Bewerbungskostenerstattung: Gibt es Leistungen vom Jobcenter?

Die Suche nach einem neuen Job kann nicht nur nervenaufreibend und frustrierend sein sondern auch ins Geld gehen. Besonders als Arbeitsloser haben Sie nur eine geringe Summe pro Monat zur Verfügung. Wenn dann noch Bewerbungskosten hinzukommen, kann es am Monatsende schnell knapp werden.

Bewerbungskosten: Eine Erstattung vom Jobcenter ist grundsätzlich möglich.

Bewerbungskosten: Eine Erstattung vom Jobcenter ist grundsätzlich möglich.

Aus diesem Grund haben Sie die Möglichkeit, sich beim Jobcenter oder der Agentur für Arbeit einen Antrag auf die Erstattung der Bewerbungskosten zu stellen. Aber welche Leistungen zählen zur Bewerbungskostenerstattung? Wo ein Formular zur Beantragung zu finden ist und was Sie sonst noch wissen sollten, lesen Sie hier.

Kurz & bündig: Das Wichtigste zur Bewerbungskostenerstattung

  1. Die Bewerbungskostenerstattung kann sowohl beim Bezug von ALG 1 als auch bei Hartz 4 bei der zuständigen Behörde beantragt werden.
  2. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf die Bewerbungskostenerstattung. Sofern diese nicht in der Eingliederungsvereinbarung festgelegt wird, entscheidet das Jobcenter oder die Agentur für Arbeit im Einzelfall.
  3. Unter anderem können die Fahrtkosten, die Bewerbungen sowie nötige Nachweise gefördert werden.

Erstattung der Bewerbungskosten durch die Agentur für Arbeit und das Jobcenter

Damit Arbeitslose nicht auf den Bewerbungskosten sitzen bleiben und diese aus dem geringen Regelsatz begleichen müssen, können sie einen Antrag auf Bewerbungskostenerstattung beim Jobcenter oder der Agentur für Arbeit stellen.

Die Gesetzesgrundlage dafür bildet § 44 Sozialgesetzbuch (SGB) III zur Förderung aus dem Vermittlungsbudget. Das Gesetz besagt dazu Folgendes:

Ausbildungsuchende, von Arbeitslosigkeit bedrohte Arbeitsuchende und Arbeitslose können aus dem Vermittlungsbudget der Agentur für Arbeit bei der Anbahnung oder Aufnahme einer versicherungspflichtigen Beschäftigung gefördert werden, wenn dies für die berufliche Eingliederung notwendig ist. Sie sollen insbesondere bei der Erreichung der in der Eingliederungsvereinbarung festgelegten Eingliederungsziele unterstützt werden. Die Förderung umfasst die Übernahme der angemessenen Kosten, soweit der Arbeitgeber gleichartige Leistungen nicht oder voraussichtlich nicht erbringen wird.

Die Agentur für Arbeit zahlt eine Bewerbungskostenerstattung, wenn diese nicht selbst bezahlt werden können.

Die Agentur für Arbeit zahlt eine Bewerbungskostenerstattung, wenn diese nicht selbst bezahlt werden können.

Grundsätzlich sollten Sie dabei allerdings beachten, dass die Leistungen der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters nicht verpflichtend sind. Sie haben dementsprechend keinen Rechtsanspruch auf diese Leistungen.

Zudem ist die Höhe der Leistungen im Gesetz nicht festgeschrieben. Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter legen im Einzelfall fest, ob und in welcher Höhe die Bewerbungskostenerstattung geleistet wird.

Dabei wird u. a. geprüft, ob der Arbeitslose Bewerbungen auch aus eigener Tasche bezahlen kann. Eine Eigenleistungsfähigkeit wird beispielsweise bei einem gerade gekündigten, ledigen und kinderlosen Arbeitslosen vermutet, wohingegen ein monatelanger Arbeitsloser mit Frau und Kindern gute Chancen auf eine Bewerbungskostenerstattung hat.

Welche Leistungen zur Bewerbungskostenübernahme zählen

Eine Erstattung der Bewerbungskosten von der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter ist nur möglich, wenn der potentielle Arbeitgeber die Kosten nicht selbst übernimmt. Welche Leistungen die Behörden in dem Fall übernehmen können, zeigt unsere folgende Liste:

  • Bewerbungskosten
  • Fahrtkosten zu Vorstellungsgesprächen und zur Unterzeichnung des Arbeitsvertrags (bei weiter entfernten Arbeitgebern: Übernachtungskostenübernahme und Tagegelder)
  • Erforderliche Arbeitsmittel (beispielsweise Arbeitskleidung, Werkzeug etc.)
  • Kosten für benötigte Nachweise wie Gesundheitsnachweis, Führungszeugnis, Schufa-Auskunft etc.
  • Kosten, die im Zusammenhang mit dem Anerkennungsverfahren nach dem Anerkennungsgesetz des Bundes entstehen
  • Kosten für die Übersetzung von Dokumenten, wenn dies für die Anbahnung oder den Abschluss eines sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis erforderlich ist
  • Kosten für die Unterstützung der Persönlichkeit beispielsweise ein Friseurbesuch oder ein Anzug für das Vorstellungsgespräch
  • Führerschein, sofern dieser nötig ist, weil der Arbeitsplatz mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreichbar wäre. Zusätzlich ist auch die Förderung eines Fahrzeugs und des Ersten-Hilfe-Kurses möglich
  • Fahrtkosten bis zur ersten Gehaltszahlung
  • Kosten für Arbeitsproben
  • Kosten wegen vorübergehender getrennter Haushaltsführung durch die Arbeitsaufnahme
Wichtig ist in jedem Fall, dass die Bewerbungskostenerstattung im Vorfeld beantragt werden. Eine Genehmigung im Nachhinein ist nicht möglich.

Eine Erstattung der Bewerbungskosten vom Arbeitsamt ist möglich. Dabei wird pauschal meistens ein Betrag von 5 Euro pro schriftliche Bewerbung festgesetzt. Für eine Online-Bewerbung erhalten Arbeitslose jeweils 20 Cent. Dies ist bis zu einem Höchstbetrag von 260 Euro pro Jahr möglich. Als Nachweis genügen die Anschreiben sowie die Antworten der Unternehmen.

Für Bewerbungskosten und Fahrtkosten kann eine Erstattung beantragt werden.

Für Bewerbungskosten und Fahrtkosten kann eine Erstattung beantragt werden.

Die Reisekosten sind meistens der höchste Posten, wenn es beim Vorstellungsgespräch ums Finanzielle geht. Eine Erstattung der Bewerbungskosten durch den Arbeitgeber ist möglich.

Sollte dieser die Fahrtkosten nicht übernehmen, muss dies auf einem entsprechenden Formular vom Unternehmen bestätigt werden. Nur so kann das Jobcenter oder die Agentur für Arbeit die Bewerbungskostenerstattung übernehmen.

Für Fahrtkosten zahlen die Behörden in der Regel 20 Cent pro gefahrenem Kilometer mit dem Pkw. Für Bahnfahrten bzw. öffentliche Verkehrsmittel sollten Sie direkt bei der zuständigen Behörde nachfragen, welcher Betrag übernommen wird.

Besitzen Sie keinen Anzug oder entsprechende Kleidung für ein Bewerbungsgespräch, können Sie Leistungen zur Persönlichkeit beantragen. In diesem Fall kann sogar ein Friseurbesuch vom Jobcenter oder der Agentur für Arbeit gezahlt werden. Bevor diese Bewerbungskostenerstattung allerdings ausgezahlt wird, prüfen die Behörden die finanzielle Situation des Arbeitslosen eingehend.

Wie Sie einen Antrag auf Erstattung der Bewerbungskosten beim Jobcenter stellen

Wie bereits erwähnt ist es grundsätzlich wichtig, dass Sie einen Antrag auf eine Bewerbungskostenerstattung immer im Vorfeld stellen. Eine nachträgliche Genehmigung ist meistens nur bei der Erstattung der Bewerbungskosten und nicht bei Fahrtkosten etc. möglich.

Für die Erstattung der Bewerbungskosten ist ein Formular nötig. Hartz-4-Empfänger können das Formular des Jobcenters zur Bewerbungskostenerstattung nutzen.

Dort tragen Bewerber ein, für wie viele Bewerbungen Sie eine Erstattung wünschen. Anschließend muss angegeben werden, ob Sie bereits von einem anderen Leistungsträger eine Erstattung erhalten haben und wenn ja in welcher Höhe. Nachdem Sie Ihren Namen sowie Ihre Bankdaten angegeben haben, erklären Sie mit einer Unterschrift die Richtigkeit Ihrer Angaben.

Als Nachweis müssen Sie dem Formular Kopien Ihrer Anschreiben und der Antworten des Unternehmens beifügen. Auf einem zweiten Blatt können Sie sowohl die Anschrift des Unternehmens als auch das Bewerbungsdatum eintragen.

Antrag auf Bewerbungskosten: Wenn die Rückerstattung abgelehnt wird

Für die Erstattung der Bewerbungskosten von der Agentur für Arbeit genügt ein Formular.

Für die Erstattung der Bewerbungskosten von der Agentur für Arbeit genügt ein Formular.

Wenn Sie für die Bewerbungskostenerstattung einen Antrag gestellt haben, sollten Sie zunächst die Antwort des Jobcenters oder der Agentur für Arbeit abwarten. Unter bestimmten Umständen ist es möglich, dass Ihr Antrag abgelehnt wird.

Dies ist beispielsweise möglich, wenn Sie keine Eingliederungsvereinbarung unterschrieben haben. Im Rahmen dieser verpflichten sich Arbeitsloser und Behörde auf gegenseitige Rechte und Pflichten. Wurde die Eingliederungsvereinbarung nicht unterschrieben, liegt es im Ermessensspielraum der Behörde, ob der Antrag genehmigt wird oder nicht. Einen grundsätzlichen Anspruch auf die Leistung haben Sie daher nicht.

Wenn Ihr Antrag abgelehnt wurde, obwohl Sie eine Eingliederungsvereinbarung unterschrieben haben, können Sie sich darauf berufen. Stützen Sie sich darauf, dass Sie mit dem Jobcenter eine Abmachung getroffen haben, die von beiden Seiten eingehalten werden muss. Dies kann in einem Widerspruch schriftlich an die zuständige Behörde geschehen.

Durch den Widerspruch wird die Bewerbungskostenerstattung erneut geprüft. Die zuständige Behörde erlässt daraufhin den Widerspruchsbescheid. Fällt dieser negativ aus, können Sie eine Klage beim Sozialgericht einreichen.

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