Hartz 4: Was beim Umzug ohne Genehmigung des Jobcenters zu beachten ist

Hartz-4-Empfänger müssen für das Jobcenter immer erreichbar sein, deshalb ist bei jedem Ortswechsel oder einer längeren Abwesenheit (z. B. bei Urlaub) eine Mitteilung an das Amt erforderlich. Zwar dürfen Hartz-4-Empfänger einen Umzug auch ohne Genehmigung des Jobcenters unternehmen, allerdings nicht, ohne Konsequenzen zu riskieren.

Umzug bei Hartz-4-Bezug: Ohne Genehmigung werden die Umzugskosten nicht übernommen.

Umzug bei Hartz-4-Bezug: Ohne Genehmigung werden die Umzugskosten nicht übernommen.

Die Kosten für den Umzug müssen Hartz-4-Empfänger, die ohne Zustimmung vom Amt umziehen, selbst tragen. Ist die neue Wohnung zudem noch teurer als die alte, kann es sein, dass das Jobcenter nicht die volle Miete übernimmt. Unter Umständen kann eine Rückzahlung gefordert werden.

Kurz & bündig: Das Wichtigste zum Thema: „Als Hartz-4-Empfänger den Umzug ohne Genehmigung vollzogen – was nun?“

  • Sie dürfen umziehen, auch ohne Genehmigung vom Jobcenter, da die Sozialgesetzbücher (SGB) den Umzug weder vorschreiben noch verbieten können. Laut Grundgesetz gilt nämlich das Prinzip der Freizügigkeit.
  • Auswirkungen auf die Hartz-4-Leistungen: Ein Umzug ohne Genehmigung kann zur Folge haben, dass das Jobcenter nur die Miete in bisheriger Höhe übernimmt.
  • Selbst, wenn ein Hartz-4-Empfänger den Umzug ohne Genehmigung hinter sich bringt, muss er dem Jobcenter rechtzeitig die neue Adresse mitteilen. Andernfalls kann dieses unter Umständen eine Rückzahlung fordern.

Warum ist bei Hartz-4-Bezug ein Umzug ohne Genehmigung problematisch?

Bei Hartz-4-Bezug: Ein Umzug ist auch ohne Zustimmung des Jobcenters möglich.

Bei Hartz-4-Bezug: Ein Umzug ist auch ohne Zustimmung des Jobcenters möglich.

Vollzieht ein Hartz-4-Empfänger den Umzug in eine andere Stadt ohne Genehmigung des Jobcenters (ehemals Arge), kann dieses zwar die Übernahme der Umzugskosten verweigern, den Umzug selbst kann es jedoch nicht verbieten.

Grundsätzlich gilt das Prinzip der Freizügigkeit. So können Hartz-4-Empfänger einen Umzug auch ohne Genehmigung in ein anderes Bundesland vornehmen, denn das im Grundgesetz verankerte Freizügigkeitsprinzip gewährt die freie Wahl des Wohnortes.

Die Zustimmung des Jobcenters ist deshalb vor allem aus finanzieller Sicht wichtig.

Umzugskosten bei einem Umzug ohne Genehmigung vom Jobcenter

Hartz IV: Ein Umzug muss ohne Genehmigung auskommen, wenn kein erforderlicher Umzugsgrund vorliegt.

Hartz IV: Ein Umzug muss ohne Genehmigung auskommen, wenn kein erforderlicher Umzugsgrund vorliegt.

Umzugskosten werden vom Jobcenter meist nur übernommen, wenn es sich um einen erforderlichen Umzug handelt. Das heißt, es muss ein guter Grund vorliegen. Ist das nicht der Fall, erteilt das Jobcenter keine Genehmigung für den Umzug.

Als erforderlich kann ein Umzug gelten, wenn …

  • eine Erwerbstätigkeit an einem anderen Ort aufgenommen wird,
  • gesundheitliche Gründe oder unzumutbare Wohnverhältnisse vorliegen,
  • der Wohnraum aufgrund von Familienzuwachs zu gering ist,
  • Sie sich vom Partner/der Partnerin trennen.


Setzt ein Hartz-4-Empfänger den Umzug ohne Genehmigung des Jobcenters durch, ist eine Kostenübernahme ausgeschlossen.

Insbesondere Leistungsberechtigte zwischen 18 und 25 Jahren, die aus dem Haushalt der Eltern ausziehen wollen, müssen den Umzug schriftlich genehmigen lassen, um weiterhin Leistungen erhalten zu können.

In manchen Fällen lässt sich eine Doppelmiete (z. B. in der Übergangszeit) nicht vermeiden. Die Rechtsprechung zeigt, dass das Jobcenter dies nicht immer ablehnen kann. Das Sozialgericht in Kiel entschied: Doppelmieten müssen als Kosten für Unterkunft und Heizung vom Jobcenter übernommen werden, wenn der Umzug notwendig war und der Leistungsberechtigte seinerseits alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, die Doppelmiete zu vermeiden (Az.: S 40 A S 500/15).

Kann das Jobcenter die Wohnung nachträglich als „angemessen“ einstufen?

Umzug ohne Zustimmung vom Jobcenter: Wenn die Wohnung nicht angemessen ist, müssen Sie die Differenz zahlen.

Umzug ohne Zustimmung vom Jobcenter: Wenn die Wohnung nicht angemessen ist, müssen Sie die Differenz zahlen.

Diese Frage stellt sich vor allem dann, wenn es um eine teurere Wohnung geht. Übersteigt die neue Miete die bisherigen Kosten für Unterkunft und Heizung, stuft das Jobcenter diese also nicht als „angemessen“ ein, kann es die Genehmigung für den Umzug verweigern.

Wenn der Hartz-4-Empfänger den Umzug trotzdem, ohne Genehmigung vom Jobcenter, über die Bühne bringt und nachträglich meldet, muss das Jobcenter die erhöhten Kosten für die Unterkunft nicht übernehmen. Es zahlt stattdessen die Miete in bisheriger Höhe aus.

Das darf aber nicht so bleiben, entschied das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel (Az.: B 4 AS 12/15 R). Im damaligen Fall hatte ein Hartz-4-Empfänger den Umzug ohne die Genehmigung des Jobcenters vollzogen. Dieses zahlte daraufhin nur den Betrag in Höhe der alten Miete aus.

Das BSG entschied: Die Wohnungskosten dürfen nicht statisch bleiben. Die Jobcenter müssten die allgemein steigenden Mietkosten im Auge behalten und die Grenze sowie die bezahlten Beträge für Unterkunft und Heizung anpassen. Nach einem Umzug ist also zu prüfen, ob die erhöhten Kosten wirklich die bisherigen Kosten für Unterkunft und Heizung übersteigen oder ob diese teilweise auf allgemein gestiegene Mieten in der neuen Gegend zurückzuführen sind.

Was droht Hartz-4-Empfängern beim Umzug ohne Genehmigung des Jobcenters

Grundsätzlich müssen Sie dem Amt Ihr Umzugsvorhaben rechtzeitig mitteilen. Das heißt, Sie müssen bereits vor dem Umzugstermin Ihre neue Adresse weitergeben. Nur so können Sie eine ununterbrochene Erreichbarkeit für das Arbeitsamt gewährleisten.

Die neue Adresse kann online oder durch den Vordruck für eine Veränderungsmitteilung angegeben werden. Kümmern Sie sich nicht rechtzeitig um die Mitteilung, haben Sie vom Umzugstermin bis zum Tag, an dem Sie Ihren Umzug melden, keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Hartz 4: Findet der Umzug ohne Genehmigung statt, kann in manchen Fällen eine Rückzahlung gefordert werden.

Hartz 4: Findet der Umzug ohne Genehmigung statt, kann in manchen Fällen eine Rückzahlung gefordert werden.

Das heißt, wer den Umzug verspätet meldet, muss unter Umständen Hartz-4-Leistungen, die vor der Meldung des Umzugs erbracht wurden, zurückzahlen.

Das ist vor allem dann der Fall, wenn der Betroffene in ein anderes Bundesland oder eine andere Stadt zieht. Möglicherweise ist das alte Jobcenter gar nicht mehr für ihn zuständig, zahlt jedoch weiterhin, da es noch keine Kenntnis über den Umzug hat.

Eine verspätete Änderungsmitteilung wird in der Regel dazu führen, dass der Betroffene an das neue Jobcenter verwiesen wird. Hier hat er jedoch erst ab dem Zeitpunkt der Arbeitslosenmeldung Anspruch auf Leistungen. So kommt es, dass der Betrag zwischen Umzugsdatum und neuer Meldung zurückgefordert werden kann.

Wenn ein Hartz-4-Empfänger seinen Umzug ohne die Genehmigung des Jobcenters macht und die neue Wohnung teurer ist, zahlt das Jobcenter, wie bereits erwähnt, nur die Wohnungskosten in bisheriger Höhe. Betroffene können aber nicht dazu aufgefordert werden, die Wohnung erneut zu wechseln.

Stattdessen wird das Jobcenter den Hartz-4-Empfänger normalerweise dazu auffordern, die Kosten der Wohnung zu senken (z. B. durch Untermiete) oder die Differenz zwischen „angemessener“ und tatsächlicher Miete selbst zu zahlen.

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