die Aufnahme dieser Tätigkeit mitteilen und Ihr daraus entstehendes Einkommen darlegen.

Es besteht nämlich die sogenannte Meldungspflicht. Damit soll sichergestellt werden, dass niemand ungerechtfertigte Leistungen erhält. Handelt es sich um einen erwerbstätigen Hartz-IV-Empfänger, so sind auch aufstockende Leistungen denkbar.

In diesem Fall werden die Einkünfte aus dem 450-Euro-Job auf das Arbeitslosengeld II angerechnet. Die Leistungen vom Jobcenter sollen dazu dienen, das Einkommen so aufzustocken, dass das Existenzminimum gewährleistet werden kann.

Allerdings wird nicht jedes Einkommen automatisch angerechnet. Es existieren sogenannte Freibeträge. Diese gestalten sich auf Grundlage von § 11b Sozialgesetzbuch II (SGB II) folgendermaßen:

  • Der Grundfreibetrag von 100 Euro pro Monat.
  • Bei einem Bruttoeinkommen zwischen 101 und 1000 Euro werden 80 Prozent auf die Leistungen angerechnet. 20 Prozent bleiben demnach frei.
  • Liegt die Bezahlung einer Tätigkeit zwischen 1001 und 1200 Euro, werden 90 Prozent auf die Leistungen angerechnet. Übrig bleibt dann ein Freibetrag von 10 Prozent im Monat.

Wird ein noch höherer Betrag erwirtschaftet, so wird dieser komplett auf das ALG II angerechnet. Da Hartz-IV-Empfänger beim Minijob in der Regel nicht mehr als 450 Euro verdienen, bleiben also 20 Prozent vom Verdienst frei.

Wie wird beim ALG 2 der Minijob angerechnet?

Doch wie genau werden nun das Arbeitslosengeld und der 450-Euro-Job verrechnet? Ein Fallbeispiel soll diesbezüglich Klarheit schaffen:

Ein Hartz-4-Empfänger erhält durch einen Minijob einen monatlichen Lohn von 450 Euro. Davon ist zunächst der Freibetrag von 100 Euro zu subtrahieren. Somit bleiben 350 Euro übrig. Von diesen werden nun nochmal 20 Prozent (70 Euro) abgezogen.

Als anzurechnendes Einkommen sind 280 Euro übrig. Diese werden in vollem Umfang auf den Regelsatz angerechnet. Beträgt dieser 404 Euro, so würden sich die monatlichen Zahlungen durch das Jobcenter nunmehr auf 124 Euro belaufen.

Als Hartz-IV-Empfänger Minijob verschwiegen, welche Konsequenzen drohen?

Sind Sie arbeitslos und geben einen 450-Euro-Job nicht an, können Sanktionen folgen, wenn der Behörde Ihre Tätigkeit auffällt.

Sind Sie arbeitslos und geben einen 450-Euro-Job nicht an, können Sanktionen folgen, wenn der Behörde Ihre Tätigkeit auffällt.

Aus dem Beispiel wird ersichtlich, dass sich die Leistungen vom Jobcenter durch eine geringfügige Beschäftigung deutlich mindern können. Daher ist jeder ALG-II-Beziehende verpflichtet, diese Tätigkeit anzugeben.

Kommt er dieser Pflicht nicht nach, können Hartz-IV-Sanktionen folgen. Diese machen sich in Form von Leistungskürzungen bemerkbar. Beim ersten Verstoß kann der Regelsatz um 30 Prozent gemindert werden.

Doch nicht nur im Bezug auf Hartz IV und den Minijob können Sanktionen verhängt werden. Dies ist auch der Fall, wenn Leistungsempfänger ihren Pflichten, die in der Eingliederungsvereinbarung definiert wurden, nicht nachkommen.

Dabei kann es sich beispielsweise um die Anzahl der Bewerbungen handeln, die pro Monat verschickt werden müssen. Auch verpasste Termine können eine Leistungskürzung um zehn Prozent nach sich ziehen.

Für ALG-2-Beziehende besteht eine Meldungspflicht gegenüber dem Arbeitsamt bzw. dem Jobcenter. Die Behörden sind auch über die Aufnahme einer geringfügigen Beschäftigung zu informieren. Tun Sie dies nicht, können Sanktionen folgen.

Diese treten in Form von Leistungskürzungen auf. Haben Sie über einen Zeitraum einen zu hohen Regelbedarf angegeben und die Zahlungen von einem überhöhten Regelsatz erhalten, so müssen Sie diese zurückzahlen.

6 Gedanken zu „Hartz IV und Minijob: Wie viel Sie davon behalten dürfen

  1. Mina

    Wie beläuft es sich denn wenn man einen 100 euro job (netto) hat und noch eine teilzeitstelle mit 1100€ brutto? knapp 900€ kommen dabei netto raus, wie errechnet sich der Freibetrag aus der Erwerbstätigkeit?

    Antworten
    1. hartz4hilfthartz4.de

      Hallo Mina,

      haben Sie zwei Jobs, so werden in der Regel die Verdienste zusammengerechnet. Um den Freibetrag auszurechnen, sind die Bruttoangaben Ihres Gehalts notwendig. Die ersten 100 Euro sind anrechnungsfrei, vom Gehalt zwischen 101 und 1000 Euro 20%, zwischen 1001 und 1200 (bzw. 1500) Euro noch einmal 10%. Der Rest wird auf den Hartz-4-Satz angerechnet.

      Ihr Team von hartz4hilfthartz4.de

      Antworten
  2. Jermain R.

    Ich habe folgendes Problem:
    Meine Mutter ist alleinerziehend, bezieht Hartz4 und ich habe jetzt einen Job, bei dem ich ungefähr 1100€ netto bekomme. Da das Jobcenter jetzt davon ausgeht, dass ich in meiner Haushaltsgemeinschaft mein Geld teile und mit meiner Mutter zusammen wirtschafte (SGB 2, Paragraph 9, Absatz 5), wird das gesamte Geld verrechnet. Demzufolge muss ich meiner Mutter ungefähr 700€ geben (wenn nicht mehr, da sie nicht mit dem Geld macht, was man machen sollte), um den ihr abgezogenen Betrag wieder auszugleichen.
    Ich möchte nicht zusammen wirtschaften und würde selbstverständlich für meinen Teil aufkommen, jedoch kann man doch nicht verlangen soviel Geld abzugeben. Wenn ich aber meiner Mutter kein Geld gebe, dann hat sie keins und der Staat wäre doch weiterhin verpflichtet, sie in einem solchen Falle zu unterstützen oder liege ich da falsch? Die Kinder dürfen doch nicht aufgrund solcher Umstände darunter leiden und so kann man einfach kein Leben führen.
    Ich weiß, dass man diese Vermutung des Jobcenters widerlegen kann, jedoch will ich von Ihnen wissen, was ich in einem solchen Widerspruch aufschreiben soll und wie hoch die Erfolgsaussichten wären.

    Ich hoffe, dass Sie meine Situation ein wenig nachvollziehen können und ich freue mich über Ihre Antwort.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Jermain R.

    Antworten
    1. hartz4hilfthartz4.de

      Hallo Jermain,

      in der Regel bilden Sie mit Ihrer Mutter keine Bedarfsgemeinschaft, sondern lediglich eine Haushaltsgemeinschaft, da Sie ein eigenes Einkommen haben.

      Ihr Team von hartz4hilfthartz4.de

      Antworten
  3. Kai G.

    Hallo,

    mir ist heute eine Minijob in der Gastronomie angeboten worden. Haette ich dann schlussendlich wirklich nur 100 Euro pro Monat mehr in der Tasche? Vom Jobcenter bekomme ich den Regel Satz + meine Miete erstattet.

    Danke fuer Info

    Antworten
    1. hartz4hilfthartz4.de

      Hallo Kai,

      das ist davon abhängig, wie viel Sie monatlich in Ihrem Job verdienen. Vom Bruttoverdienst bleiben Ihnen zunächst 100 Euro als Freibetrag, zusätzlich können Sie bei einem Gehalt zwischen 101 und 1000 Euro 20 % dieses Betrags behalten. Der restliche Verdienst wird mit Ihrem Hartz-4-Satz verrechnet.

      Ihr Team von hartz4hilfthartz4.de

      Antworten

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