Vermittlungsvorschlag vom Arbeitsamt: Wie reagieren?

In der Regel haben Personen, die sich arbeitssuchend melden eine gewisse Mitwirkungspflicht. Jobcenter und Arbeitsagentur verpflichten sich im Gegenzug unter anderem dazu, bei der Jobsuche zu helfen. Leistungsempfänger müssen deshalb gelegentlich mit einem sogenannten Vermittlungsvorschlag rechnen.

Die Bewerbung auf einen Vermittlungsvorschlag ist in der Regel Pflicht.

Die Bewerbung auf einen Vermittlungsvorschlag ist in der Regel Pflicht.

Bei dem Vermittlungsvorschlag handelt es sich um ein Stellenangebot, das der zuständige Sachbearbeiter nach Einschätzung der Kenntnisse und Fähigkeiten des Arbeitsuchenden heraussucht und an diesen weiterleitet. Nicht immer sagt der Vorschlag den Betroffenen zu. Ist eine Bewerbung auf den Vermittlungsvorschlag trotzdem Pflicht? Was passiert, wenn der Vorschlag abgelehnt wird? Die Antworten haben wir für Sie.

Kurz & bündig: Das Wichtigste zum Vermittlungsvorschlag.

  • Einem Vermittlungsvorschlag von Jobcenter oder Arbeitsagentur sollten Arbeitsuchende immer nachkommen, denn sie haben eine Mitwirkungspflicht.
  • Vermittlungsvorschläge bzw. Stellen dürfen nur dann abgelehnt werden, wenn diese als unzumutbar für den Leistungsempfänger gelten.
  • Was ist, wenn ich mich nicht auf den Vermittlungsvorschlag bewerbe? Rechtsfolgen, also Sanktionen, können nur verhängt werden, wenn Betroffene in einer Rechtsfolgenbelehrung darüber aufgeklärt wurden.

Vermittlungsvorschlag vom Arbeitsamt: Ist die Bewerbung Pflicht?

Es steht Ihnen frei im Bewerbungsschreiben den Vermittlungsvorschlag zu erwähnen.

Es steht Ihnen frei im Bewerbungsschreiben den Vermittlungsvorschlag zu erwähnen.

Arbeitsagentur und Jobcenter haben ein eigenes Jobportal, das nicht nur Empfänger von Arbeitslosengeld (ALG) nutzen können. Tatsächlich nutzen selbst die Sachbearbeiter die eigene Jobbörse, um einen Vermittlungsvorschlag für ihre Kunden zu finden.

Nicht selten handelt es sich bei dem Vermittlungsvorschlag um Zeitarbeit. Diese zu umgehen ist für viele Arbeitsuchende schwer. Wer eine Stelle sucht, sollte dem Vermittlungsvorschlag unbedingt nachkommen. Grundsätzlich besteht eine Mitwirkungspflicht. In der Eingliederungsvereinbarung können darüber hinaus weitere Pflichten (z. B. eine bestimmte Anzahl an Bewerbungen pro Monat) festgelegt werden.

Natürlich kann sie niemand dazu zwingen sich auf einen unerwünschten Vermittlungsvorschlag zu bewerben, nur fragen sich die Betroffenen zu Recht: „Darf ich den Vermittlungsvorschlag für eine Zeitarbeit ablehnen? Werde ich sanktioniert, wenn ich mich nicht bewerbe?“

Was passiert, wenn Hartz-4- oder Arbeitslosengeld-1-Empfänger einen Vermittlungsvorschlag ablehnen und welche Gründe eine Weigerung rechtfertigen würden, wollen wir im Folgenden näher betrachten.

Den Vermittlungsvorschlag von Arbeitsagentur/Jobcenter ablehnen

Wenn das Jobcenter oder die Agentur für Arbeit einen Vermittlungsvorschlag schickt, ist es grundsätzlich ratsam diesem nachzukommen. Damit erfüllen Sie nicht nur Ihre Pflichten als Arbeitssuchender und Leistungsempfänger, sondern erhöhen Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Aber was ist mit Vermittlungsvorschlägen, die gar nicht zu Ihnen passen oder sich auf Arbeiten beziehen, die Sie geistig oder körperlich überfordern könnten? Tatsächlich dürfen Sie einen Vermittlungsvorschlag ablehnen, wenn gute Gründe vorliegen.

Vermittlungsvorschlag vom Arbeitsamt: Die Bewerbung gehört zur Mitwirkungspflicht.

Vermittlungsvorschlag vom Arbeitsamt: Die Bewerbung gehört zur Mitwirkungspflicht.

Denn Sie müssen einem Vermittlungsvorschlag nur dann nachkommen bzw. eine Stelle nur dann antreten, wenn diese auch zumutbar ist. Um Mitarbeitern und Kunden des Arbeitsamtes die Vermittlung zu erleichtern, wurde jüngst konkretisiert, was als zumutbar gilt und was nicht.

Zumutbarkeit ist in § 10 Zweites Sozialgesetzbuch (SGB II) geregelt. Zumutbar sind nur Arbeiten, zu denen der Arbeitsuchende körperlich, geistig und seelisch in der Lage ist. So kann z. B. einem Ex-Alkoholiker keine Tätigkeit in einer Bar zugemutet werden.

Aufgrund des Absatzes 1 Nummer 5 ist dieser Paragraf auch sehr offen gehalten. Hier heißt es nämlich, dass jede Arbeit zumutbar ist, es sei denn, dass …

… der Ausübung der Arbeit ein sonstiger wichtiger Grund entgegensteht.

Was als „wichtiger Grund“ anerkannt wird, liegt dann im Ermessen von Jobcenter bzw. Arbeitsagentur. Allerdings nimmt der Zumutbarkeits-Paragraf einigen Argumenten den Wind aus den Segeln. Nach Absatz 2 Nummer 1 ist beispielsweise eine Stelle nicht allein deshalb unzumutbar, weil sie nicht der bisherigen beruflichen Tätigkeit entspricht.

Ich habe mich auf den Vermittlungsvorschlag vom Arbeitsamt nicht beworben – was nun?

Wenn Arbeitsagentur oder Jobcenter einen Vermittlungsvorschlag schicken, der Ihnen nicht zusagt und Sie sich folglich nicht bewerben, kann das als „versicherungswidriges Verhalten“ nach § 159 Drittes Sozialgesetzbuch (SGB III) gelten und entsprechend sanktioniert werden.

Die Rechtsfolge einer Ablehnung einer Arbeit oder eines Vermittlungsvorschlags ist eine sogenannte Sperrzeit, bei Hartz-4-Bezug auch Hartz-4-Sperre genannt.

Weil Jobcenter und Arbeitsagentur in den meisten Fällen auch die Umstände des Einzelnen berücksichtigen müssen, liegt vieles im Ermessen der Sachbearbeiter. Haben Sie sich auf einen Vermittlungsvorschlag nicht beworben, zeigen aber erhebliche Eigenbemühungen bei der Jobsuche, kann es sein, dass der Sachbearbeiter von etwaigen Sanktionen absieht.

Betroffene sollten deshalb unbedingt das Gespräch mit dem Sachbearbeiter suchen.

Vermittlungsvorschlag ohne Rechtsfolgenbelehrung

Vermittlungsvorschlag ohne Rechtsfolgenbelehrung: Eine ALG-2-Sperre kann nicht verhängt werden.

Vermittlungsvorschlag ohne Rechtsfolgenbelehrung: Eine ALG-2-Sperre kann nicht verhängt werden.

In der Vergangenheit landeten bereits einige Fälle vor dem Sozialgericht. Hartz-4-Empfänger oder Leistungsempfänger von ALG 1 widersprechen immer wieder einer auferlegten Sperrzeit. In manchen Fällen mit Erfolg, obwohl ein Vermittlungsvorschlag ignoriert wurde.

Die Rechtsfolge (Sperrzeit) kann nämlich nur dann verhängt werden, wenn Betroffene zuvor darüber informiert wurden und auch darüber in Kenntnis gesetzt wurden, dass die Rechtsfolge aufgrund eines versicherungswidrigen Verhaltens verhängt wird.

Dies ergibt sich aus § 159 SGB III Abs. 2, wonach versicherungswidriges Verhalten vorliegt, wenn …

die bei der Agentur für Arbeit als arbeitsuchend gemeldete (§ 38 Absatz 1) oder die arbeitslose Person trotz Belehrung über die Rechtsfolgen eine von der Agentur für Arbeit unter Benennung des Arbeitgebers und der Art der Tätigkeit angebotene Beschäftigung nicht annimmt oder nicht antritt oder die Anbahnung eines solchen Beschäftigungsverhältnisses, insbesondere das Zustandekommen eines Vorstellungsgespräches, durch ihr Verhalten verhindert (Sperrzeit bei Arbeitsablehnung),

Ohne Rechtsfolgenbelehrung kann auch keine Rechtsfolge eintreten. Im Zweifelsfalle muss das Fehlen der Belehrung nachgewiesen werden.

Vermittlungsvorschlag bei der Bewerbung erwähnen?

Ein Vermittlungsvorschlag von der Agentur für Arbeit sollte nicht ignoriert werden.

Ein Vermittlungsvorschlag von der Agentur für Arbeit sollte nicht ignoriert werden.

Es ist nicht ratsam bei einem unliebsamen Vermittlungsvorschlag die Bewerbung so zu manipulieren, dass diese negativ beantwortet werden muss. Auch eine gewollte Ablehnung kann sich bei der nervenaufreibenden Jobsuche negativ auf die Motivation niederschlagen. Im schlimmsten Fall könnte eine absichtlich schlechte Bewerbung als mangelnde Eigenbemühung gewertet werden.

Nehmen Sie jeden Vermittlungsvorschlag und jede Bewerbung ernst. Betrachten Sie auch solche Vermittlungsvorschläge, die Ihnen nicht zusagen, gerne als Übung. Im Übrigen steht es Ihnen frei in der Bewerbung zu erwähnen, ob es sich um einen Vermittlungsvorschlag vom Arbeitsamt handelt oder nicht.

Mit oder ohne Vermittlungsvorschlag vom Arbeitsamt: Für die Bewerbung steht ein Muster zur Verfügung, das Ihnen als Orientierung dienen kann:

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