Arbeitslos mit Behinderung: Besteht ein Anspruch auf Hartz 4?

Eigentlich gibt es nur für erwerbsfähige Leistungsberechtigte Hartz-4-Leistungen vom Jobcenter. Erwerbsfähig bedeutet, dass eine Person mindestens drei Stunden am Tag arbeiten kann. An dieser Stelle fragen sich nun Viele: „Was ist, wenn ich arbeitslos bin und mit einer Behinderung lebe?“ Grundsätzlich gibt es auch Hartz-4-Empfänger mit einer Behinderung, denn eine solche schließt die Erwerbsfähigkeit nicht aus.

Schließen sich Behinderung und Hartz-4-Anspruch gegenseitig aus?

Schließen sich Behinderung und Hartz-4-Anspruch gegenseitig aus?

Es gibt sogar spezielle Programme und Leistungen vom Arbeitsamt, beispielsweise den Mehrbedarf bei Behinderung, die Betroffene unterstützen sollen. Welche Leistungen können Hartz-4-Empfänger mit Behinderung noch in Anspruch nehmen? In diesem Ratgeber erklären wir Ihnen das Wichtigste zur Arbeitslosigkeit mit Behinderung.

Kurz & bündig: Das Wichtigste zum Thema „Arbeitslos mit Behinderung“

  • Anspruch auf Hartz 4: Bei Arbeitslosigkeit und einem Grad 50 der Behinderung (GdB) können trotzdem die Leistungsvoraussetzungen (Erwerbsfähigkeit und Hilfebedürftigkeit) gegeben sein.
  • Wer Hartz-4-Empfänger ist und mit einer Behinderung lebt, kann besondere Hilfen von verschiedenen Stellen beanspruchen (z. B. Leistungen für soziale Teilhabe).
  • Das Neunte Sozialgesetzbuch (SGB IX) bestimmt Leistungen für Behinderte und Schwerbehinderte.

Unter diesen Voraussetzung können Menschen mit Behinderung Hartz 4 beantragen

Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass behinderte Arbeitslose bzw. Personen mit einem hohen Grad der Behinderung, kein Hartz 4 beziehen können. Selbst bei einem GdB von 50, also bei einer Schwerbehinderung, können trotzdem die Leistungsvoraussetzungen für Hartz 4 erfüllt sein: Erwerbsfähigkeit und Hilfebedürftigkeit.

Es gilt als erwerbsfähig, wer mindestens drei Stunden pro Tag arbeiten kann. Damit kann also jemand, der arbeitslos ist und mit einer Behinderung lebt, trotzdem als erwerbsfähig gelten. Um Arbeitslosengeld (ALG) II zu erhalten, muss aber noch das Kriterium der Hilfebedürftigkeit erfüllt sein.

Auch behinderte Personen können Hartz IV beantragen, wenn sie erwerbsfähig sind.

Auch behinderte Personen können Hartz IV beantragen, wenn sie erwerbsfähig sind.

Hilfebedürftigkeit hat in diesem Fall weniger mit der Behinderung und mehr mit der wirtschaftlichen bzw. finanziellen Situation des Antragstellers zu tun. Der Hartz-4-Regelsatz bei Behinderung unterscheidet sich zunächst nicht von der üblichen Regelleistung. Allerdings kann nach § 21 Abs. 4 SGB II ein Mehrbedarf in Höhe von 35 Prozent des Regelbedarfs geltend gemacht werden.

Wer aufgrund der Behinderung oder Erkrankung eine besondere Ernährung einhalten muss, kann dafür den Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung beantragen. Das gilt auch dann, wenn der Antragsteller nicht selbst betroffen ist, sondern die Leistung für ein behindertes Kind in seiner Bedarfsgemeinschaft beantragt.

Ist die Voraussetzung der Erwerbsfähigkeit nicht erfüllt, bekommt der Antragsteller kein Hartz 4. Weil er mit einer Behinderung lebt, kann er aber einen Antrag auf Grundsicherung für Behinderte stellen.

Behindert und arbeitslos: Weitere Leistungen und Ansprechpartner

Ab einem Grad der Behinderung (GdB) von 50 liegt eine Schwerbehinderung vor. Ist der GdB darunter, aber mindestens bei 30, kann ein Gleichstellungsantrag gestellt werden. Damit können Betroffene, die arbeitslos sind und mit Behinderung leben, dieselben Leistungen und Vorteile in Anspruch nehmen, die Schwerbehinderten zustehen. Nach SGB IX gehören dazu Leistungen …

  • zur medizinischen Rehabilitation
  • zur Teilhabe am Arbeitsleben
  • zur Sicherung des Lebensunterhaltes
  • zur Teilhabe an Bildung
  • zur sozialen Teilhabe
Arbeitslos mit Behinderung: Hilfe und Beratung finden Sie bei verschiedenen Stellen.

Arbeitslos mit Behinderung: Hilfe und Beratung finden Sie bei verschiedenen Stellen.

Zum Teil gehen diese Leistungen auch direkt an den Arbeitgeber, damit dieser z. B. den Arbeitsplatz mit eventuell benötigten Hilfen ausstatten kann.

Wer nicht mehr arbeitslos ist, mit der Behinderung aber die aufgenommene, versicherungspflichtige Beschäftigung nur erschwert ausführen kann, erhält weitere Hilfen. Dazu gehört beispielsweise eine Kraftfahrzeughilfe. Diese umfasst alle Leistungen, die für die Beschaffung oder behinderungsbedingte Ausstattung eines Kfz sowie für die Fahrerlaubnis selbst nötig sind.

Weiterhin übernimmt das Arbeitsamt Kosten für nichtorthopädische Hilfsmittel oder technische Arbeitshilfen, die für die Ausübung der Tätigkeit benötigt werden. In manchen Fällen von Schwerbehinderung werden sogar Kosten für eine Arbeitsassistenz übernommen.

Sie sind arbeitslos und leben mit einer Behinderung? An diesen Stellen finden Sie Hilfe:

  • Agentur für Arbeit
  • Integrationsamt
  • Andere Rehabilitationsträger, also Träger der gesetzlichen Unfallversicherung (z. B. Berufsgenossenschaft), gesetzlichen Rentenversicherung, Kriegsopferversorgung und –fürsorge, öffentlichen Jugendhilfe sowie der Sozialhilfe.

Das Jobcenter ist eigentlich kein Träger der beruflichen Rehabilitation, stimmt sich jedoch mit der Bundesagentur für Arbeit ab und ist deshalb genauso Ansprechpartner für Arbeitslose mit und ohne Behinderung.

Wer aufgrund eines Unfalls oder einer späteren Erkrankung aus dem Arbeitsleben ausscheidet und sich über einen längeren Zeitraum oder sogar dauerhaft nicht in der Lage sieht auf den Arbeitsmarkt zurückzukehren, erhält unter bestimmten Voraussetzungen Erwerbsminderungsrente.

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