Dürfen Hartz-IV-Empfänger Lotto spielen?

Das Glücksspiel erfreut sich großer Beliebtheit: Von Sportwetten bis hin zu Rubbellosen sind unzählige Formen denkbar. Eines haben diese Spiele alle gemeinsam: Den Traum, einen Jackpot zu knacken und somit zu Reichtum zu gelangen. Doch wie verhält es sich mit Hartz-IV-Empfängern? Ist Lottospielen verboten?

Trotz Hartz 4: Ein Lottogewinn ist für viele ein großer Traum. Doch dürfen Menschen, die ALG II beziehen, überhaupt am Glücksspiel teilnehmen?

Trotz Hartz 4: Ein Lottogewinn ist für viele ein großer Traum. Doch dürfen Menschen, die ALG II beziehen, überhaupt am Glücksspiel teilnehmen?

Neben den erträumten Gewinnchancen sieht die Realität oft ernüchternder aus: Die Einsätze gehen verloren und reißen ein großes Loch in die Haushaltskasse. Im Regelbedarf des ALG II sind Wett- bzw. Glücksspieleinsätze nicht vorgesehen. Doch kommt dies auch tatsächlich einem Verbot gleich?

Dieser Frage soll der nachfolgende Ratgeber auf den Grund gehen. Außerdem erfahren Sie, wie eventuelle Gewinne im Lotto bei Hartz-4-Empfängern angerechnet werden können.

Kurz und bündig: Das Wichtigste zu Hartz IV und Lotto

  1. Auch Hartz-IV-Empfänger dürfen im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten Lotto spielen.
  2. Gewinne müssen dem Jobcenter als zusätzliches Einkommen gemeldet werden.
  3. Gewinne können abhängig von ihrer Höhe zu einer Kürzung der Leistungen führen, allerdings maximal über einen Zeitraum von sechs Monaten.


Kann Hartz-IV-Empfängern ein Lottoverbot auferlegt werden?

Bei einem Lottogewinn können die Hartz-IV-Leistungen gekürzt werden.

Bei einem Lottogewinn können die Hartz-IV-Leistungen gekürzt werden.

Grundsätzlich kann jeder Mensch an Glücksspielen teilnehmen, sofern er es sich leisten kann. So können also auch Hartz-4-Empfänger Lotto spielen und auf einen großen Gewinn hoffen. Ein Versuch, ALG-II-Empfänger von Sportwetten und Glücksspiels auszuschließen, scheiterte 2011:

Ein Wettanbieter wollte durchsetzen, dass Konkurrenten nur Wetten von Spielern annehmen dürfen, die vorher auf ihre finanzielle Situation überprüft worden sind. Der Versuch scheiterte, da das Oberlandesgericht Köln zu dem Urteil kam, dass eine solche umfangreiche Prüfung für die Wettanbieter nicht zumutbar sei.

So verhält es sich auch beim Lotto: Ein Hartz-IV-Empfänger kann den Schein ganz normal ausfüllen und an dem Gewinnspiel teilnehmen.

Hartz-IV-Empfänger und Lottogewinn: Wird dieser angerechnet?

Doch wie verhält es sich nun, wenn ein Hartz-IV-Beziehender im Lotto gewinnt?

Grundsätzlich handelt es sich dabei um ein zusätzliches Einkommen, welches Sie dem Jobcenter oder der Agentur für Arbeit in jedem Fall melden müssen. Je nach Höhe des Geldpreises, kann dieser auch auf Ihre Leistungen angerechnet werden.

Ein prominentes Beispiel ist Dennis Krause, ein Hartz-IV-Empfänger, dessen Lottogewinn knapp 10.000 Euro betrug. Dieses zusätzliche Einkommen meldete er beim zuständigen Jobcenter. Daraufhin ging ein Bescheid des Jobcenters bei Krause ein, welches in aufforderte, selbst für seinen Lebensunterhalt aufzukommen.Diese Eigenleistung sollte über zehn Monate erbracht werden – damit wäre der gesamte Lottogewinn aufgebraucht gewesen. Allerdings schreibt das Sozialgesetzbuch II vor, dass einmalige Einnahmen (also auch, wenn Hartz-4-Bezieher im Lotto gewinnen), nur sechs Monate lang auf die Leistungen anzurechnen sind.

Für Krause blieb somit ein Betrag von etwa 4.500 Euro übrig, über den er steuerfrei verfügen kann.

Als Hartz-IV-Empfänger Lotto zu spielen, ist nicht verboten.

Als Hartz-IV-Empfänger Lotto zu spielen, ist nicht verboten.

Bei einem Lottogewinn können die Hartz-IV-Leistungen also wegfallen, wenn der Betrag entsprechend hoch ist. Dies ist allerdings nur über einen Zeitraum von sechs Monaten zulässig. In jedem Fall muss ein Gewinn beim Glücksspiel als eine einmalige Einnahme beim Jobcenter angegeben werden.

Fazit: Darf man als Hartz-IV-Empfänger Lotto spielen und die Gewinne behalten?

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Hartz-IV-Beziehende sowohl Lotto als auch andere Glücksspielangebote wahrnehmen dürfen. Dabei müssen die Finanzen selbst überblickt werden, wird das ALG II verzockt, gibt es keine zusätzlichen Zahlungen. Werden Gewinne erzielt, müssen diese dem Jobcenter als einmalige Einnahmen angegeben werden. Im Zuge dessen können die Geldpreise zu einer Kürzung der Leistungen führen, sofern sie den Lebensunterhalt teilweise oder sogar gänzlich abdecken.

Dasselbe gilt im Übrigen auch für Sachpreise. Diese können ebenfalls auf die Leistungen angerechnet werden und müssen in jedem Fall gemeldet werden.

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4 Gedanken zu „Dürfen Hartz-IV-Empfänger Lotto spielen?

  1. grazyna S.

    Hallo,
    kann leider nirgends einen Beitrag finden, der meine Frage antwortet
    Beziehe ALG 2, nach einem Unfall erwarte ich eine Geldleistung (Schmerzensgeld) von meiner privater Unfallversicherung.
    Wird diese Zahlung an die Leistung angerechnet, oder als Entschädigung für nicht materielle Schäden anrechnungsfrei bleibt?
    Danke für eine Antwort
    G.S

    Antworten
    1. hartz4hilfthartz4.de

      Hallo Grazyna,

      Schmerzensgeld darf laut einem Urteil vom Sozialgericht Aachen (AZ: S 23 AS 2/08) nicht auf Hartz 4 angerechnet werden.

      Ihr Team von hartz4hilfthartz4.de

      Antworten
  2. Ulrike P.

    Was soll falsch sein an einem Spiel- bzw. Lottoverbot für ALG2 und Grundsicherungsempfänger? Was soll falsch sein an einem Verkaufsverbot für Alkohol und Tabakwaren an eben diese Leute? Der Staat hat die Aufgabe, diese Menschen auch vor sich selbst zu schützen. Ich bin sowieso gegen diese ganze Lottospielerei und desgleichen. Es ist einfach unmoralisch und ungerecht, dass Arbeitsscheue und andere Faulpelze, die sowieso nicht mit Geld umgehen können, ohne ehrliche und harte Arbeit zu großen Geldsummen kommen können. Es müsste doch möglich sein, dass die Sozialstellen mit jedem Empfänger von Sozialleistungen eine Art Privatvertrag abschließen, die jeden Spielgewinn automatisch dem Staat zukommen lassen. Dann hätte die ganze unsinnige Lottospielerei sofort ein Ende.
    Auf meinem Heimweg von der Arbeit komme ich jeden Tag an einer Stelle vorbei, wo sich betrunkene und Kette rauchende Obdachlose aufhalten. Auch diese Menschen gilt es, sie vor sich selbst zu schützen. Der Verkauf von Alkohol und Zigaretten müsste viel strenger kontrolliert werden, so dass sozial Schwache nicht mehr an solche Waren gelangen können. Durch die Computertechnik wäre dies problemlos möglich. Die Steuereinnahmen würden zwar sinken, die Gesundheitsausgaben aber auch. Die Weitergabe von Alkohol und Tabakwaren an Sozialhilfeempfänger müsste ähnlich bestraft werden, wie die Weitergabe an Minderjährige. Aber dazu wird es leider nicht kommen. Schließlich hält dieser Staat die Gewinne der Alkohol- und Tabakbranche für wichtiger.

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  3. Tina R.

    Das ist ja mal absolut verallgemeinernd. Klar gibt es zweifelsohne Leute, die einfach wegen Faulheit ALG2 in Anspruch nehmen, aber die sind wohl eher die Minderheit. Eine Verwandte von mir hat Jahrelang dieses gebraucht, da sie eine Alleinerziehende Mutter ist und sie ihre Kinder nicht von anderen Aufziehen lassen wollte, nur damit sie von Morgens bis Abends arbeiten konnte um den selben recht kleinen Betrag nach Hause zu bringen. Dann kenn ich noch einen der seit jahren versucht die Rente durch zu kriegen, da er Gesundheitlich einfach nicht mehr im Stande ist für den Job zu arbeiten, für den er Ausgebildet worden ist. Es wird Leuten wie ihm nicht geholfen sich umzubilden, oder einen höheren Bildungsabschluss zu erreichen. Von wegen also faule Leute die nicht mit Geld umgehen können. Ich persönlich studiere grade, und habe weder vor mein Geld zu verspielen, oder zu rauchen, aber wenn es mal dazu kommen sollte, dass ich das ALG2 brauche, dann sind hoffentlich nicht Leute wie Sie am längeren Hebel.

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