Hartz 4 auf dem Campingplatz beziehen: Zahlt das Jobcenter die Unterkunftskosten?

Die Wohnungssituation ist in Deutschland äußerst verzwickt. Trotz der 2015 eingeführten Mietpreisbremse ist der bezahlbare Wohnraum in deutschen Großstädten rar. Somit haben es vor allem Geringverdiener, Aufstocker und Hartz-4-Empfänger besonders schwierig.

Kann Hartz 4 auf dem Campingplatz gezahlt werden? Welche Kosten werden übernommen? Mehr dazu lesen Sie hier!

Kann Hartz 4 auf dem Campingplatz gezahlt werden? Welche Kosten werden übernommen? Mehr dazu lesen Sie hier!

Viele Leistungsberechtigte treibt die verzweifelte Wohnungssuche so weit, dass sie in einem Wohnwagen leben und Hartz 4 auf dem Campingplatz beziehen möchten. Aber ist dies überhaupt erlaubt? Bewilligt das Jobcenter die angemessenen Kosten für die Unterkunft in einem Wohnmobil? Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber.

Kurz & bündig: Das Wichtigste zu Hartz 4 auf dem Campingplatz

  1. Generell haben Hartz-4-Empfänger die Möglichkeit, in einem Wohnwagen oder Wohnmobil zu leben, statt eine Mietwohnung zu bewohnen.
  2. Sind die Fixkosten auf dem Campingplatz angemessen, können diese vom Jobcenter statt der Mietkosten übernommen werden. Dazu zählt beispielsweise die Kfz-Steuer, die Versicherung fürs Fahrzeug sowie die Standgebühren und im Winter die Heizkosten.
  3. Die Kosten für Sprit, Wartung und Pflege werden hingegen nicht erstattet, da diese nicht unmittelbar mit der Funktion als Unterkunft zusammenhängen.


Angemessene Kosten für Unterkunft und Heizung

Beziehen Sie Hartz 4 und leben in einem Wohnwagen, übernimmt das Jobcenter angemessene Fixkosten.

Beziehen Sie Hartz 4 und leben in einem Wohnwagen, übernimmt das Jobcenter angemessene Fixkosten.

Bevor wir darauf eingehen, ob Sie bei Hartz 4 auf dem Campingplatz wohnen dürfen, klären wir zunächst die Grundlagen zur Wohnung bei Leistungsberechtigten. Neben dem angemessenen Regelsatz, den Hartz-4-Empfänger erhalten, werden auch die tatsächlichen Kosten für die Unterkunft und Heizung übernommen, sofern diese angemessen sind.

Ob die Kosten als angemessen betrachtet werden, entscheidet das zuständige Jobcenter anhand der ortsüblichen Mietpreise. Meistens wird über die Kosten je nach Einzelfall entschieden. Somit kann die Wohnung eines alleinstehenden Gehbehinderten im Rollstuhl durchaus größer ausfallen als die eines gesunden Alleinstehenden.

Wird die Wohnung als unangemessen eingestuft, müssen die höheren Mietkosten in der Regel selbst übernommen oder ein Teil der Wohnung untervermietet werden. Die Kosten für eine unangemessene Unterkunft kann das Jobcenter für maximal sechs Monate übernehmen. Anschließend muss der Hartz-4-Empfänger entweder umziehen oder einen Untermieter suchen.

Grundsätzlich wird laut § 22 Abs. 2 Sozialgesetzbuch (SGB) II auch ein angemessenes Wohneigentum vom Jobcenter anerkannt. Welche Größe als angemessen betrachtet wird, entscheidet das zuständige Jobcenter je nach Anzahl der Haushaltsmitglieder. In diesem Rahmen können auch die Kosten für die Instandhaltung und Reparatur anerkannt werden.

Werden auch die Unterkunftskosten für Bezieher von Hartz 4 auf dem Campingplatz übernommen?

In Deutschland herrscht die Pflicht, sich nach einem Umzug binnen 14 Tagen im neuen Wohnort anzumelden. Aber ist dies auch möglich, wenn Sie Hartz 4 auf dem Campingplatz beziehen? Dies funktioniert bei einem Wohnmobil oder Wohnwagen als dauerhaftem Wohnsitz nur bei Campingplätzen, die eine Anmeldung als Hauptwohnsitz zulassen.

Dies ist besonders wichtig, wenn Sie Hartz 4 beziehen. Das Jobcenter benötigt von Ihnen Ihre aktuelle Meldeadresse. Anhand dessen können Ihnen Bescheide und Jobangebote postalisch zugestellt werden. Ohne Meldeadresse wird Ihnen Hartz 4 in der Regel nicht bewilligt.

Wichtig! Dient das Wohnmobil oder der Wohnwagen als Wohnung und es existiert keine weitere feste Unterkunft, darf das Jobcenter das Wohnmobil nicht als Vermögen auf den Regelsatz anrechnen. Besitzen Sie das Fahrzeug zusätzlich zur Mietwohnung, kann der Wert allerdings je nach Höhe den Leistungsanspruch mindern oder gänzlich ausschließen.


Hartz-4-Empfänger erhalten auf dem Campingplatz keinen Sprit erstattet.

Hartz-4-Empfänger erhalten auf dem Campingplatz keinen Sprit erstattet.

Laut eines Urteils des Bundessozialgerichts Kassel vom 17. Juni 2010 [Az. B 14 AS 79/09 R] können Leistungsberechtigte Hartz 4 auf dem Campingplatz beziehen und die Betriebskosten für das Fahrzeug erstattet bekommen. Geklagt hatte ein Hartz-4-Empfänger, der in seinem Wohnmobil lebt und bislang nur den maßgeblichen Regelsatz erhielt.

Da das Jobcenter allerdings die Miete einer Wohnung spart, muss es Steuern und Versicherung erstatten. Somit erhält ein Leistungsberechtigte die Kosten für die Kfz-Steuer, für die Kfz-Versicherung und ggf. auch die Kosten für den Stellplatz von der zuständigen Behörde. Im Winter werden zudem die Heizkosten getragen.

Nicht bezahlt werden allerdings Sprit und Kosten für die Wartung und Pflege des Wohnmobils oder Wohnwagens. Das Bundessozialgericht argumentierte, dass diese nicht unmittelbar mit der Funktion als Unterkunft zusammenhängen und deshalb nicht bewilligt werden müssen.

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