Mehrbedarf für Warmwasser: Was übernimmt das Jobcenter?

Nicht jeder Hartz-4-Empfänger erhält sein warmes Wasser durch eine zentrale Erzeugung, beispielsweise über eine Heizungsanlage mit Warmwasserspeicher. Liegt eine dezentrale Warmwasserversorgung vor, z. B. über einen Durchlauferhitzer oder Boiler, so wird das warme Wasser dort erzeugt, wo es benötigt wird, also direkt im Badezimmer oder in der Küche einer Wohnung.

Der Mehrbedarf für Warmwasser wird beispielsweise beim Durchlauferhitzer in einer Wohnung gezahlt.

Der Mehrbedarf für Warmwasser wird beispielsweise beim Durchlauferhitzer in einer Wohnung gezahlt.

Während bei einer zentralen Versorgung die Heizkosten in die Nebenkosten integriert und somit vom Jobcenter übernommen werden, sieht dies bei einer dezentralen Erzeugung anders aus: Eine dezentrale Warmwasserversorgung läuft normalerweise über Strom oder Gas.

Wussten Sie schon?

  1. Einen Mehrbedarf für Warmwasser erhalten Hartz-4-Empfänger bei einer dezentralen Warmwassererzeugung, z. B. durch einen Durchlauferhitzer.
  2. Je nach Regelbedarfsstufe werden zwischen 0,8 und 2,3 % des geltenden Satzes zusätzlich anerkannt.
  3. Ein Mehrbedarf kann rückwirkend bis zu einem Jahr nachgezahlt werden, wenn die Voraussetzungen damals auch vorlagen.

Hier müssen Hartz-4-Empfänger einen Mehrbedarf für Warmwasser beantragen, der dann als gewisser Prozentsatz vom Regelbedarf ausgezahlt wird. Aber wie viel Geld können Hilfebedürftige genau erhalten? Und kann ein solcher Antrag auch rückwirkend gestellt werden?


Mehrbedarf für Warmwasser: Was das SGB 2 besagt

Dass Besitzer einer dezentralen Warmwasserversorgung einen Anspruch auf einen entsprechenden Mehrbedarf haben, ist in § 21 des Zweiten Sozialgesetzbuchs (SGB 2) festgelegt. Demnach gilt:

Bei Leistungsberechtigten wird ein Mehrbedarf anerkannt, soweit Warmwasser durch in der Unterkunft installierte Vorrichtungen erzeugt wird (dezentrale Warmwassererzeugung) und deshalb keine Bedarfe für zentral bereitgestelltes Warmwasser nach § 22 anerkannt werden. […]

Ein Mehrbedarf für Warmwasser wird bei einer dezentralen Warmwasserversorgung anerkannt.

Ein Mehrbedarf für Warmwasser wird bei einer dezentralen Warmwasserversorgung anerkannt.


Dabei unterscheiden sich die Prozentsätze danach, welche Höhe vom Regelsatz den Familienmitgliedern zugrunde liegt.

Kinder erhalten einen geringeren Prozentsatz an Mehrbedarf für Warmwasser bei Hartz 4 als ihre Eltern, da diese zumeist auch weniger warmes Wasser verbrauchen.

Aus der folgenden Tabelle ergibt sich, welcher Mehrbedarf für Warmwasser ab welchem Alter gezahlt wird:

RegelbedarfsstufeProzentsatzMehrbedarf in Euro
1 (Alleinstehende, Alleinerziehende)2,3 %~ 9,40
2 (jeder Partner in bedarfsgemeinschaftsähnlicher Partnerschaft)2,3 %~ 8,50
3 (erwachsene Person bei Unterbringung in stationärer Einrichtung)2,3 %~ 7,50
4 (Jugendlicher zwischen 15 und 18)1,4 %~ 4,40
5 (Kind zwischen 7 und 14)1,2 %~ 3,50
6 (Kind bis zur Vollendung des 6. Lebensjahrs)0,8 %~ 1,90

Demnach gilt: Für jede in der Bedarfsgemeinschaft lebende Person wird der – anhand der geltenden Regelbedarfsstufe errechnete – Mehrbedarf monatlich zusätzlich zu anderen Mehrbedarfen und zum Regelbedarf ausgezahlt.

Hartz 4: Benötigt der Mehrbedarf für Warmwasser einen entsprechenden Antrag?

Der Mehrbedarf für Warmwasser wird Hartz-4-Empfängern erst dann gezahlt, wenn ein entsprechender Antrag darauf gestellt wird. Wichtig ist also: Eine automatische Gewährung erfolgt nicht. Um einen Mehrbedarf für Warmwasser geltend machen zu können, müssen Sie jedoch lediglich eine Angabe im Formular „KDU“ also Kosten der Unterkunft und Heizung – machen. Liegt in Ihrer Wohnung eine dezentrale Warmwasserversorgung vor, so müssen Sie ebenfalls Nachweise dafür erbringen. Grundsätzlich kann hierfür entweder der Mietvertrag als Grundlage dienen oder Sie holen sich bei Ihrem Vermieter eine entsprechende Bescheinigung ein.

Kann ein Mehrbedarf für Warmwasser auch rückwirkend in Anspruch genommen werden?

Einen Mehrbedarf für Warmwasser laut SGB 2 erhalten lediglich Haushalte, bei denen die Kosten für Warmwasser nicht in der Nebenkostenabrechnugn enthalten sind.

Einen Mehrbedarf für Warmwasser laut SGB 2 erhalten lediglich Haushalte, bei denen die Kosten für Warmwasser nicht in der Nebenkostenabrechnugn enthalten sind.


Haben Sie bislang keine Leistungen in Form von einem Mehrbedarf für Warmwasser erhalten, obwohl diese Ihnen zustünden, so können Sie einen Überprüfungsantrag stellen.

Diese Möglichkeit ist in § 44 des Zehnten Sozialgesetzbuchs geregelt. Allerdings ist dies nur bis zu einem Jahr rückwirkend möglich (vgl. § 40 SGB 2). Haben Sie also eine zeitlang kein Geld für eine dezentrale Warmwasserversorgung erhalten, so können Sie Ihre Bescheid rückwirkend daraufhin prüfen lassen.

Liegt der Anspruch auf einen Mehrbedarf für Warmwasser bei Ihnen vor, so können Sie eine Nachzahlung vom Jobcenter erhalten. Diese wird nicht als Einkommen auf den Hartz-4-Satz angerechnet.

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5 Gedanken zu „Mehrbedarf für Warmwasser: Was übernimmt das Jobcenter?

  1. Langer

    hallo bekommt man auch stromkosten für gastherme vom jobcenter wie beantrage ich die welches formular muss ich ausfüllen

    Antworten
    1. hartz4hilfthartz4.de

      Hallo Langer,

      bei dezentraler Warmwasserversorgung (z. B. Durchlauferhitzer, Gastherme etc.) sind die Kosten nicht im Regelbedarf enthalten, sondern werden zusätzlich vom Jobcenters in Form eines Pauschalbetrages gezahlt. Die Höhe des Pauschalbetrags orientieren sich aber am Regelbedarf. Erkundigen Sie sich direkt beim Jobcenter, ob es hierfür ein Formular gibt, oder ob ein formloser Antrag genügt.

      Ihr Team von hartz4hilfthartz4.de

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    1. Lux1211

      Lach… Gasthermen verbrauchen ja nun relativ wenig strom. Wieviel stromkosten wollen sie denn da geltend machen 2-3€ im jahr…???

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  2. Elvira J.

    Hallo ich habe einen Gasbeuler, nun habe ich einen Antrag auf mehrbedarf gestellt für Warmwasser da dezentral, und das rückwirkend für ein Jahr nun wurde dies abgelehnt, da ich dadurch keine Stromkosten hätte und ich sowieso wenn es mir möglich ist für Mehrkosten selbst aufkommen müsste, die über die kdu Kosten entstehen, nach der mehrbedarf Regelung. § 21 SGB ll (6) Ist das rechtens?

    Antworten

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