Ist eine Scheidung online möglich?

Über 160.000 Scheidungen wurden im Jahr 2015 in Deutschland vollzogen. Viele solcher Auflösungen laufen in der Vorbereitung heutzutage online ab, da sich die ehemaligen Ehepartner so viel Zeit und Arbeit sparen können. Aber was ist eine sogenannte „Internetscheidung“ überhaupt genau?

Die Scheidung online durchzuführen bedeutet, dass der Antragsteller nur online oder per Telefon bzw. auf dem Postweg mit seinem Anwalt kommuniziert. Mandantentermine, die in aller Regel andernfalls persönlich erfolgen würden, entfallen.

Auch bei einer Online-Scheidung benötigen Sie mindestens einen Anwalt.

Auch bei einer Online-Scheidung benötigen Sie mindestens einen Anwalt.

Aber welche Vorteile hat diese Art der Online-Scheidung? Welche Kosten können dabei entstehen, wenn Sie Ihr Anwalt lediglich online berät? Können Hartz-IV-Empfänger finanzielle Hilfen beantragen? Diese und weitere Fragen beantwortet der folgende Ratgeber.

Einvernehmliche Scheidung nach dem Trennungsjahr – auch innerhalb einer Wohnung

Vor Einreichung des Scheidungsantrages müssen die Eheleute zunächst mindestens zehn Monate lang getrennt leben. Es muss also bei Einreichung der Scheidung kein volles Trennungsjahr abgelaufen sein. Die Trennung kann auch innerhalb einer Wohnung oder innerhalb eines Hauses erfolgen.

Beiderseitige Bestätigung ermöglicht unkomplizierte Online-Scheidung

Eine solche Trennung innerhalb einer Wohnung oder eines Hauses besteht, wenn in verschiedenen Zimmern geschlafen, getrennt gewirtschaftet wird und praktisch keine Dienstleistungen füreinander erbracht werden. Es darf also für den anderen Ehegatten nicht mehr geputzt, gekocht oder eingekauft werden.

Wollen sich beide Ehepartner voneinander scheiden lassen, ist damit bereits ein wichtiger Grundstein für eine einvernehmliche und unkomplizierte Scheidung, die überwiegend online in die Wege geleitet wird, gelegt.

Schritte der Online-Scheidung: Scheidungsantrag einreichen

Vor der Online-Scheidung muss eine mindestens zehnmonatige Trennung liegen. Der Versorgungsausgleich findet dann vor Gericht statt.

Vor der Online-Scheidung muss eine mindestens zehnmonatige Trennung liegen. Der Versorgungsausgleich findet dann vor Gericht statt.

Liegen die Voraussetzungen vor, also will sich mindestens ein Ehepartner trennen und leben die Eheleute bereits seit mehr als 10 Monaten getrennt, so können die Scheidungspapiere ausgefüllt und online bei einem entsprechenden Anwalt eingeschickt werden.

Zusätzlich werden in der Regel die Eheurkunde sowie Geburts­urkunden der Kinder beim Scheidungsantrag benötigt.

Im Anschluss wird der Antrag beim zuständigen Gericht vorgelegt. Wird dort dann der Versorgungsausgleich geregelt, werden die Ehepartner lediglich zum Scheidungstermin persönlich geladen.

Beachten Sie: Eine Scheidung komplett online durchzuführen, ist nicht möglich. Spätestens zum Scheidungstermin müssen beide Ehepartner dem Gericht vorstellig werden. Eine Online-Scheidung im wörtlichen Sinne gibt es also nicht.

Welche Kosten erzeugt eine Scheidung, die überwiegend online durchgeführt wird?

Generell ist zu sagen, dass die Scheidungspapiere online zwar schneller und unkomplizierter übermittelt werden können, sich die Kosten für die gesamte Prozedur jedoch wenig von denen für eine „herkömmliche“ Scheidung unterscheiden. Hartz-IV-Empfänger, die wenig Geld aus dem Regelbedarf zur Verfügung haben, können deshalb Verfahrenskostenhilfe beantragen.

Denn: Die Vergütung des Rechtsanwalts, der Ihnen bei der Online-Scheidung zur Seite steht, ist durch das Rechtsanwalts­vergütungsgesetz (RVG) festgelegt und demnach wenig beeinflussbar.

2 Gedanken zu „Ist eine Scheidung online möglich?

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