Hartz 4 in einer Wohngemeinschaft: Welche Bedarfe werden erstattet?

Nicht jeder Mensch wohnt alleine oder mit seiner Familie, mit Verwandten oder Partnern in einer Wohnung. Oft liegt auch die Konstellation einer Hartz-4-Wohngemeinschaft – oder kurz: WG – vor. In solch einer Situation fragen sich viele, welche Kosten bei einer Untermiete oder einer geteilten Hauptmiete übernommen werden können. Denn: In diesem Fall liegt keine Bedarfsgemeinschaft laut Zweitem Sozialgesetzbuch (SGB 2) vor.

Mit Hartz 4 in einer WG wohnen? Wie das möglich ist, lesen Sie im Ratgeber!

Mit Hartz 4 in einer WG wohnen? Wie das möglich ist, lesen Sie im Ratgeber!

Wie sich eine Wohngemeinschaft definiert, welche Leistungen ALG-2-Empfängern zustehen, die in einer WG wohnen und welche Unterschiede es zwischen einer Wohn- und einer Bedarfsgemeinschaft gibt, lesen Sie im folgenden Ratgeber.

Was bedeutet eine Wohngemeinschaft für Hartz-4-Empfänger?

Besonders viele junge, ungebundene Leute entscheiden sich dafür, trotz Hartz 4 eine Wohngemeinschaft zu gründen. Gründe dafür gibt es viele, eine Kostenersparnis kann einer dieser sein. Zusätzlich besteht eine Gemeinschaft, deren Gesellschaft in Anspruch genommen werden kann, aber nicht muss. Teilen sich Personen die Kosten für Miete, Internet oder GEZ, kann viel eingespart werden. Im Gegensatz zu einer Bedarfs- oder Haushaltsgemeinschaft stehen Mitglieder einer WG jedoch nicht füreinander ein oder tragen gegenseitige Verantwortung.

In einer WG wohnen und Hartz 4 beziehen? Normalerweise muss nur der Untermietvertrag beim Jobcenter eingereicht werden.

In einer WG wohnen und Hartz 4 beziehen? Normalerweise muss nur der Untermietvertrag beim Jobcenter eingereicht werden.

Vielmehr leben sie zwar gemeinsam in einer Wohnung, haushalten jedoch nicht zusammen und sind daher finanziell und persönlich komplett eigenständig.

Aus diesem Grund kann auch das Einkommen oder Vermögen anderer Mitglieder einer Wohngemeinschaft bei Hartz 4 nicht auf den Bedarf eines hilfebedürftigen Mitbewohners angerechnet werden. Er bildet quasi eine eigene Bedarfsgemeinschaft, mit der die restlichen Personen in der WG im Hinblick auf ALG 2 nichts zu tun haben.

Auch dann, wenn mehrere Personen innerhalb einer WG Hartz 4 empfangen, erfolgt keine gegenseitige Anrechnung. Jeder kann unabhängig vom Mitbewohner den Höchstsatz von ALG 2 erhalten, solange er alle nötigen Voraussetzungen dazu erfüllt und keine Anzeichen für eine Bedarfsgemeinschaft vorliegen.

Wann liegt eine Bedarfsgemeinschaft vor?

Wichtig: Sollten Sie zu zweit in einer Wohnung leben, kann das Jobcenter Ihnen eine partnerschaftliche Beziehung unterstellen. Um diesen Verdacht aus der Welt zu räumen, können die WG-Mitglieder in einer Hartz-4-Wohngemeinschaft eine eidesstattliche Erklärung darüber abgeben, dass keine gemeinsame Haushaltsführung erfolgt.

Die Annahme, dass anstatt einer Hartz-4-Wohngemeinschaft eine Bedarfsgemeinschaft vorliegt, wird durch gewisse Lebensumstände bestärkt. Diese gehen aus § 7 Absatz 3a des SGB 2 hervor. Demnach stehen Mitbewohner bzw. Partner füreinander ein und bilden deshalb eine Bedarfsgemeinschaft, wenn sie:

[…] 1. länger als ein Jahr zusammenleben,
2. mit einem gemeinsamen Kind zusammenleben,
3. Kinder oder Angehörige im Haushalt versorgen oder
4. befugt sind, über Einkommen oder Vermögen des anderen zu verfügen.

Wird aber glaubhaft von allen Mitbewohnern der Hartz-4-WG, die Sie gründen wollen oder die bereits gegründet wurde, versichert, dass lediglich getrennt gewirtschaftet wird, so sollte dies auch vom Jobcenter als Wohngemeinschaft angesehen werden.

WG bei Hartz 4: Wie wird die Miete verrechnet?

Hartz-4-Wohngemeinschaft oder Bedarfsgemeinschaft? Ein gemeinsamer Haushalt kann Fragen aufwerfen.

Hartz-4-Wohngemeinschaft oder Bedarfsgemeinschaft? Ein gemeinsamer Haushalt kann Fragen aufwerfen.

Grundsätzlich werden auch bei Hartz-4-Empfängern, die in einer WG leben, die Mietkosten übernommen. Dazu muss der betreffende Antragsteller seinen Untermietvertrag beim Jobcenter vorlegen. Aus diesem sollte hervorgehen, welche Kosten der WG mit Hartz 4 bezahlt werden müssen.

Dazu gehören beispielsweise die Kaltmiete sowie die Nebenkosten. Zusätzlich wird normalerweise eine Angabe über die Größe der Wohnung sowie die Anzahl der Zimmer gemacht.

Stromkosten werden – genau wie die Beiträge für Internet oder Telefon – nicht vom Jobcenter übernommen und müssen gesondert im Antrag auf die Übernahme der Kosten für Unterkunft und Heizung angegeben und aus dem ALG-2-Regelsatz gezahlt werden. Besitzen alle Mitglieder der Wohngemeinschaft einen Hauptmietvertrag, so muss dieser vorgelegt werden. Gründen Sie eine WG mit Hartz 4, soll so ebenfalls abgesichert sein, dass der Großteil der Kosten nicht auf das Jobcenter abgewälzt wird, sondern alle WG-Mitglieder anteilig gleich viel Miete bezahlen.

Beachten Sie: Das Jobcenter fordert bei Untermietern oft nicht nur den Untermietvertrag ein, sondern gleich den gesamten Hauptmietvertrag. Grundsätzlich hat das Jobcenter darauf allerdings kein Anrecht, da so der Datenschutz verletzt werden kann. Ein Hauptmietvertrag kann nur in Ausnahmefällen verlangt werden. Für diese Aufforderung muss allerdings eine gute Begründung vorliegen.

Wohnungsgröße und Kaution

Neben den laufenden Mietkosten, die einem Empfänger von Hartz 4 in einer Wohngemeinschaft entstehen, kommen allerdings oft noch anteilige Kautionszahlungen hinzu. Dieser Beitrag kann ebenfalls vom Jobcenter übernommen werden – allerdings nur als zinsloses Darlehen. Dieses muss aus dem Regelsatz monatlich mit 10 % zurückgezahlt werden. Ebenso ist zu beachten, dass die Miete sowie die Wohnungsgröße angemessen sein sollten. Bevor Sie ein neues WG-Zimmer als Hartz-4-Empfänger beziehen, sollten Sie sich die Übernahme der Kosten deshalb bestätigen lassen.

Die GEZ-Befreiung in einer Hartz-4-WG

Grundsätzlich werden Empfänger von Arbeitslosengeld 2 von der Zahlung der GEZ-Gebühren befreit. Das bedeutet für eine Wohngemeinschaft und Hartz-4-Empfänger, dass letztere aus der Pflicht zu Zahlung ausgenommen werden. Trotzdem müssen die restlichen WG-Mitbewohner die Gebühren zahlen. Nur, weil der hilfebedürftige Mitbewohner keine Rundfunkgebühren zahlen muss, heißt das nicht, dass gleich die ganze WG befreit ist.

Im Zweifelsfall müssen sich die übrigen Mitglieder der Hartz-4-WG die Kosten für die Gebühren untereinander aufteilen.

2 Gedanken zu „Hartz 4 in einer Wohngemeinschaft: Welche Bedarfe werden erstattet?

  1. shera

    hm nun weiß ich aber immer noch nicht, ob ich mit meiner Tochter,wenn Sie 25 Jahre geworden ist, eine WG gründen darf ?!

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    1. hartz4hilfthartz4.de Beitragsautor

      Hallo Shera,

      selbstverständlich dürfen Sie das. Dann gelten Sie als Haushaltsgemeinschaft, die zusammen wirtschaftet und dementsprechend auch finanziell füreinander aufkommt. Ist das bei Ihnen nicht der Fall und Sie bilden wirklich ausschließlich eine Wohngemeinschaft, so müssen Sie dies dem Jobcenter schriftlich erklären.

      Ihr Team von hartz4hilfthartz4.de

      Antworten

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