Umschulung vom Arbeitsamt: Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen?

Aus unterschiedlichen Gründen kann es für Personen notwendig werden, durch eine Umschulung einen neuen Beruf zu erlernen. Zu den häufigsten Ursachen gehören Erkrankungen, die eine Weiterführung der ursprünglichen Arbeit nicht zulassen.

Eine Umschulung beim Jobcenter beantragen: Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, um eine Förderung zu erhalten?

Eine Umschulung beim Jobcenter beantragen: Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, um eine Förderung zu erhalten?

Aber auch schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt können den Wechsel in ein anderes Berufsfeld bedingen. Vom Arbeitsamt kann eine Umschulung unterstützt und sogar komplett finanziert werden. Dies gilt insbesondere für arbeitslose Menschen.

Doch welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit ein Hartz-IV-Empfänger eine Umschulung übers Arbeitsamt bezahlt bekommt? Dieser Frage geht der folgende Ratgeber auf den Grund. Außerdem erfahren Sie, wann das Umsatteln in einen anderen Beruf sinnvoll erscheint und was Sie bei einem entsprechenden Antrag beachten sollten.

Wann wird eine Umschulung vom Jobcenter unterstützt?

Eine Umschulung durch das Arbeitsamt soll eine Erhöhung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt erzielen.

Eine Umschulung durch das Arbeitsamt soll eine Erhöhung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt erzielen.

Wie schon erwähnt, kann eine Umschulung vom Arbeitsamt bzw. Jobcenter bewilligt werden.

Dies ist der Fall, wenn ein Arbeitsloser einen Beruf erlernt hat, mit welchem seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt schlecht stehen und sich dieser Zustand in absehbarer Zeit nicht ändern wird.

Durch die Umschulung soll ein neues Berufsfeld erschlossen werden, mit welchem die Chancen, tatsächlich eine Arbeit zu finden, höher zu bewerten sind. Dabei spielen auch persönliche Stärken des Arbeitslosen eine zentrale Rolle.

Sinnvoll ist es zudem, einen Beruf zu wählen, bei welchem Kenntnisse aus der zuvor erlernten Arbeit eingesetzt bzw. vertieft werden können. Dafür ist eine detaillierte Bewertung der Situation des Antragstellers durch den Sachbearbeiter vonnöten.

Um eine Umschulung durch das Jobcenter oder Arbeitsamt zu erhalten, ist dies allerdings nicht das einzige denkbare Szenario. Es kann auch vorkommen, dass Arbeitnehmer gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, den erlernten Beruf auszuüben.

Dies kann beispielsweise bei Bauarbeitern auftreten, wenn ein Bandscheibenvorfall oder eine ähnliche Erkrankung das Verrichten schwerer Arbeiten verhindern. In diesem Fall macht eine Umschulung in ein Berufsfeld Sinn, indem keine anstrengende körperliche Arbeit erforderlich ist.

Sinn und Zweck der Umschulung für Hartz-IV-Empfänger ist es also, ihnen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Diese kann allerdings nur von Arbeitslosen in Anspruch genommen werden, die bereits eine Ausbildung absolviert oder zumindest begonnen haben.

Allerdings kommt eine Umschulung nicht ausschließlich bei Arbeitslosigkeit in Betracht. Sie kann auch dazu dienen, diese zu verhindern. Dies ist häufig der Fall, wenn absehbar ist, dass der eigentlichen Arbeit durch eine Erkrankung nicht mehr nachgegangen werden kann. Auch hier gibt es Förderungen durch die Bundesagentur für Arbeit.

Per Bildungsgutschein zur Umschulung

Der Bildungsgutschein dient als Nachweis dafür, dass eine Umschulung bewilligt wurde.

Der Bildungsgutschein dient als Nachweis dafür, dass eine Umschulung bewilligt wurde.

Als Nachweis, dass eine Umschulung durch das Arbeitsamt übernommen wird, dient der sogenannte Bildungsgutschein.

Dessen Zweck und mögliche Einschränkungen sind in § 81 Absatz 4 Sozialgesetzbuch III (SGB III) definiert:

Der Arbeitnehmerin oder dem Arbeitnehmer wird das Vorliegen der Voraussetzungen für eine Förderung bescheinigt (Bildungsgutschein). Der Bildungsgutschein kann zeitlich befristet sowie regional und auf bestimmte Bildungsziele beschränkt werden. Der von der Arbeitnehmerin oder vom Arbeitnehmer ausgewählte Träger hat der Agentur für Arbeit den Bildungsgutschein vor Beginn der Maßnahme vorzulegen. Die Agentur für Arbeit kann auf die Ausstellung eines Bildungsgutscheins bei beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern verzichten, wenn der Arbeitgeber und die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer damit einverstanden sind.

Es handelt sich also um eine Bescheinigung, die angibt, dass die Voraussetzungen für eine berufliche Umschulung, die durch das Amt übernommen wird, vorliegen. Sie muss dem Träger der Umschulungsmaßnahme bei Kursbeginn vorgelegt werden.

Auf die Ausstellung eines Bildungsgutscheins zur Umschulung durch das Arbeitsamt besteht kein rechtlicher Anspruch. Es handelt sich um eine sogenannte „Kann-Leistung“, welche im Ermessen der Behörde liegt.

Gut zu wissen: Neben einer Umschulungsmaßnahme ist auch eine kürzere Weiterbildung denkbar. Diese kann bis zu zwölf Wochen dauern und soll quasi als Trainingsmaßnahme für den Arbeitslosen dienen.

Welche Leistungen werden bei der Umschulung durch den Bildungsgutschein übernommen?

Umschulungen, die vom Arbeitsamt finanziert werden, sind meist schulische Ausbildungen. Diese nehmen in der Regel einen langen Zeitraum (bis zu zwei Jahre) in Anspruch. Dabei fallen unterschiedliche Kosten an. Viele von diesen werden durch den Bildungsgutschein abgedeckt.

Im Folgenden erhalten Sie eine Übersicht, welche Leistungen inbegriffen sind.

Lehrgangskosten

Bei einer Umschulung vom Arbeitsamt werden die Kosten vollständig übernommen.

Bei einer Umschulung vom Arbeitsamt werden die Kosten vollständig übernommen.

Finanziert das Jobcenter eine Umschulung, wird diese meist in Form eines Lehrgangs absolviert. Dabei handelt es sich um ein rein schulisches Programm. Für den Unterricht entstehen somit Kosten.

Diese können durch den Bildungsgutschein von der Behörde komplett übernommen werden.

Des Weiteren besteht die Möglichkeit einer betrieblichen Umschulung. Diese ist einer Berufsausbildung sehr ähnlich. Dabei fallen in der Regel keine Lehrgangsgebühren an, Sie erhalten vielmehr eine Vergütung, da Sie im Betrieb selbst aktiv mitarbeiten.

Fahrtkosten

Bei einer Umschulung kann das Jobcenter auch die Bezahlung der Anfahrt zum Lehrgangsort übernehmen. Ist dieser nahe am Wohnort, so kann die Anreise beispielsweise durch eine Monatskarte abgedeckt werden, sodass nicht für jeden Einzelfahrausweis gezahlt werden muss.

Anders gestaltet sich das Szenario, wenn der Lehrgang in einer anderen Stadt stattfindet, sodass ein Umzug für den Umschüler notwendig ist. Hier werden einmalig die Kosten für den Wohnortwechsel übernommen. Auch die Heimfahrt ist inbegriffen.

Gut zu wissen: Die Fahrt zum bisherigen Wohnort wird einmal pro Monat ebenfalls gezahlt. So kann der Umschüler für ein Wochenende seine Familie und Freunde besuchen.

Kosten für eine auswärtige Unterkunft

Ist das Pendeln aufgrund der großen Entfernung zum Heimatort nicht möglich, so kann auch eine Unterbringung in der Stadt des Lehrgangs finanziert werden. Dabei kann der Teilnehmer bis zu 340 Euro pro Monat zur Deckung der Mietkosten erhalten.

Weiterhin kann eine Verpflegungspauschale bewilligt werden. Dazu stehen maximal 136 Euro monatlich zur Verfügung.

Kinderbetreuungskosten

Bei einer Umschulung werden auch die Kosten für die Betreuung der Kinder übernommen.

Bei einer Umschulung werden auch die Kosten für die Betreuung der Kinder übernommen.

Bei einer Umschulung mit Bildungsgutschein können weiterhin Kosten für die Kinderbetreuung übernommen werden.

Da die Umschulungsmaßnahmen meist sehr zeitaufwendig sind, müssen Alternativen für die Betreuung der Kinder aufgetan werden.

Dazu erhalten Berechtigte einen Pauschalbetrag von 130 Euro pro Kind pro Monat. Mit diesem soll eine Betreuung der Sprösslinge bezahlt werden. Der Betrag ist unabhängig von den tatsächlich entstehenden Kosten.

Lebensunterhalt

Wer arbeitslos eine Umschulung absolviert, fürchtet oft, dass der Lebensunterhalt in dieser Zeit nicht sichergestellt ist. Allerdings wird das ALG II in dieser Zeit dem Regelsatz entsprechend weiterhin ausbezahlt.

Hier tritt sogar eine Sonderregelung in Bezug auf die Dauer der Zahlungen in Kraft: Der Bezugszeitraum von Arbeitslosengeld ist generell beschränkt. Nimmt allerdings ein Hartz-IV-Empfänger eine Umschulung wahr, so wird die Zeit des Lehrgangs nur zur Hälfte von dem eigentlichen Bezugszeitraum abgezogen.

Dadurch kann sichergestellt werden, dass der Lebensunterhalt über die gesamte Umschulungsmaßnahme gewährleistet ist.

Übrigens: Die Weiterbildungseinrichtung, die Sie besuchen möchten, muss staatlich anerkannt bzw. akkreditiert sein. Andernfalls ist eine Kostenübernahme durch das Amt oder Jobcenter nicht möglich.

Welche Umschulungsmöglichkeiten vom Arbeitsamt gibt es?

Die Anzahl der Berufe, für die Umschulungen vom Arbeitsamt bewilligt werden, ist groß.

Die Anzahl der Berufe, für die Umschulungen vom Arbeitsamt bewilligt werden, ist groß.

Fassen Arbeitslose den Entschluss, dass eine Berufsumschulung helfen könnte, die eigenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu steigern, stellt sich oft die Frage: „Welche Umschulungen bietet das Arbeitsamt überhaupt an?

Diese ist pauschal nicht zu beantworten, da eine Vielzahl an möglichen Lehrgängen besteht. Umschulungen, die die Agentur für Arbeit finanziert, zielen immer darauf ab, den Umschüler so zu fördern, dass dieser einen Arbeitsplatz finden kann.

Dazu ist ein großes Spektrum an Berufen denkbar, in denen es an Nachwuchs mangelt. Gerade in den letzten Jahren rücken dabei Tätigkeiten im Bereich der Pflege immer mehr in den Vordergrund. Allerdings muss hier teils schwere körperliche Arbeit verrichtet werden, sodass diese Umschulungsmaßnahme nur für Leute in Betracht kommt, die keine gesundheitlichen Schädigungen zu erleiden haben.

Generell sind viele Kooperationen zwischen Lehrgangsanbietern und der Agentur für Arbeit vereinbart. Aus diesem Pool können Interessierte dann gemeinsam mit dem Sachbearbeiter oder auch selbstständig online schauen, ob ein den Fähigkeiten entsprechendes Angebot vorhanden ist.

Das Arbeitsamt unterstützt Umschulungen in vielen Bereichen. Wichtig ist immer, dass die Maßnahme geeignet ist, um die Chancen auf dem Arbeitsmarkt signifikant zu steigern. Außerdem werden auch die persönlichen Fähigkeiten des Umschülers berücksichtigt.

Was bei Anträgen für Umschulungen beim Arbeitsamt zu beachten ist

Entschließen Sie sich dazu, einen anderen Beruf zu erlernen, kann als Hartz-4-Empfänger ein Antrag auf Umschulung beim Jobcenter eingereicht werden. Hierzu ist es zwingend erforderlich, dass ein Termin mit dem zuständigen Sachverständigen vereinbart und wahrgenommen wird.

Gemeinsam kann dann geklärt werden, inwiefern eine Umschulung sinnvoll erscheint und welche Möglichkeiten es gibt. Vorab ist es wichtig, dass Sie den Mitarbeiter des Jobcenters davon überzeugen, dass eine Umschulungsmaßnahme für Sie der richtige Weg ist, einen Arbeitsplatz zu finden.

Ob ein Bildungsgutschein ausgestellt wird, ist eine Ermessensentscheidung. Je stärker Ihre Argumente sind, desto höher sind die Chancen, diesen bewilligt zu bekommen.

Arbeitnehmer, die eine Umschulung aus gesundheitlichen Gründen oder wegen einer nahenden Beendigung des Arbeitsverhältnisses anstreben, können beim Arbeitsamt vorstellig werden. Auch hier muss ein persönlicher Termin mit einem Sachbearbeiter stattfinden, bei dem der Sinn und Zweck einer Umschulungsmaßnahme erläutert wird.

Tipps & Tricks für einen geeigneten Beruf zur Umschulung

Die Umschulung in einen geeigneten Beruf steigert die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Die Umschulung in einen geeigneten Beruf steigert die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Da es von immenser Wichtigkeit ist, den zuständigen Beamten von der Notwendigkeit einer Umschulung zu überzeugen, finden Sie im Folgenden einige Tipps und Tricks, wie Sie möglichst überzeugend auftreten können:

  • Ihre Begründung, warum Sie den bereits erlernten Beruf nicht mehr ausführen können, muss stichhaltig und gut nachvollziehbar sein. Dabei können Sie beispielsweise gesundheitliche Probleme oder geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt anführen. Auch die Unvereinbarkeit der alten Arbeitszeiten mit dem Familienleben können ausschlaggebend sein, gerade wenn Sie Kinder haben, die großgezogen werden müssen.
  • Je konkreter Sie sich schon mit einem neuen Beruf beschäftigt haben, desto überzeugender können Sie auf den Sachbearbeiter wirken. Überlegen Sie vor allem, wie Sie dort Ihre Stärken und bereits erlerntes Wissen einbringen können. Außerdem empfiehlt es sich, dass Sie die möglichen Tätigkeiten im neuen Berufsfeld möglichst genau kennen. Je kompetenter Sie in diesem Punkt auftreten, desto wahrscheinlicher ist die Übernahme der Kosten für die Umschulung.
  • Weiterhin ist es von Vorteil, wenn Sie die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für das neue Tätigkeitsfeld einordnen können. Dies kann gute Argumente liefern, die die Finanzierung einer Umschulung durch das Jobcenter rechtfertigen.
  • Darüber hinaus sollten Sie prüfen, ob entsprechende Umschulungsangebote in Ihrer Umgebung vorhanden sind. Ist dies nicht der Fall, müssen Sie sich darüber Gedanken machen, ob auch ein Umzug oder das Pendeln für Sie in Frage käme.
Gut zu wissen: Ein Bildungsgutschein ist in der Regel nur drei Monate gültig. In dieser Zeit müssen Sie also eine Einrichtung finden, in der die Umschulung zeitnah stattfinden kann.

Umschulung für Hartz-IV-Empfänger: Gibt es Sanktionen, wenn diese nicht angetreten wird?

Verpassen Sie die Umschulung, kann das ALG II gekürzt werden.

Verpassen Sie die Umschulung, kann das ALG II gekürzt werden.

Wer ALG II bezieht, ist dazu angehalten, eine Eingliederungsvereinbarung zu unterschreiben.

In dieser werden Aufgaben für den Hartz-4-Empfänger definiert und auch die Leistungen der zuständigen Behörde aufgeführt.

Wird gegen die vertraglich vereinbarten Auflagen verstoßen, können Sanktionen drohen. Diese machen sich meist in Form von Leistungskürzungen bemerkbar. Wie verhält es sich nun, wenn eine Umschulung für Arbeitslose nicht wahrgenommen wird?

Auch in diesem Fall sind Hartz-IV-Sanktionen durchaus denkbar. Wurde schon in der Eingliederungsvereinbarung schriftlich festgehalten, dass der Arbeitssuchende an einer solchen Umschulungsmaßnahme teilnehmen soll, handelt es sich um einen klaren Verstoß.

Die Pflichtverletzung wird dann in einem ersten Schritt mit einer Leistungskürzung um 30 Prozent des Regelsatzes sanktioniert. Kommt es zu einem erneuten Vertragsbruch, können bis zu 60 Prozent der Leistungen einbehalten werden.

Obdachlos wird dadurch allerdings niemand, die Miete wird weiterhin übernommen. Verweigert sich der Hartz-IV-Empfänger wiederholt, kann der Anspruch auf das ALG II sogar vollständig entfallen. Diese Sanktionen gelten über einen Zeitraum von drei Monaten.

Auch Termine mit dem Jobcenter müssen unbedingt wahrgenommen werden. Fehlen Leistungsempfänger unentschuldigt bei einem dieser Treffen, so kann eine Leistungskürzung um zehn Prozent die Folge sein.

Wird durch das Jobcenter die Möglichkeit zu einer Umschulung angeboten, so sollten Sie diese wahrnehmen. Dies fördert die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Für den Lebensunterhalt in dieser Zeit ist auch gesorgt, das ALG II wird weiterhin gezahlt.Außerdem erhalten Sie die Fahrtkosten erstattet und sogar für die Kinderbetreuung ist ein Pauschalbetrag vorgesehen. Wird eine angeordnete Umschulungsmaßnahme nicht angetreten, so können Hartz-IV-Sanktionen gemäß § 31 SGB II folgen. In diesem Fall werden die Leistungen prozentual zum Regelsatz für drei Monate gekürzt.

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