Betreuungsgeld: Sozialleistung für Familien mit Kleinkindern

Das erste Babyjahr verbringen viele Eltern gemeinsam mit dem Nachwuchs zu Hause. Mütter und Väter teilen sich die ersten 12 Monate meistens untereinander auf und beziehen Elterngeld. Nach dem ersten Lebensjahr entschließen sich einige Eltern dazu, das Kind nicht in die Kita zu schicken, sondern es noch bis zum dritten Lebensjahr zu Hause zu erziehen.

Betreuungsgeld: Wie lange können Eltern es beanspruchen?

Betreuungsgeld: Wie lange können Eltern es beanspruchen?

Aus diesem Grund wurde im August 2013 das sogenannte Betreuungsgeld für ein Kind ins Leben gerufen, welches die Eltern zu Hause selbst betreuen wollen. Aber wer bekommt eigentlich Betreuungsgeld? In welcher Höhe wird es ausgezahlt? Wie lange bekommt man Betreuungsgeld? Mehr dazu lesen Sie im folgenden Ratgeber.

Kurz & bündig: Das Wichtigste zum Betreuungsgeld

  1. Das Betreuungsgeld sollte Familien unterstützen, die Ihr Kind zu Hause erziehen und betreuen wollten.
  2. Ab dem 15. Lebensmonat und bis zum Ende des 36. Lebensmonats wurde den Eltern ein Kinderbetreuungsgeld in ganz Deutschland von monatlich 150 Euro überwiesen.
  3. Am 21. Juli 2015 erklärte das Bundesverfassungsgericht das bundesweite Betreuungsgeld für verfassungswidrig. Die Länder sind selbst dafür verantwortlich, ob sie ein Betreuungsgeld gewähren oder nicht.

Wählen Sie hier Ihr gewünschtes Thema aus:

Betreuungsgeld bei Hartz 4

Was ist das Betreuungsgeld?

Beim Betreuungsgeld handelt es sich um eine Sozialleistung des Staates. Es richtet sich vor allem an Eltern, die während der ersten Lebensjahre des Kindes den Nachwuchs zu Hause betreuen und erziehen wollen und sich dementsprechend entweder bewusst gegen einen Kitaplatz entschieden haben oder keinen ergattern konnten.

Vom Betreuungsgeld abmelden können Sie sich bei Bedarf bei den zuständigen Stellen in Bayern, Sachsen oder Thüringen.

Vom Betreuungsgeld abmelden können Sie sich bei Bedarf bei den zuständigen Stellen in Bayern, Sachsen oder Thüringen.

Im Koalitionsvertrag, welcher nach der Bundestagswahl 2009 zwischen der FDP und der CDU/CSU geschlossen wurde, haben die Parteien festgehalten, dass es ab 2013 ein Bundesbetreuungsgeld geben soll. Monatlich sollen Eltern 150 Euro dafür erhalten, dass sie ihre Kinder unter drei Jahren zu Hause betreuen.

Zum 1. August 2013 wurde das Betreuungsgeld eingeführt. Grundlage dafür war § 16 Sozialgesetzbuch (SGB) VIII. Dieser regelte eine allgemeine Förderung der Erziehung in der Familie.

Nachdem der Gesetzesentwurf vorgestellt wurde, gab es auch die ersten Kritiker. Viele befürchteten, dass das Betreuungsgeld dazu führe, dass besonders ärmere und bildungsferne Eltern und Migrantenfamilien davon abgehalten werden, das Kind in eine Kindertagesstätte zu schicken.

Gibt es noch das Betreuungsgeld?

Am 21. Juli 2015 hat das Bundesverfassungsgericht das Betreuungsgeld für verfassungswidrig erklärt. Für die Einführung dieser Familienleistung ist der Bund grundsätzlich nicht zuständig.

Das Land Hamburg hatte eine Klage erhoben. Deren Mittelpunkt war die Beschäftigung mit der Frage, ob das Betreuungsgeld überhaupt mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Das oberste deutsche Gericht urteilte deshalb, dass der Bund zur Regelung der Familienleistung keine Gesetzgebungskompetenz besitzt und diese ausschließlich bei den Ländern liegt.

Da die bayrische CSU sich bereits jahrelang für das Betreuungsgeld einsetzte, beschloss Bayern, das Betreuungsgeld auf Landesebene einzuführen und damit beizubehalten. Seit dem 1. Januar 2015 kann das Landesbetreuungsgeld in Bayern beantragt werden.

Höhe vom Betreuungsgeld

Zu Beginn seiner Einführung betrug das Betreuungsgeld 100 Euro. Später wurde die Leistung auf 150 Euro angehoben. Zusätzlich zahlte der Staat 15 Euro monatlich, wenn das Betreuungsgeld von den Eltern für die Ausbildung des Kindes angespart wurde oder sie es für die Altersvorsorge des Kindes anlegten.

Die Bundesregierung befürwortete das sogenannte Bildungssparen. Sie wollten, dass das Betreuungsgeld den Familien nicht in bar ausgezahlt, sondern gespart wird. So würden die Familien nur die 15 Euro Bonus im Monat bar erhalten. So kann sichergestellt werden, dass das Geld später für die Bildung der Kinder verwendet wird. Dies ist allerdings nie in Gesetz getreten.

Wann gibt es das Landeserziehungsgeld und das Betreuungsgeld?

Wann wird das Betreuungsgeld überwiesen? Dies hängt vom Geburtstag Ihres Kindes ab.

Wann wird das Betreuungsgeld überwiesen? Dies hängt vom Geburtstag Ihres Kindes ab.

Das Betreuungsgeld für Kinder auf Landesebene nennt sich Landeserziehungsgeld. Dieses existiert ausschließlich in Bayern, Sachsen und Thüringen. Das Betreuungsgeld wird in den Ländern nach dem Elterngeld ausgezahlt, sofern die Eltern ihre Kinder selbst zu Hause erziehen.

Das Betreuungsgeld wird dabei übrigens nicht auf Hartz 4 angerechnet. Für die Voraussetzungen und die Höhe gelten in den drei Bundesländern unterschiedliche Regelungen, wie Sie im Folgenden nachlesen können

Landeserziehungsgeld in Bayern

Das Betreuungsgeld in Bayern wird bei dem ersten Kind für sechs Monate ausgezahlt. Eltern erhalten bis zu 150 Euro monatlich vom Land. Beim zweiten Kind werden sogar bis zu 200 Euro monatlich für 12 Monate gezahlt und ab dem dritten Kind gibt es 300 Euro monatlich für den gleichen Zeitraum.

Wichtig ist, dass der Antragsteller vor Leistungsbeginn mindestens 12 Monate lang in Bayern gewohnt hat. Zudem darf er maximal 30 Wochenstunden arbeiten und die jährliche Einkommensgrenze von 22.000 Euro für Alleinstehende bzw. 25.000 Euro für zusammenlebende Eltern nicht überschreiten. Für jedes weitere Kind erhöht sich die Einkommenzgrenze um 3.140 Euro.

Für Kinder, die ab dem 1. Januar 2017 geboren wurden, gelten höhere Einkommensgrenzen. 31.000 Euro für Alleinstehende und 34.000 Euro für Ehepaare und Lebenspartner. Für jedes weitere Kind kommen noch einmal 4.440 Euro oben drauf.

Landeserziehungsgeld in Sachsen

Beginnend mit dem zweiten oder dritten Lebensjahr des Kindes wird das Betreuungsgeld in Sachsen gewährt. Dazu darf das Kind nicht in einer staatlich geförderten Kindertagesstätte oder in einer Tagespflege untergebracht sein. Wie in Bayern darf der Antragsteller auch hier nicht mehr als 30 Wochenstunden arbeiten.

Dabei galt eine Einkommensgrenze von 14.100 Euro für Alleinerziehende und 17.100 Euro für Eltern. Für jedes weitere Kind erhöhte sich die Einkommensgrenze um jeweils 3.140 Euro. Für Geburten ab dem 1. Januar 2015 gilt keine Einkommensgrenze mehr für das Betreuungsgeld.

Betreuungsgeld: Ab wann können Sie es beantragen?

Betreuungsgeld: Ab wann können Sie es beantragen?

Im zweiten Lebensjahr gilt folgender Anspruch:

  • 1. Kind: fünf Monate lang 150 Euro
  • 2. Kind: sechs Monate lang 200 Euro
  • ab dem 3. Kind: sieben Monate lang 300 Euro

Im dritten Lebensjahr gilt:

  • 1. Kind: neun Monate lang 150 Euro
  • 2. Kind: neun Monate lang 200 Euro
  • ab dem 3. Kind: 12 Monate lang 300 Euro

Voraussetzung für das Betreuungsgeld im dritten Lebensjahr ist, dass das Kind seit dem vollendeten 14. Lebensmonat keinen Platz in einer staatlich geförderten Kindertagesstätte in Anspruch genommen hat.

Landeserziehungsgeld in Thüringen

In Thüringen kann das Betreuungsgeld für insgesamt zwölf Monate pro Kind in Anspruch genommen werden. Für das erste Kind zahlt das Land monatlich 150 Euro, für das zweite 200 Euro, für das dritte 250 Euro und ab dem vierten Kind erhalten Eltern 300 Euro.

Das Betreuungsgeld existiert in Thüringen allerdings nur noch im Rahmen einer Übergangsregelung für Kinder, die bis zum 30. Juni 2015 geboren wurden. In diesem Bundesland kann das Betreuungsgeld zudem trotz Kita-Besuchs beantragt werden. Dazu darf das Kind allerdings nicht mehr als fünf Stunden täglich betreut werden.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (40 Bewertungen, Durchschnitt: 4,80 von 5)
Loading...

2 Gedanken zu „Betreuungsgeld: Sozialleistung für Familien mit Kleinkindern

  1. Elli

    Hallo zusammen. Ich bekomme Hartz4 und lebe mit meinen beiden Kindern und meiner Enkelin zusammen in einer Wohnung. 2 bedarfsgemeinschaften. Meine jüngste Tochter und meine älteste und ihre Tochter. Jetzt das Problem. Meine Tochter befindet sich in der Ausbildung und somit betreue ich meine Enkelin. Sie ist erst 15 Monate und bekommt nächstes Jahr evtl. Einen Kita Platz. Heute beim Jobcenter sagte man mir das geht nicht das ich auf meine Enkelin aufpasse ich sollte mir Arbeit suchen. Es wäre die Aufgabe meiner Tochter für die Betreuung ihr Tochter. Soll sie jetzt die Ausbildung abbrechen? Zur Tagesmutter will sie ihre Tochter nicht geben. Bitte um Rat. Wir sind verzweifelt.

    Antworten
    1. hartz4hilfthartz4.de

      Hallo Elli,

      tatsächlich ist Ihre Tochter verpflfichtet, eine entsprechende Betreuung zu besorgen. Dies ist kein Grund, warum Sie dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen sollten.

      Ihr Team von hartz4hilfthartz4.de

      Antworten

Hinterlassen Sie hier einen Kommentar. Beachten Sie vorher unsere Netiquette.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.