Düsseldorfer Tabelle – Unterhalt nach Leitlinie

Wenn es um den Unterhalt nach einer Scheidung oder Trennung geht, kommt es oft zum Streit. Um die Berechnung der Zahlungen zu vereinheitlichen, hat das Oberlandesgericht Düsseldorf in Abstimmung mit den anderen Oberlandesgerichten eine Leitlinie erarbeitet.

Kinder bekommen Unterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle, wenn ihre Eltern getrennt oder mit neuem Partner leben.

Kinder bekommen Unterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle, wenn ihre Eltern getrennt oder mit neuem Partner leben.

Wer vor Gericht um Unterhaltsleistungen streitet, wird also zwangsläufig mit der Düsseldorfer Tabelle konfrontiert. Je nach Gegenstand sind vier Teile der Leitlinie von unterschiedlicher Bedeutung: der Kindesunterhalt, der Ehegattenunterhalt, der Verwandtenunterhalt und die Mangelfallberechnung.

Kurz & Bündig: Das Wichtigste zur Düsseldorfer Tabelle

  1. Die Düsseldorfer Tabelle wird zur Berechnung von Unterhaltsleistungen herangezogen.
  2. Verschiedene Kriterien wie das Einkommen des Pflichtigen, die Anzahl der Unterhaltsberechtigten oder der Selbstbehalt spielen dabei eine Rolle.
  3. Bei Zahlungsunfähigkeit der errechneten Beträge kann auch eine Mangelfallberechnung erfolgen.
  4. Mit der Düsseldorfer Tabelle lässt sich anhand der Anmerkungen auch der Ehegattenunterhalt einschätzen.

Was ist die Düsseldorfer Tabelle?

Die Unterhaltstabelle kommt vor allem im Streitfall zur Anwendung.

Die Unterhaltstabelle kommt vor allem im Streitfall zur Anwendung.

Die Düsseldorfer Tabelle ist eine Unterhaltstabelle, die seit 1962 dazu dient, die Rechtsprechung der einzelnen Gerichte in Bezug auf Fragen des Unterhalts einheitlicher und damit gerechter zu gestalten. In den neuen Bundesländern hat sie die Berliner Tabelle abgelöst.

In regelmäßigen Abständen erfolgt eine Anpassung der Leitlinie, um in den Beträgen beispielsweise die Inflation zu berücksichtigen. So wurde die Düsseldorfer Tabelle 2011/2012 beispielsweise hinsichtlich der Bedarfskontrollbeträge angepasst.

Allerdings besitzt die Richtlinie keine direkte Rechtskraft. Sie ist lediglich eine Leitlinie, die durch die Familiengerichte weitestgehend anerkannt ist und auch flächendeckend Anwendung findet. Dem Unterhaltspflichtigen gibt sie einen guten Überblick über die Höhe des zu leistenden Unterhalts.

Bemessung des Kindesunterhalts laut Düsseldorfer Tabelle

Bei der Berechnung des Kindesunterhalts laut der Düsseldorfer Tabelle müssen verschiedene Kriterien berücksichtigt werden, um sowohl dem Unterhaltsberechtigten als auch dem Unterhaltspflichtigen gerecht zu werden.

Die Berechnung des Unterhalts kann gerade dann, wenn nicht der Regelfall eintritt, eine sehr komplizierte Angelegenheit sein. Es empfiehlt sich insbesondere im Streitfall die Hinzuziehung eines Anwalts für Familienrecht, der im Fall einer gerichtlichen Klärung Pflicht ist – auch wenn damit erhöhte Prozesskosten einhergehen! Aber auch bei Einigkeit über den Unterhalt kann ein Anwalt beratend zur Seite stehen.

Düsseldorfer Tabelle 2018 (gültig seit 01.01.2018)

Netto­einkommen des
Bar­unter­halts­pflichtigen
(€/Monat)
Alters­stufen in Jahren / (€/Monat)

Prozent­satz
Bedarfs­kontroll­betrag in Euro pro Monat

0-56-1112-17ab 18
1.bis 1.900348399467527100880/1.080
2.1.901 - 2.3003664194915541051.300
3.2.301 - 2.7003834395145801101.400
4.2.701 - 3.1004014595386071151.500
5.3.101 - 3.5004184795616331201.600
6.3.501 - 3.9004465115986751281.700
7.3.901 - 4.3004745436367171361.800
8.4.301 - 4.7005025756737591441.900
9.4.701 - 5.1005296077108021522.000
10.5.101 - 5.5005576397488441602.100

Düsseldorfer Tabelle 2017 (gültig ab 01.01.2017)

Nettoeinkommen des
Barunterhaltspflichtigen
in Euro pro Monat
Altersstufen in Jahren
(§ 1612a Abs. 1 BGB) /
Beträge in Euro pro Monat

Prozentsatz
Bedarfskontrollbetrag in Euro pro Monat

0-56-1112-17ab 18
1.bis 1.500342393460527100880/1.080
2.1.501 - 1.9003604134835541051.180
3.1.901 - 2.3003774335065801101.280
4.2.301 - 2.7003944525296071151.380
5.2.701 - 3.1004114725526331201.480
6.3.101 - 3.5004385045896751281.580
7.3.501 - 3.9004665356267171361.680
8.3.901 - 4.3004935666637591441.780
9.4.301 - 4.7005205987008021521.880
10.4.701 - 5.1005486297368441601.980

Einkommensstufe des Unterhaltspflichtigen

Die Alimente in der Tabelle richten sich vor allem nach dem Nettoeinkommen.

Die Alimente in der Tabelle richten sich vor allem nach dem Nettoeinkommen.

Bereits bei ihrer Einführung 1962 richtete sich die Berechnung nach dem Einkommen des Unterhaltszahlenden. Damals erfolgte die Einteilung allerdings eher allgemein nach Berufsgruppen: Die Düsseldorfer Tabelle kannte noch „irgendwie ausgebildete Arbeitskräfte“, „Kleinbauern, untere Beamte, kleine Angestellte“, „Direktoren, Rittergutsbesitzer, Akademiker“ sowie „Stars und Minister“.

Die aktuelle Düsseldorfer Tabelle dagegen nimmt die Einteilung nach dem tatsächlichen Einkommen des Unterhaltspflichtigen vor. Basis ist immer das bereinigte Nettoeinkommen.

Grundlage: Das bereinigte Nettoeinkommen

Das bereinigte Nettoeinkommen kann durch den Abzug der berufsbedingten Aufwendungen (in der Regel fünf Prozent des Nettoeinkommens) und der zu berücksichtigungsfähigen Schulden errechnet werden.

Kennt ein Unterhaltspflichtiger sein bereinigtes Nettoeinkommen, kann er den allgemeinen Bedarf seines Kindes aus der Düsseldorfer Tabelle ablesen, wenn sein Einkommen nicht die Grenze von 5.500 Euro überschreitet.

Bei einem Unterhaltspflichtigen, dem beispielsweise ein bereinigtes Nettoeinkommen von 3.000 Euro zur Verfügung steht, sind das für ein Kleinkind im Alter von drei Jahren 401 Euro.

Unterhaltspflichtige, die mehr als 5.500 Euro im Monat zur Verfügung haben, berücksichtigt die Düsseldorfer Tabelle nicht. Hier entscheiden Familiengerichte über die Höhe der Unterhaltspflichten je nach den Gesamtumständen im Einzelfall, falls sich Eltern und Kind nicht außergerichtlich einigen.

Altersgruppe des Unterhaltsberechtigten

Die Kleinsten erhalten weniger Kindesunterhalt laut Tabelle als die Großen.

Die Kleinsten erhalten weniger Kindesunterhalt laut Tabelle als die Großen.

Neben dem Einkommen ist für den Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle auch das Alter des Kindes ausschlaggebend. Je älter dieses ist, desto höher sind auch die Bedarfswerte angesetzt. Im oben genannten Beispiel erhöht sich allgemeine Bedarf auf 459 Euro, wenn das Kind zwischen sechs und elf Jahren alt ist.

Grundlage für diese Einteilung ist das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). § 1612a BGB beschäftigt sich mit dem „Mindestunterhalt minderjähriger Kinder“:

(1) Ein minderjähriges Kind kann von einem Elternteil, mit dem es nicht in einem Haushalt lebt, den Unterhalt als Prozentsatz des jeweiligen Mindestunterhalts verlangen. Der Mindestunterhalt richtet sich nach dem steuerfrei zu stellenden sächlichen Existenzminimum des minderjährigen Kindes. Er beträgt monatlich entsprechend dem Alter des Kindes

  1. für die Zeit bis zur Vollendung des sechsten Lebensjahrs (erste Altersstufe) 87 Prozent,
  2. für die Zeit vom siebten bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahrs (zweite Altersstufe) 100 Prozent und
  3. für die Zeit vom 13. Lebensjahr an (dritte Altersstufe) 117 Prozent

des steuerfrei zu stellenden sächlichen Existenzminimums des minderjährigen Kindes.

Aus diesen Vorgaben ergeben sich die Unterhaltsbeträge der untersten Einkommensgruppe bis 1.900 Euro. Der Unterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle steigt jedoch mit dem Nettoeinkommen. Dies berechnet sich, indem der in der Tabelle aufgeführte Prozentsatz mit dem jeweiligen Mindestunterhalt multipliziert wird.

Anzahl der Unterhaltsberechtigten

Die aktuelle Düsseldorfer Tabelle ist auf zwei Berechtigte ausgelegt - mehr Kinder erfordern eine Anpassung.

Die aktuelle Düsseldorfer Tabelle ist auf zwei Berechtigte ausgelegt – mehr Kinder erfordern eine Anpassung.

Wer nach der Düsseldorfer Unterhaltstabelle ermitteln möchte, welche Zahlungen einem Kind zustehen, der muss zudem meist die Anzahl der Unterhaltsberechtigten berücksichtigen. Denn die aktuelle Richtlinie ist für zwei Berechtigte ausgelegt.

Je nach Einzelfall können aber natürlich auch weniger oder mehr Berechtigte einen Anspruch auf die Zahlung von Unterhalt haben. In der Regel wird dann die Einordnung in eine höhere bzw. niedrigere Tabellengruppe vorgenommen.

Selbstbehalt des Unterhaltspflichtigen

Der Selbstbehalt ist derjenige Anteil am bereinigten Nettoeinkommen, der dem Unterhaltspflichtigen als notweniger Eigenbedarf verbleiben muss. Es gilt immer eine Vorrangigkeit des Selbstbehalts gegenüber den Unterhaltspflichten – so soll das Existenzminimum des Pflichtigen sichergestellt werden.

Das heißt auch: Ist das bereinigte Nettoeinkommen niedriger als der angemessene Selbstbehalt, kann nach der Düsseldorfer Tabelle kein Kindesunterhalt bzw. Ehegattenunterhalt gezahlt werden.

Höhe des Selbstbehalts

Die Höhe des notwendigen Eigenbedarfs richtet sich danach, ob der Unterhaltspflichtige erwerbstätig ist oder nicht. Gegenüber minderjährigen und volljährigen privilegierten Kindern beträgt der Selbstbehalt:

  • Bei Erwerbslosigkeit – 880 Euro
  • Bei Erwerbstätigkeit – 1.080 Euro

Ein Sonderfall liegt vor, wenn es um Unterhalt für ein volljähriges, aber nicht privilegiertes Kind handelt. Dann stehen dem Pflichtigen mindestens 1.300 Euro Eigenbedarf zu.

Volljährige, privilegierte Kinder sind Kinder bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres, die im Haushalt eines Elternteiles leben und sich noch in der allgemeinen Schulausbildung befinden.

Zahlungsunfähigkeit: Was passiert, wenn das Einkommen nicht ausreicht?

Wer den Unterhalt nach Düsseldorfer Tabelle nicht zahlen kann, muss eine Mangelfallberechnung vornehmen.

Wer den Unterhalt nach Düsseldorfer Tabelle nicht zahlen kann, muss eine Mangelfallberechnung vornehmen.

Gerade wenn mehrere Unterhaltspflichten vorliegen oder der Unterhaltspflichtige Sozialleistungen wie Grundsicherung bzw. Hartz 4 bezieht, kann es sein, dass das bereinigte Nettoeinkommen nicht ausreicht, um alle nach der Düsseldorfer Liste fälligen Bedarfe zu decken. Dann erfolgt eine Einstufung in niedrigere Bedarfsgruppen.

Einfacher Mangelfall

Kann der Unterhaltspflichtige aus seinem Einkommen selbst den Mindestbedarf der untersten Gruppe nicht decken, liegt ein einfacher Mangelfall vor. In diesem Fall erhalten nur erstrangig Berechtigte Unterhalt – in der Regel sind das minderjährige und volljährige privilegierte Kinder.

Der Ehegatte dagegen gilt als nachrangig – er erhält entweder den verbleibenden Rest des Unterhalts, den der Pflichtige aufbringen kann, oder aber gar keine Zahlungen, wenn das Einkommen auch dafür nicht ausreicht.

Absoluter Mangelfall

Ein absoluter Mangelfall liegt dann vor, wenn das bereinigte Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen selbst für den Mindestbedarf der erstrangig Berechtigten nicht ausreicht. Dann muss eine Mangelfallberechnung durchgeführt werden.

Der Unterhaltszahlende ist dazu verpflichtet, alles in seinen Kräften Stehende zu unternehmen, den Unterhalt der Berechtigten sicherzustellen. Dazu gehört auch die Aufnahme eines Minijobs oder der Wechsel der Arbeitsstelle. Eine Unfähigkeit, den Unterhalt zu zahlen, muss immer bewiesen werden. Wer absichtlich oder selbstverschuldet seiner Unterhaltspflicht nicht nachkommt oder -kommen kann, der macht sich nach § 170 Abs. 1 Strafgesetzbuch (SGB) strafbar und kann u.a. mit Freiheitsentzug bestraft werden.

Ausgewogene Verteilung des Einkommens: Der Bedarfskontrollbetrag

Der Kindesunterhalt nach Tabelle hat keinen Vorrang vor dem Eigenbedarf.

Der Kindesunterhalt nach Tabelle hat keinen Vorrang vor dem Eigenbedarf.

Die letzte Spalte der Düsseldorfer Tabelle weist für die einzelnen Einkommensgruppen den Bedarfskontrollbetrag aus. Für die unterste Einkommenspanne bis 1.900 Euro ist er deckungsgleich mit dem Selbstbehalt.

Für höhere Einkommensspannen liegt der Bedarfskontrollbetrag jedoch über dem Selbstbehalt. So soll für eine ausgewogene Verteilung des Einkommens zwischen dem Unterhaltspflichtigen und den -berechtigten gesorgt werden.

Bei einer Unterschreitung des Bedarfskontrollbetrags erfolgt die Einordnung in die nächstuntere Einkommensgruppe der Düsseldorfer Tabelle, bei der der Kontrollbetrag noch nicht unterschritten wird.

Beispielberechnung nach der Düsseldorfer Tabelle (für 2018)

Aus einer Ehe sind zwei Kinder hervorgegangen: Kind 1 ist acht Jahre alt, Kind 2 bereits 15 Jahre. Die geschiedenen Ehepartner namens Müller leben getrennt, wobei die Kinder bei Ehegatte A leben. Ehegatte A ist weder unterhaltspflichtig noch unterhaltsberechtigt.

Ehegatte B hat nach den anfallenden Abzügen ein bereinigtes Nettoeinkommen von 2.500 Euro zur Verfügung.

Demnach ergeben sich folgende Unterhaltsansprüche:

  • Kind 1: 439 Euro
  • Kind 2: 514 Euro
  • Insgesamt monatlich: 953 Euro

Da der Bedarfskontrollbetrag insbesondere nach Abzug des Kindergeldes (siehe unten) nicht unterschritten wird und genau zwei Kinder unterhaltsberechtigt sind, erfolgt weder eine Herab- noch eine Heraufstufung des Unterhaltspflichtigen.

Mehr- und Sonderbedarfe des Unterhaltsberechtigten

In der Düsseldorfer Liste ist ein Mehrbedarf nicht berücksichtigt.

In der Düsseldorfer Liste ist ein Mehrbedarf nicht berücksichtigt.

Der Kindesunterhalt laut Düsseldorfer Tabelle umfasst den Regelbedarf eines Kindes, nicht jedoch einen etwaigen Mehr- oder Sonderbedarf. Das können beispielsweise die Gebühren für den Nachhilfeunterricht oder Studiengebühren sein. Auch nicht vorherzusehende, außerordentlich hohe Bedarfe wie zum Beispiel die Kosten für eine Brille können hier geltend gemacht werden.

Mehr- und Sonderbedarfe sind jeweils anteilig durch beide Elternteile abhängig ihres Einkommens zu zahlen.

Minderung des Unterhalts

Einige Umstände führen zur Minderung der Unterhaltsansprüche. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein unterhaltsberechtigtes Kind eigene Einkünfte hat, etwa durch einen Nebenjob während des Studiums oder den Lohn in einer Berufsausbildung.

Keine Minderung hat jedoch eine Verweigerung des Umgangsrechts zur Folge. Hiergegen kann zwar mit entsprechenden Rechtsmitteln vorgegangen werden, Unterhalt ist aber weiterhin zu zahlen.

Anrechnung von Kindergeld

Die Düsseldorfer Tabelle beachtet das Kindergeld nicht, sodass dieses noch angerechnet werden kann. Im Jahr 2018 beträgt das Kindergeld für das erste und zweite Kind 194 Euro. Ein drittes Kind bekommt 200 Euro, ab dem vierten Kind sind sogar 225 Euro angesetzt.

Das Kindergeld steht beiden Elternteilen zwar hälftig zu, wird bei getrenntlebenden Elternteilen jedoch demjenigen ausgezahlt, bei dem das Kind jeweils lebt. Deswegen kann der Unterhaltspflichtige die Hälfte des Kindergeldes, das ihm zusteht, von seinen Unterhaltspflichten abziehen. Bei volljährigen Kindern wird das Kindergeld jedoch als Einkommen des Kindes angerechnet.

In der Beispielrechnung der Familie Müller können also von den monatlichen Unterhaltsleistungen noch die hälftigen Beträge des Kindergeldes abgezogen werden. Es bleiben an Unterhaltsleistungen noch (953€ – 97€ – 97€ =) 759 Euro übrig.

Deswegen gilt: Die Düsseldorfer Tabelle zeigt nicht die tatsächlich zu zahlenden Beträge – von diesen ist das Kindergeld noch einmal abzuziehen! Die bereinigten Beträge können einer weiteren Tabelle im Anhang der Düsseldorfer Richtlinien entnommen werden.

Zahlbeträge ab 01.01.2018

Nettoeinkommen in EuroZahlbeträge in Euro, abhängig von Altersstufen in JahrenBedarfskontrollbetrag in Euro
0 bis 5 Jahre6 bis 11 Jahre12 bis 17 Jahreab 18 Jahren
bis 1.900 251302370333880/1.080
1.901-2.3002693223943601.300
2.301-2.7002863424173861.400
2.701-3.1003043624414131.500
3.101-3.5003213824644391.600
3.501-3.9003494145014811.700
3.901-4.3003774465395231.800
4.301-4.7004054785765651.900
4.701-5.1004325106136082.00
5.101-5.5004605426516502.100
Über 5.500Abhängig vom Einzelfall

Wird das Einkommen des nicht unterhaltspflichtigen Elternteils berücksichtigt?

Die Unterhaltstabelle richtet sich nur nach dem Einkommen des Pflichtigen.

Die Unterhaltstabelle richtet sich nur nach dem Einkommen des Pflichtigen.

Für die Berechnung des Einkommens ist bei minderjährigen Unterhaltsberechtigten das bereinigte Nettoeinkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils maßgebend, bei volljährigen Kindern das Gesamtnettoeinkommen beider Eltern. In dem Fall, dass Ehegatte A der fiktiven Familie Müller, bei dem die Kinder leben, nicht unterhaltsberechtigt ist, weil genügend eigenes Einkommen vorliegt, dann hat das keinen Einfluss auf die Berechnung des Kindesunterhalts für Ehegatte B.

Das gilt sogar dann, wenn das Einkommen des Ehegatten A das Einkommen von Ehegatte B übersteigt. Denn das Gesetz geht davon aus, dass Ehegatte A statt des Barunterhalts sogenannten Betreuungsunterhalt leistet. Dieser beinhaltet vor allem Kost und Logis für das bzw. die Kinder.

Ehegattenunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle

Auch (ehemalige) Ehegatten haben unter Umständen ein Anrecht auf vollen Unterhalt, wenn sie über kein eigenes Einkommen verfügen. Auch dafür ist zunächst das bereinigte Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen zu ermitteln. Davon stehen dem nicht erwerbstätigen Ehegatten in der Regel drei Siebtel (3/7) zu, dem erwerbstätigen Partner verbleiben vier Siebtel (4/7).

Dieser Erwerbstätigenbonus von einem Siebtel (1/7) soll einen Anreiz schaffen, eine Erwerbstätigkeit auszuüben. Einige süddeutsche Oberlandesgerichte (u.a. München und Stuttgart) nehmen jedoch einen Erwerbstätigenbonus von einem Zehntel (1/10) an. Andere Einkünfte wie zum Beispiel aus einer Vermietung werden dagegen hälftig aufgeteilt.

Erzielen beide Ehegatten ein Einkommen, ist nach der Ermittlung des bereinigten Nettoeinkommens die Differenz zwischen beiden Einkommen ausschlaggebend. Der Besserverdiener muss in der Regel an den schlechter verdienenden Expartner drei Siebtel (3/7) dieser Differenz zahlen (in Süddeutschland 1/10), solang keine anderen Gründe wie der Selbstbehalt dem entgegenstehen.

Ehegattenunterhalt bei Kindern

Die Alimente für Kinder haben nach der Tabelle Vorrang - der Ehegatte geht dann leer aus.

Die Alimente für Kinder haben nach der Tabelle Vorrang – der Ehegatte geht dann leer aus.

Die oben genannten Regelungen kommen so jedoch nur zur Anwendung, wenn keine unterhaltsberechtigten Kinder aus der Ehe hervorgegangen sind. Ist dies der Fall, hat der Unterhalt der Kinder des Pflichtigen in jedem Fall Vorrang gegenüber dem Ehegattenunterhalt.

Deswegen werden die Ansprüche des getrenntlebenden Ehepartners erst nach Abzug der zu zahlenden Leistungen an die Kinder berechnet. Aus dem danach verbleibenden bereinigten Nettoeinkommen stehen dem Partner drei Siebtel (3/7) zu, wenn er nicht erwerbstätig ist. Ansonsten stehen ihm drei Siebtel der Differenz zwischen dem Einkommen des Pflichtigen und seinem eigenen zu.

Der Selbstbehalt gegenüber einem ehemaligen Ehepartner beträgt meist rund 1.200 Euro. Dies kann sich jedoch je nach Oberlandesgericht und im Einzelfall anders darstellen.

Grundsätzlich gilt: Die Berechnung des Unterhalts – ob nach der Düsseldorfer Tabelle oder nicht – ist kompliziert und birgt ein hohes Konfliktpotential. Das ist besonders dann der Fall, wenn zum Beispiel Schulden eine Rolle spielen oder bei besonderen Familienkonstellationen. Es empfiehlt sich spätestens im Streitfall die Hinzuziehung eines eigenen Rechts- oder Fachanwalts pro Ehegatte, damit jede Partei zu ihrem Recht kommt.

Unterhalt bei Hartz-4-Bezug

Nach der Düsseldorfer Tabelle Unterhalt zu zahlen, ist bei ALG II-Bezug meist schwierig.

Nach der Düsseldorfer Tabelle Unterhalt zu zahlen, ist bei ALG II-Bezug meist schwierig.

Wer Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) bezieht, wozu auch Hartz 4 bzw. Arbeitslosengeld II (ALG II) gehört, der ist zwar unter Umständen unterhaltspflichtig, aber in der Regel verhindern Selbstbehalt und Bedarfskontrollbetrag die tatsächliche Leistung der Alimente nach der Düsseldorfer Tabelle.

Dann gilt jedoch noch viel mehr als sonst schon bei Hartz-4-Bezug: Der Leistungsempfänger muss alles ihm Mögliche unternehmen, um eine geeignete und angemessene Anstellung zu finden. Reicht diese zur Deckung des Unterhaltes immer noch nicht aus, ist er auch verpflichtet, gegebenenfalls zusätzlich eine Nebenbeschäftigung auszuüben.

Tut er dies nicht, kann ihm auch ein sogenanntes fiktives Einkommen zugerechnet werden, das sich danach bemisst, was ihm auf dem derzeitigen Arbeitsmarkt unter den Gegebenheiten seiner Ausbildung und seines Lebenslaufes möglich wäre. Die reale Leistung der vollen theoretischen Unterhaltspflicht dürfte aber trotzdem schwierig sein. Besteht ein Unterhaltstitel, kann der Unterhalt jedoch beispielsweise auch gepfändet werden.

Bei Hartz-4-Bezug des Unterhaltspflichtigen gilt in der Regel, dass dieser nicht leistungsfähig ist – damit entfällt die Unterhaltspflicht für den Zeitraum des Bezuges von Arbeitslosengeld II. Unterhaltsberechtigte sollten dagegen beachten, dass Unterhalt auf Hartz-4-Leistungen angerechnet wird.

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