Haushaltsgemeinschaft nach SGB II: Worin besteht der Unterschied zur Bedarfsgemeinschaft?

Im Rahmen der Leistungsberechnung Bedürftiger ist es für das Jobcenter entscheidend, ob noch andere Personen im Haushalt leben, die den potentiellen Hartz-4-Empfänger finanziell unterstützen. Denn sofern Einkommen und Vermögen ausreicht und ein wechselseitiger Wille besteht, sich finanziell um den Bedürftigen zu kümmern, besteht unter Umständen kein Anspruch auf Hartz 4.

Haushaltsgemeinschaft bei Hartz-4-Bezug: Personen über 25 Jahren, die mit ihren Eltern zusammenleben, bilden evtl. eine Haushaltsgemeinschaft.

Haushaltsgemeinschaft bei Hartz-4-Bezug: Personen über 25 Jahren, die mit ihren Eltern zusammenleben, bilden evtl. eine Haushaltsgemeinschaft.

Um zu ermitteln, ob und inwiefern die Finanzen anderer Haushaltsmitglieder bei der Berechnung der Leistung Berücksichtigung finden, ist die Form des Zusammenlebens entscheidend. Liegt eine Haushaltsgemeinschaft, Bedarfsgemeinschaft oder Wohngemeinschaft vor? Wir erläutern im Folgenden, worum es sich bei der Haushaltsgemeinschaft handelt.

Kurz & bündig: Das Wichtigste zur Haushaltsgemeinschaft bei Hartz-4-Bezug

  1. Eine Haushaltsgemeinschaft liegt vor, wenn verwandte oder verschwägerte Personen mit einem Leistungsberechtigten zusammen wohnen und diesen finanziell unterstützen.
  2. Die Vermutung einer Haushaltsgemeinschaft kann vom betroffenen Hartz-4-Empfänger widerlegt werden, in dem er Nachweise zu den getrennten Finanzen darlegt.
  3. Handelt es sich um eine Haushaltsgemeinschaft, muss der Leistungsberechtigte neben dem Hauptantrag auf ALG 2 auch die Anlage HG vom Jobcenter ausfüllen.

Haushaltsgemeinschaft per Definition

Personen, die bereits Hartz 4 oder eine andere Sozialleistung beantragen mussten, stolpern des Öfteren über den Begriff "Haushaltsgemeinschaft". Aber was ist eine Haushaltsgemeinschaft eigentlich?

Der Begriff wird in § 39 Satz 1 Sozialgesetzbuch (SGB) XII definiert. Gemäß der Vermutung der Bedarfsdeckung wird von einer Haushaltsgemeinschaft bei ALG-2-Bezug ausgegangen, wenn Personen zusammen wohnen und gemeinsam wirtschaften.

Sofern das Einkommen und Vermögen aller Haushaltsmitglieder zum Leben für alle Personen ausreicht, besteht kein Anspruch auf Arbeitslosengeld (ALG) 2. Dies gilt auch, wenn ein erwerbsfähiges Haushaltsmitglied gar nichts erwirtschaftet.

Grundsätzlich besteht eine Haushaltsgemeinschaft ausschließlich zwischen Verwandten oder Verschwägerten. Beispielsweise bildet bei Hartz-4-Bezug eine Haushaltsgemeinschaft mit den Eltern, wer über 25 Jahre alt ist. Wichtig ist dabei, dass sich die Personen sowohl die Wohnräume als auch die Kosten und die Lebensmittel teilen.

Generell kann die Haushaltsgemeinschaft vom Jobcenter also vermutet werden, wenn Sie gemeinsam mit Ihrem Ehepartner und Ihren Eltern in einem Haushalt leben. Wichtig ist in jedem Fall, dass ein verwandtschaftliches oder verschwägertes Familienverhältnis vorliegen muss.

Worin liegt der Unterschied zwischen einer Bedarfsgemeinschaft und einer Haushaltsgemeinschaft bei Hartz-IV-Bezug?

Generell unterscheidet sich die Haushaltsgemeinschaft von der Bedarfsgemeinschaft. Allerdings gilt auch für die Bedarfsgemeinschaft, dass das Einkommen und Vermögen der anderen Personen im Haushalt bei der Berechnung des Regelsatzes eines Leistungsberechtigten berücksichtigt wird.

Der Unterschied ergibt sich allerdings bei den dazugehörigen Personen. Zu einer Bedarfsgemeinschaft zählen folgende Haushaltsmitglieder:

Hartz-4-Bezug und Haushaltsgemeinschaft: Die Miete wird nur anteilig übernommen.

Hartz-4-Bezug und Haushaltsgemeinschaft: Die Miete wird nur anteilig übernommen.

  • Leistungsberechtigter
  • Partner oder Ehepartner
  • Kinder unter 25 Jahren ohne ausreichendes Einkommen oder Vermögen
  • Eltern eines unverheirateten, erwerbsfähigen, unter 25-jährigen Kindes

Es ist durchaus möglich, dass in einem Haushalt mehrere Bedarfsgemeinschaften bestehen. Außerdem unterscheidet sich die Haushaltsgemeinschaft von der Wohngemeinschaft (WG). In einer WG wirtschaften die Haushaltsmitglieder jeder für sich und teilen sich meistens nur Gemeinschaftsräume.

Schlafzimmer sind getrennt und auch die Lebensmittel sowie die Miete werden unabhängig voneinander gezahlt. Eine Wohngemeinschaft hat dementsprechend keinen Einfluss auf die Berechnung des Hartz-4-Regelsatzes.

Können Sie die Vermutung einer Haushaltsgemeinschaft widerlegen?

Grundsätzlich muss das Jobcenter nachweisen, dass bei Ihnen eine Haushaltsgemeinschaft vorliegt und die Haushaltsmitglieder gemeinsam wirtschaften. Erst dann kann die Behörde eine Offenlegung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Haushaltsmitglieder verlangen.

Nur das Zusammenwohnen und das gemeinsame Nutzen von Räumen genügt nicht als Vermutung. Einmalzahlungen oder Hilfen in finanziellen Notlagen beweisen ebenfalls nicht, dass es sich um eine Haushaltsgemeinschaft handelt. Ist die Vermutung unzureichend oder fehlerhaft, sollten Betroffene einen Widerspruch einlegen. Im Zweifelsfall kann auch ein Anwalt helfen.

Bilden Sie tatsächlich eine Haushaltsgemeinschaft, müssen Hartz-4-Empfänger neben dem Hauptantrag auf ALG 2 auch die Anlage HG vom Jobcenter ausfüllen. Dort müssen die Mitglieder der Haushaltsgemeinschaft benannt und die entsprechenden monatlichen Leistungen dieser an den Hartz-4-Empfänger aufgeschlüsselt werden.

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