Steuererklärung, wenn Sie arbeitslos sind: Lohnt sich das?

Im Rahmen einer Steuererklärung übermittelt eine Person dem Finanzamt Informationen über ihre Einkommensverhältnisse. Auf dieser Grundlage wird dann die Höhe der Einkommensteuer berechnet. Hat der Betreffende im Laufe des letzten Jahres zu viel Steuern bezahlt, kann er auf eine Rückerstattung hoffen. Es kann jedoch auch dazu kommen, dass Nachzahlungen fällig werden.

Müssen Sie eine Steuererklärung bei Arbeitslosigkeit machen?

Müssen Sie eine Steuererklärung bei Arbeitslosigkeit machen?

Wie verhält es sich aber mit der Steuererklärung, wenn Sie arbeitslos sind? Müssen ALG-1- und Hartz-4-Empfänger zwingend ihre Steuer machen? Welche Vorteile ergeben sich daraus? Lassen sich Werbungskosten absetzen?

Kurz & bündig: Das Wichtigste zur Steuererklärung, wenn Sie arbeitslos sind

  1. Bei Arbeitslosigkeit ist eine Steuererklärung unumgänglich, wenn Sie mehr als 410 Euro Arbeitslosengeld 1 in einem Jahr erhalten haben.
  2. Eine Steuererklärung muss bei Arbeitslosigkeit mit ALG-1-Bezug gemacht werden, weil Lohnersatzleistungen dem Progressionsvorbehalt unterliegen.
  3. Machen Sie eine Steuererklärung, wenn Sie arbeitslos sind, können Werbungskosten abgesetzt werden. Hierzu gehören unter anderem Kosten für Bewerbungen sowie Weiterbildungen.

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Müssen Sie eine Steuererklärung als Arbeitsloser abgeben?

Eine Steuererklärung muss nach oder bei Arbeitslosigkeit zwingend gemacht werden, wenn die betreffende Person Arbeitslosengeld 1 erhält. Dies ist § 46 Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) zu entnehmen:

Besteht das Einkommen ganz oder teilweise aus Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit, von denen ein Steuerabzug vorgenommen worden ist, so wird eine Veranlagung nur durchgeführt,
1. wenn die positive Summe der einkommensteuerpflichtigen Einkünfte, die nicht dem Steuerabzug vom Arbeitslohn zu unterwerfen waren, vermindert um die darauf entfallenden Beträge nach § 13 Absatz 3 und § 24a, oder die positive Summe der Einkünfte und Leistungen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, jeweils mehr als 410 Euro beträgt; […]

Doch woraus ergibt sich die Pflicht zur Steuererklärung? Sind Sie arbeitslos und erhalten Arbeitslosengeld 1, dann ist zu beachten, dass diese Lohnersatzleistung dem Progressionsvorbehalt unterliegt. Das bedeutet, dass auf das ALG 1 zwar keine Steuern gezahlt werden müssen, sie führen allerdings dazu, dass der Steuersatz für das sonstige zu versteuernde Einkommen steigt. Bei einer Steuererklärung, wenn Sie teilweise arbeitslos waren, müssen Sie also damit rechnen, dass für Ihr Einkommen aus dem restlichen Jahr eine höhere Einkommenssteuer angesetzt wird.

Wo müssen Sie in der Steuererklärung das Arbeitslosengeld 1 eintragen? Der Zeitraum der Nichtbeschäftigung muss in Anlage N eingetragen werden. Zusätzlich müssen Sie in dem Hauptvordruck unter dem Punkt „Einkommensteuerersatzleistungen“ die erhaltene Summe angeben.

Wann müssen Sie die Steuererklärung bei Arbeitslosengeld-1-Bezug abgeben?

Frist für die Steuererklärung: Sind Sie arbeitslos, müssen Sie die Unterlagen pünktlich abgeben.

Frist für die Steuererklärung: Sind Sie arbeitslos, müssen Sie die Unterlagen pünktlich abgeben.

Sind Sie arbeitslos, ist eine Steuererklärung also zu machen, wenn Sie Arbeitslosengeld 1 erhalten. Dabei ist ein bedeutender Fakt zu beachten: Die Steuererklärung muss pünktlich beim Finanzamt eingehen, sonst erfolgt zunächst eine Mahnung. Haben Sie sich dann immer noch nicht um Ihre Steuer gekümmert, können ein Zwangsentgelt sowie ein Versäumniszuschlag drohen.

Machen Sie eine Steuererklärung, wenn Sie arbeitslos sind, müssen Sie diese für das Steuerjahr 2017 spätestens am 31.05.2018 beim Finanzamt abgeben. Es gibt jedoch Ausnahmen: Eine Steuererklärung für Arbeitslose und andere Personen, die zur Abgabe verpflichtet sind, muss in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen erst am 31. Juli 2018 eingereicht werden, wenn diese online mit einem speziellen Zertifikat an das Finanzamt übermittelt wird. Macht ein Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein Ihre Steuer, verlängert sich die Frist sogar auf den 31. Dezember 2018.

Ab dem Steuerjahr 2018 haben Personen bei der Abgabe der Steuererklärung – wenn sie arbeitslos sind oder anderweitig dazu verpflichtet sind – zwei Monate mehr Zeit. Grund dafür ist das Steuermodernisierungsgesetz. Machen Sie also Ihre Steuer für das Jahr 2018, müssen Sie die Unterlagen spätestens am 31.07.2019 einreichen. Haben Sie einen Steuerberater damit beauftragt, verlängert sich die Frist bis zum 29.02.2020.

Personen, die ihre Steuererklärung freiwillig abgeben, dürfen sich mehr Zeit lassen. Sie haben ganze vier Jahre lang Zeit. Das bedeutet: Bis zum 31. Dezember 2018 können Sie noch Ihre Steuererklärung rückwirkend für das Jahr 2014 abgeben und vielleicht von einer Steuerrückerstattung profitieren.

Müssen Hartz-4-Empfänger eine Steuererklärung trotz Arbeitslosigkeit machen?

Die Steuererklärung ist für Arbeitslose, die Hartz 4 beziehen, oft nicht verpflichtend.

Die Steuererklärung ist für Arbeitslose, die Hartz 4 beziehen, oft nicht verpflichtend.

Wir haben bereits Folgendes erfahren: Eine Steuererklärung, wenn Sie arbeitslos sind, müssen Sie zwingend machen, wenn Sie Arbeitslosengeld 1 erhalten und die Summe der Leistungen mehr als 410 Euro beträgt. Doch wie verhält es sich für Hartz-4-Empfänger?

Das Arbeitslosengeld 2 gilt nicht als Lohnersatzleistung, sondern als reine Sozialleistung.

Daraus folgt, dass es nicht dem Progressionsvorbehalt unterliegt – damit wird es bei den Steuern nicht berücksichtigt. Eine Steuererklärung bei ganzjähriger Arbeitslosigkeit mit Hartz-4-Bezug ist demnach nicht zwingend nötig.

Es gibt Personen, die keinen Anspruch auf Hartz-4-Leistungen haben, da sie beispielsweise über ein zu hohes Vermögen verfügen, welches sie zunächst aufbrauchen müssen. Doch wie verhält es sich dann mit der Steuererklärung? Sind Sie arbeitslos ohne Bezüge, haben Sie zuvor kein Arbeitslosengeld 1 bzw. andere Lohnersatzleistungen erhalten und unterliegen auch wegen anderer Gründe nicht der Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung, so steht es Ihnen frei, Angaben zu machen. Ob es sich lohnt, Ihre Steuer zu machen, kann ein Steuerberater prüfen.

Steuererklärung bei Arbeitslosigkeit: Denken Sie an die Werbungskosten

Tipp für die Steuererklärung: Sind Sie arbeitslos, können Sie Werbungskosten für Bewerbungen absetzen.

Tipp für die Steuererklärung: Sind Sie arbeitslos, können Sie Werbungskosten für Bewerbungen absetzen.

Eine Steuererklärung, wenn man arbeitslos war und Arbeitslosengeld 1 erhalten hat, ist also in der Regel unumgänglich. Doch der Aufwand, welcher betrieben werden muss, kann sich durchaus lohnen. Durch die Angabe von Werbungskosten können Sie nämlich Steuern sparen. Bei diesen Werbungskosten handelt es sich um Ausgaben, die mit einem Job zusammenhängen.

Auch während der Arbeitslosigkeit können Werbungskosten entstehen, etwa wenn Sie für Bewerbungen Geld ausgeben. Hierzu gehören unter anderem die folgenden Posten:

  • Kosten für Bewerbungsschreiben (z. B. Druckkosten, Bewerbungsfotos, Fotos, Mappen)
  • Fahrten zum Arbeitsamt
  • Fahrten zu Bewerbungsgesprächen
  • Beglaubigungen von Zeugnissen
Waren Sie bezüglich der Angaben für die Steuererklärung beispielsweise ein halbes Jahr arbeitslos, können Sie durch die Werbungskosten Steuern sparen. Bestand die Arbeitslosigkeit jedoch ein komplettes Jahr, führen Werbungskosten zu einem Verlust. Sind Sie ledig, können die Ausgaben in das Vorjahr zurückgetragen oder im folgenden Jahr berücksichtigt werden.

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