Arbeitslosengeld im Ausland erhalten: Diese Voraussetzungen gelten

Die Welt ist groß, der Geldbeutel klein. Wer sein Glück auf dem Arbeitsmarkt jenseits deutscher Grenzen suchen möchte, kann deshalb unter bestimmten Voraussetzungen Arbeitslosengeld im Ausland beziehen. Es kommt allerdings ganz darauf an, wohin die Reise geht.

Bekomme ich Arbeitslosengeld wenn ich ins Ausland gehe?

Bekomme ich Arbeitslosengeld wenn ich ins Ausland gehe?

Gilt das für beide Leistungen vom Arbeitsamt, Arbeitslosengeld (ALG) 1 und 2? Können Leistungsberechtigte also auch Hartz 4 im Ausland beziehen? Tatsächlich ist nur der Bezug von Arbeitslosengeld 1 im Ausland möglich. Hartz-4-Empfänger unterliegen hier strengeren Regelungen. Genaueres erfahren Sie im vorliegenden Ratgeber.

Kurz & bündig: Das Wichtigste zum Arbeitslosengeld im Ausland.

  • Wer innerhalb der EU oder des EWR Arbeit sucht, kann bis zu drei (max. sechs) Monate Arbeitslosengeld 1 im Ausland beziehen.
  • Ein in Deutschland erworbener Anspruch auf Arbeitslosengeld 1 verfällt im Ausland nicht einfach. Bis vier Jahre nach Entstehen des Anspruches können die Leistungen nach einem Auslandsaufenthalt noch in Deutschland bewilligt werden.
  • Die Leistungsmitnahme gilt nur bei Arbeitslosengeld 1. Im Ausland gibt es keinen Anspruch auf Hartz 4.

Kann ich Arbeitslosengeld im Ausland weiter beziehen?

Es ist möglich, Arbeitslosengeld 1 im Ausland zu beziehen.

Es ist möglich, Arbeitslosengeld 1 im Ausland zu beziehen.

Ein Arbeitslosengeld-1-Anspruch im Ausland besteht nur, wenn es sich um einen Mitgliedsstaat der EU oder des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) handelt oder um ein Land, welches sich dem europäischen Abkommen angeschlossen hat.

Derzeit zählen folgende Länder dazu (Stand 2018): Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Island, Italien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Kroatien, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich, Zypern (griechischer Teil).

Es ist grundsätzlich möglich in einem dieser Länder auf Arbeitssuche zu gehen und währenddessen weiterhin Arbeitslosengeld 1 im Ausland zu beziehen. Die Leistungsmitnahme ist für maximal drei Monate (Mitnahmezeitraum) möglich. Kurz gesagt: Sie können das Arbeitslosengeld ins Ausland „mitnehmen“.

Dafür müssen Sie:

  • arbeitslos sein,
  • sich in Deutschland arbeitslos gemeldet und einen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben,
  • Ihre Pflichten nach den ausländischen Rechtsvorschriften erfüllen,
  • die Wartefrist* einhalten.

Je nach Land nehmen Sie die Leistungen direkt beim ausländischen Träger in Anspruch und müssen daher auch die dortigen Regeln einhalten. Außerdem müssen Sie sich innerhalb von sechs Tagen nach der Abreise beim ausländischen Träger melden.

* Mit Wartefrist ist eine Dauer von vier Wochen vor der Ausreise gemeint. In dieser Zeit müssen Sie der Arbeitsagentur zur Verfügung stehen. Weil der nationale Arbeitsmarkt Vorrang hat, müssen Sie auch in dieser Zeit den Vermittlungsbemühungen nachkommen.

Arbeitslosengeld-1-Anspruch nach dem Auslandsaufenthalt

Hartz 4 ins Ausland zu überweisen ist nicht grundsätzlich verboten.

Hartz 4 ins Ausland zu überweisen ist nicht grundsätzlich verboten.

Kommt es beim Anspruch auf Arbeitslosengeld 1 zu einer Unterbrechung, wenn ein Auslandsaufenthalt ansteht? Es erhält nur Arbeitslosengeld 1 (auch im Ausland), wer einen Anspruch darauf erworben hat, das heißt, in einem Zeitraum von zwei Jahren mindestens zwölf Monate lang versicherungspflichtig beschäftigt war und damit in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat.

Dieser Anspruch auf Arbeitslosengeld verfällt im Ausland nicht einfach. Die Leistungen können nach einem Auslandsaufenthalt erneut in Deutschland beansprucht werden. Der Antrag muss jedoch vor der erneuten Ausreise gestellt werden und wird nur unter folgenden Voraussetzungen bewilligt:

  • Der Anspruch auf Arbeitslosengeld 1 ist noch nicht verbraucht.
  • Die Leistungen müssen erneut bewilligt werden, das heißt, eine persönliche Meldung bei der Arbeitsagentur ist nötig.
  • Seit dem Entstehen des Arbeitslosengeld-1-Anspruches sind noch nicht vier Jahre vergangen.
Wird eine Beschäftigung im Ausland eigentlich auf die Arbeitslosenversicherung in Deutschland angerechnet? Ja, aber nur, wenn sie in einem EU- oder EWR-Mitgliedsstaat, der Schweiz oder einem Staat der früheren SFR Jugoslawien ausgeübt wurde. Wer z. B. in den USA gearbeitet hat, dem wird diese Zeit nicht auf die deutsche Arbeitslosenversicherung angerechnet.

Dauerhaft mit Hartz 4 im Ausland leben?

Hartz 4: Ein Umzug ins Ausland kann in der Regel nicht vom Jobcenter finanziert werden.

Hartz 4: Ein Umzug ins Ausland kann in der Regel nicht vom Jobcenter finanziert werden.

Alles das bezieht sich nun aber auf Arbeitslosengeld 1. Doch wie steht es mit Hartz 4? Kann ein Auslandsaufenthalt durch Arbeitslosengeld 2 finanziert werden bzw. ist die Jobsuche im Ausland für Hartz-4-Empfänger genauso möglich? Tatsächlich gelten hier strengere Regeln. Zwar dürfen auch Hartz-4-Empfänger vorübergehend ins Ausland, z. B. für einen Urlaub, allerdings muss die Ortsabwesenheit beantragt werden.

Eine der wesentlichen Voraussetzungen für Arbeitslosengeld 2 ist, dass der Wohnsitz nicht im Ausland, sondern in Deutschland ist. Ein Umzug ins Ausland oder längere Auslandsaufenthalte können deshalb nicht vom Jobcenter finanziert werden.

Es gibt Fälle, in denen Hartz-4-Empfänger mit Migrationshintergrund z. B. für die Pflege von Verwandten über einige Zeit ins Ausland reisen wollen. Nach überschreiten der zulässigen Dauer der Ortsabwesenheit stellt das Jobcenter die Leistungen allerdings wieder ein.

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