Müssen Hartz-4-Empfänger Medikamente selbst bezahlen?

Personen mit Behinderung oder finanziell aufwendigen Erkrankungen müssen sich trotz Hartz 4 Medikamente leisten können. Neben dem Regelsatz kann deshalb je nach individueller Situation zusätzlich zu den Hartz-4-Leistungen ein Sonder- oder Mehrbedarf geltend gemacht werden. Aber was ist mit den Zuzahlungen für bestimmte Medikamente?

Zuzahlung für Medikamente: Können Hartz-4-Empfänger sich davon befreien lassen?

Zuzahlung für Medikamente: Können Hartz-4-Empfänger sich davon befreien lassen?

Normalerweise ist für die Kostenübernahme von Medikamenten – auch bei Hartz-4-Bezug – die Krankenkasse zuständig. Nicht immer haben Betroffene einen Anspruch auf die volle Kostenübernahme, weshalb Hartz-4-Empfänger die Medikamente theoretisch ganz oder teilweise selbst bezahlen müssen. Wann sich Betroffene von den Zuzahlungen befreien lassen können, erfahren Sie hier.

Kurz & bündig: Das Wichtigste zum Hartz-4-Bedarf für Medikamente

  • Wenn ein Hartz-4-Empfänger laufend Medikamente benötigt, deren Kosten die Krankenkasse nicht übernimmt, kann ein Sonderbedarf oder Härtefall geltend gemacht werden.
  • Normalerweise müssen alle Kassenpatienten (auch Hartz-4-Empfänger) für Medikamente eine Zuzahlung leisten. Nur ab einer bestimmten Belastungsgrenze (ein bis zwei Prozent der Bruttoeinnahmen) kann eine Befreiung davon beantragt werden.
  • Die Belastungsgrenze für die Befreiung von Zuzahlungen ist bei Hartz-4-Empfängern vom Regelsatz des Haushaltsvorstandes einer Bedarfsgemeinschaft abhängig.

Wie können Hartz-4-Empfänger Medikamente finanzieren?

Grundsätzlich müssen Personen, die in der gesetzlichen Krankenversicherung sind, beim Kauf von Medikamenten eine Zuzahlung leisten. In der Regel liegt der Eigenanteil bei zehn Prozent oder fünf Euro, höchstens zehn Euro. Dabei darf der Eigenanteil die Höhe des tatsächlichen Medikamentenpreises nicht übersteigen.

Was ist, wenn Hartz-4-Empfänger kein Geld für Medikamente haben? Es gibt zwei Möglichkeiten. Betroffene können entweder …

  • einen Härtefall, das heißt, einen einmaligen, unabweisbaren Bedarf beim Jobcenter geltend machen oder
  • die Befreiung der Medikamentenzuzahlung bei der Krankenkasse beantragen.
Müssen Hartz-IV-Empfänger eine Medikamentenzuzahlung leisten?

Müssen Hartz-IV-Empfänger eine Medikamentenzuzahlung leisten?

Das Jobcenter zahlt Hartz-4-Empfängern nur Medikamente, die auch wirklich benötigt werden und eine besondere finanzielle Belastung darstellen, z. B. bei chronischen Erkrankungen. Orthopädische Schuhe, Zahnersatz oder eine Brille müssen beispielsweise weiterhin selbst gezahlt werden.

Bei Hartz-4-Bezug sind Medikamente nicht das einzige gesundheitsbezogene Geldproblem. Bestimmte Erkrankungen erfordern eine besondere Ernährung oder Diät. Dafür kann ein Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung beim Jobcenter beantragt werden.

Wegen Hartz 4 von der Medikamentenzuzahlung befreit

Hartz-4-Empfänger müssen Medikamente genauso wie andere Versicherte nur bis zu einer bestimmten Belastungsgrenze selbst bezahlen. In einem Kalenderjahr sollten nicht mehr als zwei Prozent vom Einkommen (Brutto) für Medikamentenzuzahlungen geleistet werden.

Bei schwerwiegenden Krankheiten, Dauerbehandlung oder chronischer Erkrankung gilt eine Grenze von einem Prozent der Bruttoeinnahmen (sogenannte: Chronikerregelung). Was ist also mit Zuzahlungen, die Hartz-4-Empfänger für Medikamente leisten müssten, obwohl sie es nicht können?

Hier gilt: Wer Sozialleistungen bezieht, bei dem wird die Belastungsgrenze auf Grundlage des Regelsatzes des Haushaltsvorstandes für die gesamte Bedarfsgemeinschaft ermittelt. Freibeträge können dabei aber nicht geltend gemacht werden.

Wichtig ist, dass Hartz-4-Empfänger, wenn Medikamente gekauft wurden, immer die Belege (z. B. Quittungen der Apotheke) aufbewahren, denn die Krankenkasse informiert nicht automatisch darüber, wann die Belastungsgrenze erreicht ist. Die Ausgaben sollten Betroffene deshalb selbst im Auge behalten.

Eine Zuzahlungsbefreiung im Voraus ist nur dann möglich, wenn aufgrund der Erkrankung bereits zu Beginn des Kalenderjahres absehbar ist, dass die Belastungsgrenze erreicht werden wird.

Für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr müssen grundsätzlich keine Zuzahlungen für Medikamente geleistet werden. Auch Schutzimpfungen, Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen sowie Harn- und Blutteststreifen sind kostenfrei.

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Ein Gedanke zu „Müssen Hartz-4-Empfänger Medikamente selbst bezahlen?

  1. Frank T.

    Wie kann das aber dann sein, dass wir für unseren Sohn 15 und 6 Jahre immer für Medikamente
    zuzahlen müssen. Auch bei Erkältung ,oder zb. Vorsorgeuntersuchungen usw.
    Was können wir dagegen tun ?

    Antworten

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