Hartz 4: Bekommen Sie Weihnachtsgeld?

In vielen Firmen und Unternehmen ist es üblich, dass Angestellte im November eine zusätzliche Auszahlung zu ihrem Gehalt bekommen. Diese Zusatzleistung wird auch mit dem Begriff „Weihnachtsgeld“ betitelt und dient ursprünglich dazu, die Arbeitnehmer bei der Vorbereitung des Weihnachtsfestes zu unterstützen.

Nicht jeder Arbeitnehmer hat jedoch Anspruch auf ein solches Gehalt. Wird ein Weihnachtsgeld vom Chef ausgezahlt, so ist dies entweder im Arbeits- oder Tarifvertrag bzw. in der Betriebsvereinbarung niedergeschrieben. Da Weihnachten besonders in großen Familien mit vielen Kindern oft den finanziellen Rahmen sprengen kann, fragen sich auch viele Hartz-4-Empfänger, ob auch beim Bezug von ALG 2 Weihnachtsgeld vom Jobcenter ausgezahlt werden kann.

Als Hartz-4-Empfänger Weihnachtsgeld zu bekommen, ist quasi unmöglich.

Als Hartz-4-Empfänger Weihnachtsgeld zu bekommen, ist quasi unmöglich.

Andersherum sind Aufstocker beispielsweise unsicher, ob das von ihrem Arbeitgeber ausgezahlte Weihnachtsgeld auf den Hartz-4-Satz angerechnet wird. Welche Möglichkeiten Sie haben und wie mit Hartz 4 vom Weihnachtsgeld die Anrechnung erfolgt, erfahren Sie im folgenden Ratgeber.

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Wann bekommt man Weihnachtsgeld?

Weihnachtsgeld bei Hartz 4: Wird es ausgezahlt?

Weihnachtsgeld für Hartz-4-Empfänger könnte beispielsweise dazu dienen, einen Weihnachtsbaum zu kaufen.

Weihnachtsgeld für Hartz-4-Empfänger könnte beispielsweise dazu dienen, einen Weihnachtsbaum zu kaufen.

Zunächst einmal sollte mit folgendem Mythos aufgeräumt werden: Weihnachtsgeld, das für Hartz-4-Empfänger ausgezahlt wird, gibt es nicht. Das Gerücht, dass ein Weihnachtsgeld vom Jobcenter auch für Empfänger von ALG 2 geleistet werden kann, hält sich zwar wacker, ist allerdings eben nur genau das: ein Gerücht.

Trotzdem bemühen sich seit Jahren unter anderem Politiker der Partei „Die Linken“ darum, dass ein Weihnachtsgeld für Hartz-4-Empfänger eingeführt wird.

Denn nur so sei es möglich, dass besonders Kinder von Hilfebedürftigen nicht darunter leiden müssen, dass die Eltern kein ausreichendes Budget für Weihnachtsgeschenke, ein Weihnachtsessen, einen Weihnachtsbaum oder ähnliche Dinge zur Verfügung haben.

Auch ein Verwandtenbesuch könne sich kaum geleistet werden, wenn diese nicht im unmittelbaren Umkreis wohnen. Bis ins Jahr 2017 sind jedoch noch keine tatsächlichen Bestrebungen zur Einführung vom Hartz-4-Weihnachtsgeld bekannt. Ein Antrag auf Weihnachtsgeld beim Jobcenter läuft demnach ins Leere.

Hartz-4-Aufstocker: Wird Weihnachtsgeld auf den ALG-2-Anspruch angerechnet?

Vor einem anderen Problem stehen Hartz-4-Empfänger, die aufstockend Leistungen erhalten, weil das Gehalt, das Sie aus Ihrem Job schöpfen, nicht zur Sicherung des Existenzminimums ausreicht. Wird hier ein Weihnachtsgeld vom Chef ausgezahlt, stellt sich oft die Frage, inwiefern dies als Zusatzleistung zu betrachten ist oder ob es wie das normale Gehalt auf den Hartz-4-Anspruch angerechnet wird.

Grundsätzlich gilt: Auch das Weihnachtsgeld, das für alle Arbeitnehmer, auch diejenigen, die Hartz-4-Empfänger sind, normalerweise eine Zusatzleistung darstellen soll, wirkt sich als Einkommen mindernd auf den ALG-2-Anspruch aus. Maßgeblich ist dafür der Paragraf 11 Absatz 3 des Zweiten Sozialgesetzbuchs (SGB 2). Demnach gilt:

Einmalige Einnahmen sind in dem Monat, in dem sie zufließen, zu berücksichtigen. […] Sofern für den Monat des Zuflusses bereits Leistungen ohne Berücksichtigung der einmaligen Einnahme erbracht worden sind, werden sie im Folgemonat berücksichtigt. Entfiele der Leistungsanspruch durch die Berücksichtigung in einem Monat, ist die einmalige Einnahme auf einen Zeitraum von sechs Monaten gleichmäßig aufzuteilen und monatlich mit einem entsprechenden Teilbetrag zu berücksichtigen.

Ohne Weihnachtsgeld bei Hartz 4 könnten sogar Weihnachtsmarktbesuche geringer werden.

Ohne Weihnachtsgeld bei Hartz 4 könnten sogar Weihnachtsmarktbesuche geringer werden.

Das bedeutet im Klartext: Erhalten Aufstocker im November ein zusätzliches Weihnachtsgeld zu ihrem Lohn, so wird dieses ebenfalls als Einkommen berücksichtigt und mit den entsprechend geltenden Freibeträgen verrechnet.

Fällt der aufstockende Hartz-4-Bezieher dadurch aus dem Leistungsbezug heraus, kann das Weihnachtsgeld zu gleichen Teilen auf insgesamt sechs Monate aufgesplittet werden.

Ein Beispiel soll verdeutlichen, wie sich eine Zahlung vom Weihnachtsgeld für ALG-2-Empfänger auf den Anspruch auswirken kann.

Sören verdient mit einer Erwerbstätigkeit im Einzelhandel etwa 800 Euro brutto im Monat. Er erhält aufstockend Hartz 4, um seinen Lebensunterhalt sichern zu können. Im November erhält Sören von seinem Arbeitgeber – wie alle anderen Kollegen auch – Weihnachtsgeld in Höhe von 300 Euro. Da Sören alleinstehend ist, würde er durch den Bezug des Weihnachtsgeldes für den Monat November keinen Anspruch mehr auf Hartz 4 haben. Um dies zu vermeiden ist es laut § 11b des SGB 2 möglich, das Weihnachtsgeld über 300 Euro auf sechs Monate aufzuteilen. Demnach erhält Sören im darauffolgenden halben Jahr quasi nur monatlich 50 Euro mehr, als er ohne das Weihnachtsgeld bekommen würde. Der Hartz-4-Anspruch bleibt bestehen, allerdings werden die zusätzlichen 50 Euro ebenfalls mit in die Berechnung des Einkommens aufgrund des Freibetrags aufgenommen.

Argumente für und gegen das Weihnachtsgeld

Mit ALG 2 Weihnachtsgeld zu erhalten, um Geschenke zu kaufen, ist zur Zeit nicht möglich.

Mit ALG 2 Weihnachtsgeld zu erhalten, um Geschenke zu kaufen, ist zur Zeit nicht möglich.

Das am häufigsten genannte Argument gegen die Einführung eines Weihnachtsgeldes für Hartz-4-Empfänger ist, dass die wenigsten Arbeitnehmer, die regelmäßig einer Arbeit nachgehen, dieses ebenfalls erhalten.

Ausgleichende Gerechtigkeit würde voraussetzen, dass jeder Arbeitnehmer – ob Hartz-4-Empfänger oder nicht – einen generellen Anspruch auf die Auszahlung von zusätzlichem Geld zu Weihnachten hätte.

Ein Argument für das Weihnachtsgeld für Hartz-4-Empfänger wiederum ist, dass diese durch die geringe Höhe der Regelsätze bereits grundsätzlich am Existenzminimum kratzen. Das ist besonders dann der Fall, wenn außerplanmäßige Anschaffungen anstehen, weil beispielsweise der Kühlschrank oder die Waschmaschine kaputtgeht, Kinder neue Kleidung benötigen oder ein gemeinsamer Urlaub mit der ganzen Familie geplant werden soll.

Hartz-4-Empfängern ein Weihnachtsgeld auszuzahlen, kann insofern hilfreich sein, als dass Kinder hilfebedürftiger Eltern nicht unter fehlenden Weihnachtsgeschenken leiden müssen, die anderen Kindern ohne größere Probleme ermöglicht werden können. Zusätzlich können Verwandtenbesuche, wenn diese nicht im gleiche Ort oder Bundesland leben, teuer werden.

Hartz-4-Empfänger dies aus dem Regelsatz zahlen zu lassen, kann zu finanziellen Engpässen führen. Gleiches gilt für den Wunsch vieler Hilfebedürftigen, sich an Weihnachten mal ein gutes Essen zu gönnen oder auch mit der Familie essen zu gehen. Beide Varianten erfordern finanzielle Mittel, die einem Hartz-4-Empfänger durch Weihnachtsgeld ermöglicht werden können.

Ob und wann Hartz 4 und das Weihnachtsgeld in Einklang gebracht werden können, steht noch in den Sternen. Viele Sozialverbände und Parteien setzen sich jedoch schon heute dafür ein, dass ein Weihnachtsgeld für Hartz-4-Empfänger eingeführt wird und es Aufstockern nicht wie normales Gehalt als Einkommen angerechnet wird. Inwiefern diese Forderungen Erfolg haben können, wird die Zeit zeigen.

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