Müssen Hartz-4-Empfänger eine Steuererklärung machen?

In der Steuererklärung geben Personen an, welches Einkommen sie in einem Kalenderjahr erzielt haben. Zusätzlich können gewisse Ausgaben eingetragen werden, welche dazu führen, dass die Steuerlast sinkt. Hat der Betreffende im Laufe eines Jahres zu hohe Steuern gezahlt, kann er mit einer Steuererstattung rechnen. Bei vielen Selbstständigen, aber auch in anderen Fällen, kann es jedoch dazu kommen, dass sie zu niedrige Steuern gezahlt haben und deshalb eine Nachzahlung leisten müssen.

Müssen Sie eine Steuererklärung trotz Hartz-4-Bezug machen?

Müssen Sie eine Steuererklärung trotz Hartz-4-Bezug machen?

Nicht jede Person muss jedoch ihre Steuern machen. Wie verhält es sich, wenn Sie Arbeitslosengeld 2 – alltagssprachlich als Hartz 4 bekannt – erhalten? Müssen Hartz-4-Empfänger eine Steuererklärung machen? Und was geschieht, wenn sie eine Steuererstattung erhalten?

Kurz & bündig: Das Wichtigste zur Steuererklärung bei Hartz-4-Bezug

  1. Ob ALG-2-Empfänger eine Steuererklärung machen müssen, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. In der Regel sind sie jedoch nicht dazu verpflichtet, wenn sie kein weiteres Einkommen haben.
  2. Sie müssen Hartz-4-Leistungen nicht in der Steuererklärung angeben, da diese nicht dem Progressionsvorbehalt unterliegen.
  3. Die Zeit, in denen Sie Arbeitslosengeld 2 erhalten, muss jedoch unter dem Punkt „Zeiten der Nichtbeschäftigung“ angegeben werden.

Wer muss eine Steuerklärung machen?

Einkommensteuererklärung: Hartz-4-Empfänger müssen die Summe der Leistungen nicht angeben.

Einkommensteuererklärung: Hartz-4-Empfänger müssen die Summe der Leistungen nicht angeben.

Ob Hartz-4-Empfänger eine Steuererklärung machen müssen, ist ein vieldiskutiertes Thema. Grundsätzlich ist Folgendes zu beachten: Es gibt Personen, die dazu verpflichtet sind, die Unterlagen beim Finanzamt einzureichen, während wiederum andere die Wahl haben, die Steuererklärung freiwillig zu machen oder sich den Papierkram zu ersparen.

Nimmt das Finanzamt an, dass es jemandem zu wenig Steuern über das Jahr abgezogen hat, wird eine Steuererklärung gefordert. In folgenden Fällen besteht unter anderem eine Veranlagungspflicht:

  • bei der Erzielung von zusätzlichen Einkünften, die mehr als 410 Euro im Jahr betragen,
  • wenn ein Freibetrag eingetragen wurde (z. B. für Kinderbetreuungskosten),
  • wenn beide Ehepartner ein Einkommen hatten und einer nach Steuerklasse V oder VI besteuert wird bzw. wenn einer oder beide unter Steuerklasse IV mit Faktor fallen oder
  • beim gleichzeitigen Lohnbezug von mehreren Arbeitgebern.

Steuererklärung: Müssen Sie Hartz-4-Leistungen angeben?

Bei ganzjährigem Bezug von ALG 2 ist eine Steuererklärung oft nicht nötig.

Bei ganzjährigem Bezug von ALG 2 ist eine Steuererklärung oft nicht nötig.

Ist eine Person arbeitslos, muss sie eine Steuererklärung machen, wenn sie Arbeitslosengeld 1 erhält. Das ALG 1 gehört nämlich zu den steuerfreien Entgeltersatzleistungen und unterliegt dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet, dass die Leistungen zwar nicht versteuert werden, aber dafür sorgen, dass das andere Einkommen mit einem höheren Prozentsatz versteuert wird.

Wie verhält es sich nun für Bezieher von Hartz 4? Ist eine Steuererklärung Pflicht? Grundsätzlich ist dem nicht so. Das Arbeitslosengeld 2 ist keine Entgeltersatzleistung wie das ALG 1, sondern stellt eine reine Sozialleistung dar. Damit muss in der Steuererklärung das Arbeitslosengeld 2 nicht angegeben werden.

Haben Sie das gesamte Jahr Sozialleistungen erhalten, ist deshalb bei Arbeitslosengeld-2-Bezug eine Steuererklärung nicht zwingend notwendig. Haben Sie jedoch im gleichen Jahr ALG 1 erhalten oder ist aus einem anderen Grund eine Veranlagungspflicht entstanden, so müssen Sie Ihre Steuern machen und die nötigen Unterlagen ans Finanzamt weitergeben. Die Hartz-4-Leistungen sind dann jedoch nicht zu vermerken. Allerdings müssen Sie angeben, von wann bis wann sie arbeitslos waren.

Hartz 4 in der Steuererklärung: Wo müssen Sie eintragen, in welchem Zeitraum Sie das ALG 2 erhalten haben? Das richtige Feld trägt den Namen „Zeiten der Nichtbeschäftigung“.

Steuererklärung bei Hartz-4-Aufstockung: Was ist zu beachten?

Für Aufstocker bei Hartz 4 kann eine Steuererklärung lohnenswert sein.

Für Aufstocker bei Hartz 4 kann eine Steuererklärung lohnenswert sein.

Nun erhalten aber nicht nur Arbeitslose Hartz-4-Leistungen. Es gibt auch sogenannte Aufstocker. Hierbei handelt es sich um Personen, die einen geringen Lohn erhalten und deshalb vom Jobcenter unterstützt werden. Was müssen diese Personen bezüglich der Steuern beachten?

Ob Hartz-4-Aufstocker eine Steuererklärung machen müssen, hängt von den oben genannten Faktoren ab. Doch auch wenn Sie nicht dazu verpflichtet sind, eine Steuererklärung beim Finanzamt abzugeben, kann sich der Aufwand unter Umständen lohnen. Das ist der Fall, wenn Sie hohe Werbungskosten geltend machen können. Hierbei handelt es sich um Ausgaben, die mit der Ausübung Ihrer Arbeit zu tun haben. Hierzu gehören unter anderem:

  • Fahrtkosten
  • Berufsbekleidung
  • Werkzeuge, die für die Ausübung des Berufes benötigt werden
  • Fort- oder Weiterbildungen
  • Bewerbungskosten
  • Reisekosten, die für Dienstreisen anfallen
  • Fachbücher oder -zeitschriften
  • Zweitwohnung, die aus beruflichen Gründen benötigt wird

Übersteigen Sie die Pauschale für Werbungskosten in Höhe von 1.000 Euro, lohnt es sich, als Hartz-4-Aufstocker eine Steuererklärung zu machen. Diese Kosten werden nämlich von Ihrem Einkommen abgezogen. Allein auf den Rest müssen Sie Steuern zahlen.

Wie bereits erwähnt, müssen Sie Hartz 4 bei der Steuererklärung nicht angeben. Das gilt auch für Aufstocker.

Hartz 4 und Steuererklärung: Was passiert bei einer Rückzahlung?

Bezug von Hartz 4: Führt eine Steuererklärung zur Rückzahlung, wird das Geld auf die Leistungen angerechnet.

Bezug von Hartz 4: Führt eine Steuererklärung zur Rückzahlung, wird das Geld auf die Leistungen angerechnet.

Haben Personen übers Jahr gesehen zu hohe Steuern gezahlt, erhalten sie eine Rückerstattung. Doch was geschieht, wenn der Betroffene zum Zeitpunkt ebendieser Rückzahlung arbeitslos ist und Hartz 4 bezieht?

In diesem Fall wird die Steuerrückerstattung auf die ALG-2-Leistungen angerechnet – und zwar als Einkommen und nicht als Vermögen. Wäre Letzteres der Fall, würden Hartz-4-Empfänger von hohen Freibeträgen profitieren, doch durch die Einordnung als Einkommen ist dies nicht möglich.

Da es sich nicht um Erwerbseinkommen handelt, kann außerdem kein Freibetrag für Erwerbstätige gemäß § 30 des Zweiten Sozialgesetzbuches (SGB II) angesetzt werden. Vielmehr wird die Steuerrückerstattung komplett auf die Leistungen angerechnet.

Erhalten Bezieher von Hartz 4 wegen einer Steuererklärung eine Rückzahlung und verheimlichen dies, drohen Sanktionen. Es kann ein Bußgeld von bis zu 5.000 Euro verhängt werden. Des Weiteren muss der Betroffene die zu Unrecht erhaltenen Leistungen zurückzahlen.

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